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Echosmith: „Wir fühlen uns jetzt uncooler als zuvor!“

Echosmith: „Wir fühlen uns jetzt uncooler als zuvor!“

Schüchtern, etwas hungrig und ziemlich verschlafen – so trafen wir Echosmith an einem Donnerstagnachmittag im Hotel Donauwalzer an. Stunden zuvor aus Milan eingefahren, machte die blutjunge Band rund um Frontfrau Sydney (die mich in einem rosa Federnrock zu begeistern wusste) Halt in Wien, um hierzulande fleißig die Promotrommel zu schlagen, sowie ihre Fans am späteren Abend im Chelsea zu beglücken.

Nach einer kleineren Verspätung und einem „taktischen“ Aufteilen der Band, durften wir es uns mit den zwei Ältesten des Sierota-Klans, Noah und Jamie, an einem Tisch bei der Bar gemütlich machen. Sichtlich glücklich, den großen Kameras eines zuvor aufgenommenen Fernsehinterviews entflohen zu sein, sowie endlich einen Schinken-Käse Toast ergattert zu haben, wünschte ich Noah einen guten Appetit bevor wir loslegten. Dieser bedankte sich herzlich und grinste über beide Ohren. Das Eis war gebrochen.

Ihr seid momentan dabei eure erste Headline-Tour in Europa abzuschließen. Was meint ihr, wie es gelaufen ist?
Jamie:
Es war cool! Insbesondere deshalb, weil wir an so vielen neuen Orten waren! In Amerika sind wir mittlerweile schon alles abgefahren und kennen dementsprechend fast jeden Winkel. Die Fans sind natürlich auch nicht zu vergleichen. Die Tatsache, dass hier einfach alle unterschiedliche Sprachen sprechen verblüfft uns immer wieder. Also, alles in allem war es doch ziemlich spannend. Einerseits wegen der vielen neuen Fans und andererseits auch einfach nur, weil wir als Touristen unterwegs sein durften.

Eine Band unter Geschwistern zu gründen kommt eher selten vor; noch seltener ist es, dann noch professionell und international damit durchzustarten. Wie kam es bei euch dazu?
Noah:
Wir hatten nicht von Beginn an vor das Ganze professionell anzugehen. Unser Schwerpunkt lag   eigentlich nur darin, miteinander Musik zu machen und Konzerte zu spielen. Diese wurden dann mit der Zeit immer häufiger und größer. Es kam dann irgendwann so weit, dass wir so ziemlich überall auftreten würden – ob bei Schulveranstaltungen, Märkten, etc. Es hat sich im Endeffekt alles durch unsere Lust am Spielen ergeben.

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Es sind nun zwei Jahre seit der Veröffentlichung eures Debütalbums vergangen. Wie geht es euch mit dem Mega-Erfolg, den ihr seitdem erzielt habt?
Noah:
Eigentlich ganz gut! Für uns sind all die Veränderungen, die in letzten Jahren geschehen sind, nur schrittweise und langsam aufgetreten, deshalb war es für uns nicht all zu schwierig damit umzugehen.
Jamie: Aber es gibt natürlich trotzdem immer wieder bizarre Momente. Hin und wieder werden wir beispielsweise von älteren Herren am Flughafen abgefangen, die mit professionellen Drucken unserer Poster auf uns warten. Ich meine sagen zu können, dass wir eine ziemlich große Bandbreite an Fans haben. Aber diese Männer mit den Postern sind dann doch wieder etwas ganz Anderes.

Mit Cool Kids habt ihr euren Durchbruch gehabt. Da liegt natürlich die Frage nahe, wie es euch so in der Schulzeit erging? Habt ihr zu den „cool kids“ gezählt?
Noah:
Wir hatten alle Zeiten, in denen wir dachten, dass wir cool wären und wir hatten Zeiten in denen wir uns wie Losers fühlten. Ich denke aber, dass das normal ist und dass da jeder einmal durch muss. Aber auch heute, wenn wir bei Festivals auf andere Bands treffen, gibt es immer wieder Momente, in denen wir uns denken, dass jeder so viel cooler wäre als wir. Irgendwie fühlen wir uns jetzt noch uncooler als zuvor.

Ihr habt das letzte Album größtenteils mit eurem Vater geschrieben. Wie war es mit einem Elternteil zusammenzuarbeiten?
Jamie:
Für uns war es so ziemlich das Normalste auf der Welt. Er hat uns zwar über die Schulter geschaut, aber auch gleichzeitig komplette Freiheit bei unseren Arrangements und Texten gelassen. Er ist selbst Musiker (Produzent und Songwriter, Anm. d. Red.), also sind wir schon von klein auf gewohnt gewesen mit ihm zu arbeiten. Es hat sich nie seltsam angefühlt und wir würden es jederzeit wieder tun.

Cool Kids wurde hierzulande auf Spotify sehr stark beworben. Was ist eure Meinung zu online Streaming Services?
Jamie:
Das ist natürlich ein ziemlich heikles Thema. Wir als Band können es uns natürlich nicht leisten wie Taylor Swift unsere Musik Spotify vorzuenthalten, da die meisten unserer Fans so erst auf uns aufmerksam werden. Streaming ist und bleibt aber auf jeden Fall eine gute Alternative zu illegalen Downloads, so viel ist sicher! Ich denke aber, dass sich in den nächsten Jahren in der Musiklandschaft noch sehr viel tun wird und es ist gerade für uns als Musiker interessant und spannend zu beobachten, wie der Wert von Musik gehandelt wird. 

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Ihr wart vor nicht all zu Langer Zeit in einer Ausgabe des Fashion Magazins Elle Magazine. Was für einen Stellenwert hat Mode für euch?
Jamie:
Uns allen ist unser Style sehr wichtig und wir haben Fotoshoots extrem gerne. Gerade der für das Elle Magazine war ziemlich einzigartig, da die Fotografin uns für gerade einmal fünf Minuten vor der Linse hatte und das Ganze normalerweise eine ziemlich lange Prozedur ist.
Noah: Ich denke allerdings nicht, dass Mode den Erfolg in irgendeiner Weise beeinflusst. Es gibt Bands wie Coldplay, die Jeans und T-shirts auf der Bühne tragen können und es macht keinen großen Unterschied aus. Für uns ist Mode einfach eine weitere Art uns auszudrücken. Wir haben einfach auch einen riesen Spaß damit!

Da die meisten eurer Einflüsse, die ihr genannt habt aus den 80ern stammen, würde ich gerne von euch wissen, welchen Song aus dieser Ära ihr gerne geschrieben hättet?
Noah:
Oh wow! Für mich wäre es wahrscheinlich In Your Eyes von Peter Gabriel.
Jamie: Oder In The Air Tonight von Phil Collins!

Nach einem kleinen Fangirlmoment meinerseits (ausgelöst durch das Erwähnen von Phil Collins) und einem kurzen Plausch über das Wiener Chelsea, verabschiedeten wir uns von den beiden Brüdern und ließen sie zurück auf ihr Hotelzimmer gehen – und zurück ins Bett.

Photos: (c) Aylin Izci
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