Home   /   Kolumnen  /  Top!  /   Die Frauen aus der zweiten Reihe

Die Frauen aus der zweiten Reihe

Die Frauen aus der zweiten Reihe

Ein Job als Background-Sängerin kann für unbekannte Musikerinnen von großem Vorteil sein: Sie lernen sowohl das Tourleben als auch das Musikgeschäft kennen und bleiben im besten Fall dem ein oder anderen Konzertbesucher in Erinnerung. Prominente Beispiele gibt es viele, beispielsweise Gwen Stefani, die No Doubt anfangs nur als Hintergrundsängerin begleiten sollte oder Fergie, die eigentlich nur Gastinterpretin bei den Black Eyed Peas war und von den Bandmitgliedern schließlich überredet wurde, ein festes Mitglied der Band zu werden. Hier nun drei Fallbeispiele aus dem angelsächsischen Singer-Songwriter-Kosmos:

Lisa Hannigan & Damien Rice

 

2002 veröffentlichte Damien Rice sein erstes Debütalbum „O„. Es war das Ergebnis einer langen Reise als Straßenmusiker, ein in ganz Europa in Kirchen und Wohnzimmern aufgenommenes musikalisches Tagebuch. An seiner Seite: Lisa Hannigan, eine schmale Frau mit langen braunen Haaren und einer zerbrechlichen Stimme, die aus seinen ersten beiden Alben das gemacht hat, was sie sind. Sowohl musikalisch als auch inhaltlich. „O“ wurde ein unerwarteter Erfolg, Damien zum Singer-Songwriter-Wunder. Der öffentliche Interesse wuchs, auf das so unbedachte, mächtige „O“ folgte das verkrampfte Studioalbum „9“, die Beziehung der beiden Musiker zerbrach und Damien schickte Lisa kurz vor einem Konzert in München nach Hause. Lisa verließ die Tour und sagt über eine Wiedervereinigung Sachen wie: „I don’t think I’ll work with Damien again.“ Damien verschwand jahrelang von der öffentlichen Bildfläche und sagt über seinen Erfolg Sachen wie: „I’d give it all away to have Lisa in my life.“

Dafür hat Lisa zwei wunderbar beschwingt-melancholische Alben aufgenommen, die ihre Songwriter-Fähigkeiten als auch ihr musikalisches Gespür zeigen, die musikalischen irischen Wurzeln ihrer irischen Heimat in zarten Indie-Folk wachsen zu lassen. Ihr zweites Album „Passenger“ erreichte 2011 Platz eins der irischen Album-Charts.

Lucy Rose & Bombay Bicycle Club

 

Mit sechzehn Jahren brachte sich Lucy Rose selbst das Gitarrenspielen bei und fing im stillen Kämmerlein an, Songs zu schreiben, die sie ursprünglich niemandem zeigen wollte. Ähnlich wie Lisa Hannigan zog sie zum Alibi-Studium nach London, um dort auf zahlreichen Open-Mic-Sessions ihre Ergüsse doch noch einem größeren Publikum zu präsentieren. Bei einem Akustik-Konzert von Bombay Bicycle Club traf sie Leadsänger Jack Steadman und wurde langsam zu einem inoffiziellen Teil der Band: Ihre Stimme ist seit dem Tonträger „Flaws“ von 2010 kontinuierlich auf allen Studioalben der britischen Jungs vertreten, zudem unterstützte sie die Band auf Tour. Langsam tritt Lucy immer mehr aus dem Schatten der gefeierten Indie-Musiker. Ihr jüngstes Album „Work It Out“ erschien im Juli dieses Jahres und präsentiert die musikalische Weiterentwicklung der jungen Songwriterin, auf dem ihre Zeit im Club deutliche und durchaus tanzbare Spuren hinterlassen hat.

Laura Marling & Noah and the Whale

 

Laura Marling war 2006 eins der Gründungsmitglieder der britischen Band Noah and the Whale. „I loved every second of being in Noah and the Whale“, sagt sie heute; die Monate, in der sie ohne einen Cent in der Tasche mit der Band tourte, sei die „dreckigste, allerschönste“ Zeit gewesen. Laura verließ die Band noch vor dem Erscheinen des ersten Studioalbums, eine gescheiterte Beziehung zwischen ihr und Frontsänger Charlie Fink war an diesem Schritt wohl nicht ganz unbeteiligt. Fink produzierte allerdings immerhin ihren Erstling „Alas, I Cannot Swim“ aus dem Jahre 2008, auf den noch vier weitere Alben folgen sollten. Nach einem Verschieben ihres Lebensmittelpunktes von London nach Los Angeles und wieder zurück erschien ihr jüngstes Werk „Short Movie“ im März dieses Jahres und erreichte Platz sieben der britischen Alben-Charts.

 

Home   /   Kolumnen  /  Top!  /   Die Frauen aus der zweiten Reihe
Nina Sieverding
»Jeder macht mal Fehler – außer mir. Ich sammle bloß Erfahrung.«
Related Article