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ESC Fazit: The Good, the Bad and the Wurst – Teil 2

ESC Fazit: The Good, the Bad and the Wurst – Teil 2

In Teil 1 meines persönlichen ESC-Fazits hab ich schon berichtet, wie schön und scheiße die Arbeit beim Eurovision Song Contest war. Der zweite Teil dreht sich jetzt eher um das Finale und die After-Show-Party – und die kleinen Hoppalas, die sich da eingeschlichen haben. Da gab es besonders bei der ersten Generalprobe am Freitagnachmittag für das große Finale einige!

Mein ESC-Fazit

Die Finalshow

Die Finalprobe am Freitagnachmittag begann für mich und viele andere Journalisten, die erst kurzfristig kamen, ziemlich ärgerlich. Denn dort verschwendeten wir zehn Minuten unseres Lebens in der Schlange der Sicherheitskontrolle. Schneckentempo wäre hier noch geschmeichelt! Aber auch nur in der Reihe, in der ich stand, denn in der Zweiten ging das komischerweise ziemlich fix…

Nun ja, erst mal in der Halle angekommen gab es gleich mal etwas zum Schmunzeln: Für gleich zwei der Fahnenträger wurde die Treppe oder irgendetwas auf der Bühne zur Stolperfalle, die sie im Abstand von zwei Sekunden zu Fall brachten. Schadenfreude ist die schönste Freude, wie man so schön sagt – aber stolz bin ich natürlich trotzdem nicht! Solltet ihr das also lesen, entschuldige ich mich hiermit ganz offiziell bei euch dafür, dass ich lachen musste! Zum Glück ist aber niemand zu Schaden gekommen und bei der Liveshow am Samstagabend ging alles glatt.

Die Eröffnung selbst fand ich großartig – wäre Left Boy nicht gewesen! Nichts gegen ihn persönlich, aber es wirkt jetzt auf ganz Europa (und Australien – klar) so, als hätte Österreich musikalisch Folgendes zu bieten: Conchita (ab jetzt ohne Wurst), die Sängerknaben und einen Rapper, der nicht mal live performt und auch das Playback nicht glaubwürdig rüberbringt. Nun ja, was ein reicher Papi einem alles so einbringen kann… Zumindest das ihn-verschwinden-lassen hat der ORF zu meiner Freude sehr gut hinbekommen. Ich befürchte nur, dass er irgendwann irgendwo wieder auftaucht – wir werden sehen!

Auch bei den „singenden“ Moderatorinnen Alice Tumler, Mirjam Weichselbraun und Arabella Kiesbauer scheiden sich die Geister. Ich war nur erleichtert, dass die Kostüme der drei endlich mal zueinanderpassten – das Klamottenwirrwarr beim ersten Semifinale war ja unerträglich, beim Zweiten gab’s das Ganze zumindest in abgeschwächter Form. Conchita sah ebenfalls aus wie aus dem Ei gepellt – aber das ist ja immer der Fall. Mich amüsiert ja, dass sie ihr mittlerweile auch eine Taille schnüren. Was kommt wohl als Nächstes?

Aber sonst muss ich schon sagen, dass sich der ORF nicht hat Lumpen lassen. Die Einspieler zu Beginn machten meiner Meinung nach richtig große Lust auf Urlaub in Österreich! Und dann diese Bühne (die live ebenso beindruckend ist) und diese von der Decke hängenden Kugeln? Österreich hat damit neue Maßstäbe gesetzt, das muss man ganz klar sagen!

Das gilt allerdings nicht für die Liveschaltungen der Punktevergabe, die am Samstagabend ja öfter nicht so ganz hinhaute. Man sollte meinen, dieser wohl wichtigste Teil des Abends wird besonders akribisch geprobt und auf Fehler überprüft. Aber Fehlanzeige! Das gab mir bei der Probe Freitagnachmittag einiges zu lachen.

Denn die hypothetische Punktevergabe wurde von Personen erledigt, die irgendwo im Backstage der Wiener Stadthalle herumstanden. Insgesamt vier Menschen waren beauftragt, alle 27 Länder darzustellen – und um das Ganze „glaubwürdiger“ zu machen, hatten sie bei ihren Ansagen Aufkleber mit den jeweiligen Landesnamen auf der Brust. Diese fielen auch gerne mal ab und wurden dann zum Beispiel vom Kameramann gerichtet, dessen Hand sich ganz „unauffällig“ ins Bild schlich. Nützlich war diese Übung wohl nicht, aber dafür super amüsant!

Doch nicht nur bei uns haben sich Fehler eingeschlichen: Rückwirkend wurden die Punkte von Montenegro und Mazedonien zurückgezogen. Hier waren nicht die Jury- und Publikumspunkte miteinander kombiniert, sondern nur die Abstimmungen der Zuseher für die Punkteskala herangezogen worden. Das ändert an dem überragenden Sieg von Måns Zelmerlöw sowieso nicht, aber bei einem weniger eindeutigen Ergebnis hätte das durchaus das Zünglein an der Waage sein können! Nächstes Jahr passiert das hoffentlich nicht!

Riesiges Conchita-Bild in der Ottakringer Brauerei - we like!

Riesiges Conchita-Bild in der Ottakringer Brauerei – we like!

Die After-Show-Pary

Jetzt aber zum wichtigen Teil, für den ihr euch wohl am meisten interessiert: Wie die After-Show-Party Samstagnacht so war? Na geil, was denn sonst?!

Die Ottakringer Brauerei als Location machte sich wirklich gut und war echt cool hergerichtet. Popöse Kronleuchter hingen von der Decke, die sonst mit Industriecharme glänzt – das hat schon was. Und dieses überdimensionale Conchita Bild im „The Voice“- Groundfloor würde ich mir auch ins Wohnzimmer hängen, das muss ich zugeben!

Musikalisch wurde in dem Raum das ESC-Thema voll durchgezogen. Es gab ausschließlich Songs aus den vergangenen 60 Jahren Eurovision Song Contest auf die Ohren. Erstaunlicherweise aber nur ein Mal den Siegersong Heroes! Dafür tanzten wir gefühlte hundert Mal zu Tonight Again (Australien) oder Golden Boy (Israel). Ach, mit Letzterem haben wir übrigens auch ein Selfie!

Das enemy-Team mit  dem "Golden Boy" Nadav Guedj

Das enemy-Team mit dem „Golden Boy“ Nadav Guedj

Denn ein paar der ESC-Stars trauten sich tatsächlich aus ihren eigens abgesperrten Bereichen und mischten sich unter das gemeine Partyvolk. Manche von ihnen vielleicht aber auch nur, weil drinnen striktes Rauchverbot herrscht und es draußen nur einen Platz gab, an dem man seiner Sucht nachgehen konnte… Auch Anita Simoncini und Michele Perniola (San Marino), Molly Sterling (Irland) oder die dänischen Burschen rannten mir des Öfteren über den Weg. Alice Tumler machte übrigens auch um 5 Uhr morgens noch bereitwillig Fotos mit ihren Fans – ich reagierte aber nicht schnell genug, um sie zu erwischen.

Der absolute Hit wäre natürlich ein Foto mit dem ESC-Gewinner Måns Zelmerlöw gewesen, denn in den bin ich gerade schwerstens verknallt! Aber ein Herankommen an ihn war natürlich unmöglich – direkt nach seiner Liveperformance im Hefeboden war er verschwunden. Wie man seiner Facebook-Seite entnehmen kann, ging es für ihn am Sonntagmorgen immerhin schon früh zurück in die Heimat.

An Schlaf wollte ich auch um 6 Uhr noch gar nicht denken, doch leider spielt da die Brauerei nicht so mit. Während die anderen Floors schon geräumt wurden, tummelten sich die letzten Feierwütigen (und das waren noch ganz schön viele) im Groundfloor. Gemeinsam sangen wir uns die Seele aus dem Leib, als der DJ den russischen Beitrag A Million Voices auflegte. Polina Gagarina wäre stolz auf uns gewesen! Nach Hause geleiteten uns dann aber Mørland und Debrah Scarletts Ballade A Monster Like Me. Vor dem großen Finale des Tracks beendete der DJ jedoch die Wiedergabe, sodass alle Anwesenden den letzten Refrain gemeinsam in voller Lautstärke zum Besten gaben. Einen besseren Abschluss zu dieser Party und dieser ganzen verrückten ESC-Zeit hätte es meiner Meinung nach nicht geben können!

Zum Schluss…

 …hatte ich euch ja noch kleine Hoppalas versprochen. Findet ihr die Fehler auf der Beschilderung in der Ottakringer Brauerei und der Rückseite meines Akkreditierungspasses?

esc-fehler

Auch wenn sich der ORF diese kleinen Patzer geleistet hat und eben auch bei den Liveshows immer alles glatt lief, so muss man allgemein feststellen, dass ganze Arbeit bei dem Event geleistet wurde. Schade, dass das so schnell in Vergessenheit gerät, nur weil The Makemakes beim internationalen Publikum nicht punkten konnten (gänzlich unverdient, wie jeder weiß).

Mir persönlich hat der Eurovision Song Contest irre viel Spaß und schöne Erinnerungen bereitet. Und obwohl ich fast jeden Tag der vergangenen Woche in der Stadthalle verbracht und so vieles hautnah miterlebt hab, kann ich trotzdem nicht wirklich glauben, dass das Event, das ich seit ich denken kann jedes Jahr im TV mitverfolgt hab, wirklich in der Stadt war, in der ich wohne. Und ich dabei war. ESC, Schweden 2016? Ich buch gleich meinen Flug! (Und apropos Schweden: Ist euch aufgefallen, dass Måns Zelmerlöw nicht schwitzt? Genau, achtet da mal drauf!)

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