Home   /   Games  /  Top!  /   Die Gamingbranche – ein Traumjob?

Die Gamingbranche – ein Traumjob?

Die Gamingbranche – ein Traumjob?

Zocken am Arbeitsplatz, der Ruf der Selbstausbeutung und schlafen neben Pizzaschachteln – was ist da wirklich dran? Ich hab’ dieses Wochenende auf der GAME CITY im Wiener Rathaus versucht, einen Einblick bei XBOX, Minecraft, Stillalive Studios, und Co. über das Arbeiten in der Gaming-Branche zu bekommen.

Ich würd’ gerne spielen, wenn ich will und nicht, wenn ich muss. Andrerseits, es ist ein Luxusproblem.

Christian Wenzl, Xbox Marketing Manager

Dass die Leidenschaft zu Spielen ein Muss ist, da sind sich alle einig. Doch dass dahinter auch eine Heidenarbeit steckt, ist da eher wenigen bekannt. Wie Xbox Marketing Manager Christian Wenzl im Interview erzählt, muss man gerade auf Events ausprobieren wie blöd – und immer wieder von neu beginnen, bis alles passt.

Und auch Dirk Riegert, Creative Director von Anno 2205, erklärt, dass Spielen eher ein „Abarbeiten“ ist. Zeitweise wird das wirklich eine Aufgabe, das bedeutet: Testen und Bugs finden.

Heutzutage ist alles viel professioneller als 2002. Heute würde ich mich wie damals gar nicht einstellen.

Dirk Riegert, Creative Director Anno 2205

Ob groß oder klein, je nachdem, wer gesucht wird. Laut Dirk Riegert kann man das auch folgendermaßen einteilen: Es gibt die „Rockband“, mit Leuten, die mehrere Sachen gleichzeitig können (Allrounder), dann die „Kapelle“, mit mehreren Spezialisten und das „Sinfonie-Orchester“, mit einer Vielzahl an Spezialisten. Da ist klar, dass der Triangel-Spieler nichts in der Rockband verloren hat.

Beim Indie-Games Hersteller Stillalive Studios sucht man je nach Bedarf, meint Alexander Grenus, Producer und Designer bei Stillalive Studios. Sein persönlicher Tagesablauf besteht aus 80% Game- und Level-Design und zu 20% aus Organisation. Doch egal, ob Artist oder Programmierer, jeder muss gewisse Anforderungen erfüllen – und eine gute Probearbeit abliefern, um auch auf Organisatorisches Einblick zu haben und zu verstehen, wie eine andere Person arbeitet.

Möchte man im Verein Minecraft Vienna Wien auf virtueller Ebene nachbauen, braucht man nur eines: Man muss mit Begeisterung und Herz dabei sein, so Stefan Riedmann, selbst Student für Bauingenieurwesen. Der Verein sucht nicht nach Menschen mit bestimmtem Hintergrund, sondern nach Gleichgesinnten, die sich in ihrer Freizeit die Zeit nehmen und gemeinsam bauen.

Wir haben jetzt in den 3 Jahren, die es die Firma gibt, nur 2 Wochen Crunchtime gehabt.

Alexander Grenus, Producer und Designer bei Stillalive Studios

Stress ist einer der vielen Schlagwörter, die sofort in Zusammenhang mit der Gaming-Szene fallen. Doch wie auch bei den Stillalive Studios werden Crunchtimes und Deadlines so gut wie es geht vermieden. Falls es mal zu Wochenendarbeiten kommt, so Alexander Grenus, dann haben die Leute ein paar Tage danach frei.

Marc Goroll, Communication Manager bei EA Sports, gibt zu, dass ihm stressige Tage jedoch lieber sind als 8 Stunden lang Däumchen drehen. Wenn ein Event stattfindet, ist da selbstverständlich mehr los.

Dirk Riegert vertritt die Meinung, dass viele Überstunden ein Spiel nicht besser machen – im Gegenteil. Wenn man 8 Stunden intensiv daran arbeitet, erbringt man so bessere Leistungen. Und Stress wird vorgebeugt durch gute Planung.

Bei Minecraft Vienna hingegen ist Stress überhaupt nicht gegeben – außer kurz vor der Game City, wo in kurzer Zeit das Rathaus samt Kanalisation hat stehen müssen.

Dieses Jahr freuten sich über 78.000 Besucher über die neuesten Games.

Dieses Jahr freuten sich über 78.000 Besucher über die neuesten Games.

 

Die Spielebranche hat ein bisschen den Ruf der Selbstausbeutung (…) und des Schlafens zwischen Pizzaschachteln. Das sind romantische Traum-, oder auch Albtraumvorstellungen.

– Dirk Riegert, Creative Director Anno 2205

Arbeiten in der Spielebranche ist ein ganz normaler 40-Stunden-Job. Das Zeitsystem, das dabei zum größten Teil genutzt wird, ist Gleitzeit, mit einer Kernarbeitszeit, in der alle konzentriert arbeiten. Das wird auch so in Blue Byte gehandhabt.

Beim Indie-Hersteller Stillalive Studios gestaltet sich das aber gar nicht so einfach: Denn mit einem sehr zerstreuten Team, mit Leuten in Innsbruck, Italien, Finnland, der Schweiz und auch der USA, ist es gar nicht so leicht, alle Leute zusammenzubekommen. Da hilft nur eines – das geringste Übel finden. Und das funktioniert so, dass Meetings gegen 15 Uhr stattfinden – dann, wenn das europäische Team schon wieder aufhört und die Amerikaner gerade beginnen.

Bei Minecraft Vienna trifft man sich in seiner Freizeit und sitzt am Abend zu dritt oder zu fünft zusammen, was vom Organisatorischen her auch nicht leicht ist zu handhaben. Auch da ist Planung ganz besonders wichtig.

Frauen sind in der ganzen Branche unterrepräsentiert, da muss man nicht lange drum rumreden.

Marc Goroll, Communication Manager bei EA Sports

Dass die Gaming-Branche von Männern dominiert wird, ist leider Fakt. Trotzdem gibt es bei EA einige Frauen zu finden – sei es in der Position PR oder im MAXIS Studio für SIMS und SIM City. Doch bei den FIFA Entwicklern in Canada ist die Frauenquote eher gering.

Bei den Stillalive Studios ist das nicht anders: Laut Alexander Grenus ist derzeit nur eine Frau bei ihnen im Team, allerdings ist die Anzahl der Frauen abhängig vom Projekt. Bei größeren Projekten mit mehr Concept Art etc. wird durch Outsourcing das Team erweitert – und der Frauenanteil steigt dadurch auch.

Laut Dirk Riegert sind Männer immer noch in der Überzahl, allerdings steigt der Frauenanteil. Denn Frauen gibt es jetzt schon in allen Tätigkeitsbereichen und bringen dadurch auch mehr Input, was bei Blue Byte auch gefordert und gefördert wird.

Es gibt offizielle Sachen wo man was feiert, aber ansonsten ist es sehr zwanglos. Die Leute finden sich in Gruppen, machen etwas zusammen.

Dirk Riegert, Creative Director Anno 2205

Egal ob eine Weihnachtsfeier via Google Hangouts wie bei Stillalive Studios, gemeinsame Festivitäten, wie ein Game-Release, die Leidenschaft zu Fußball, die das EA Sports-Team verbindet, oder ein interner Forza-Wettbewerb bei Xbox, man schaut, dass neben der Zusammenarbeit im Unternehmen auch Spaß und Zusammenhalt stets im Vordergrund stehen.

Das Fazit?

Auch wenn bei dem Wort „Gaming-Branche“ jedes Gamer-Herz höher schlägt, muss man sich doch bewusst sein, dass auch diese Branche ein ganz normaler 40-Stunden-Job und als normaler Arbeitsplatz zu sehen ist. Doch was ich mir auf jeden Fall gemerkt habe, ist, dass man Gamer und Leute aus dieser Branche auf keinen Fall nach Ihrem Lieblingsspiel fragen sollte – so viel Platz hab ich dann doch nicht in einem Artikel.

Home   /   Games  /  Top!  /   Die Gamingbranche – ein Traumjob?

Tags

Related Article