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Fallout 4 im Test

Fallout 4 im Test

War. War never changes. Aber ändert sich die Fallout-Reihe?

Aus der Vault

Der erste Blick auf die Welt nach dem Atomkrieg.

Der Einstieg

Das Spiel beginnt anders als die bisherigen Teile nicht in der Zeit nach dem Atomkrieg, der die Erde verwüstet hat, sondern davor. Im Jahr 2077 betritt man das Leben einer dreiköpfigen Familie, die den amerikanischen Traum lebt, Mutter oder Vater stellen dabei den Spielercharakter dar. Bei der Charaktererstellung verschiebt man großteils keine Regler mehr, sondern wählt den Gesichtsteil aus, der verformt werden soll und rückt ihn dann mit einer Mausbewegung zurecht. Hat man sich und seine/-n Ehefrau/-mann kreiert legt das Spiel basierend darauf das Aussehen von Sohn Shaun fest, den man dann auch gleich in seiner Kinderkrippe findet.

Eine idyllische Kleinstadt und eine glückliche Familie, doch dann geschieht es: Aufgrund der knappen Ressourcen die noch auf der Erde existieren bricht ein Krieg aus, und das atomare Arsenal kommt zum Einsatz. Glücklicherweise schafft man es samt Anhang sich in eine Vault zu flüchten, ein Atombunker für die Ewigkeit, oder zumindest ein paar hundert Jahre. Dort wird man eingefroren – jeder Vault ist in irgendeiner Form ein Experiment, und Vault 111 hat die Kryonik als Fokus. Also wird man in eine der Kapseln gesteckt, Partner und Kind in die gegenüber, und schläft für 200 Jahre. Als man aufwacht öffnen Unbekannte die Kapsel, erschießen den Ehepartner, und entführen Shaun, man selbst kann nur zusehen und wird wieder eingefroren.

Unbestimmte Zeit später kommt man endlich selbst aus der Kapsel heraus. Alle anderen Kapseln beherbergen nur Tote, niemand lebt mehr in der Vault. Auf der Suche nach dem eigenen Sohn begibt man sich nun in die Ödnis des ehemaligen Bostons und Umgebung, den Commonwealth.

Erste Menschen

Die erste Gruppe von Überlebenden, auf die man trifft.

Die Spielwelt

Fallout 4 ist ein typisches Bethesda-RPG, es gibt also eine große Spielwelt die frei begehbar ist, und Quests an jeder Ecke. Viele verlaufen leider nach dem Muster „Geh dorthin, schalte alles aus, was sich Dir in den Weg stellt, und hol mir dieses Item/hack dieses Terminal/etc.“ aber die schiere Fülle, und die Tatsache dass alle Charaktere vertont sind, tröstet darüber hinweg. Und die Quests, die vom Standardschema abweichen stechen dann wirklich hervor.

Kurz nach Spielbeginn schaltet man den Siedlungsmodus frei, in dem man an vorgegebenen Orten kleine Dörfer hochziehen kann. Stück für Stück kann man so einen eigenen kleinen Staat hochziehen, aber wirklichen Einfluss hat es nicht auf den Rest des Spiels. Es macht allerdings durchaus Spaß riesige Festungen aus dem Boden zu stampfen, mit Gärten für die Nahrungsversorgung, automatischen Verteidigungstürmen und Mauern um Angriffe von Neidern abzuwehren.

Siedlungen brauchen Wasser. Ich bin nicht nett genug um Stromkabel zu verlegen also werden sie pumpen müssen.

Siedlungen brauchen Wasser. Ich bin nicht nett genug um Stromkabel zu verlegen also werden sie pumpen müssen.

Fallout als Reihe hat immer den Spagat geschlagen zwischen realistischer Endzeitstimmung, und skurrilem Humor, und es gelingt meistens – einer der größten Hubs befindet sich etwa in einem Stadion. Fallout 4 ist der ernsteste Ableger bis jetzt, was aber nicht schlecht ist. Der ständige Kontrast von selbstgebauten Rohrpistolen gegen Plasmagewehre, Lederrüstungen gegen Power Armor – all das gibt dem Spiel eine konsistent glaubwürdige Atmosphäre.

Synths, Androiden, sind ein wichtiger Teil des Spiels. Erzeugt von den sagenumwobenen und gefürcheteten Überresten des MITs ist die Meinung der Bevölkerung über sie gespalten. Auch die großen Fraktionen haben gegensätzliche Einstellungen, eine der verdeckt operierenden Gruppen glaubt etwa an den freien Willen der Synths und will sie mit allen Mitteln befreien.

Die Grafik ist großteils mäßig, aber Ausblicke wie dieser sind trotzdem beeindruckend.

Die Grafik ist großteils mäßig, aber Ausblicke wie dieser sind trotzdem beeindruckend.

Kampf und Rollenspiel

Bethesda hat wie beim Übergang von Oblivion zu Skyrim deutliches Streamlining vorgenommen. Das S.P.E.C.I.A.L-System legt die Attribute wie Stärke fest, und bei einem Level-Up kann man entweder ein Attribut bis auf ein Maximum von 10 erhöhen, oder ein mit einem Attribut verlinktes Talent erlernen. Hat man etwa 6 Punkte in Intelligenz kann man das Talent für Mods für Laser- und Plasmawaffen freischalten. Man hat viel Auswahl, fast zu viel, denn man muss schnell Kompromisse machen. Man würde etwa gerne Schlösser knacken können, da das oft vorkommt. Gleichzeitig natürlich Terminals hacken, gut schleichen, und und und. Man ist aber vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden fast dazu gezwungen langweilige Skills wie +20 HP zu nehmen um zu überleben.

Radioaktive Strahlung ist nach einem Atomkrieg natürlich ein großes Thema – wird man verstrahlt senkt das die maximalen HP, und kann nur durch spezielle Medikamente oder einen Besuch behandelt werden. Auch das meiste Essen und Trinken ist verseucht. Stimpaks sind das Heilungsmittel für alles andere, ob gebrochener Arm oder einfach nur HP zurück, sie wirken allerdings nicht sofort, weswegen der Einsatz im Kampf nicht so leicht ist wie etwa in Skyrim.

Splat

Splat

V.A.T.S. ist eine Anlehnung an die Zeit als Fallout noch ein rundenbasiertes Spiel war. Anstatt in erster oder dritter Person wie in einem Shooter das Fadenkreuz über Gegner zu ziehen und abzudrücken kann man mit einem Knopfdruck die Zeit verlangsamen und Angriffe auf Körperregionen der Gegner in Auftrag geben. Das System ist vor allem für schnelle Gegner nützlich, im normalen Kampf habe ich es nur für die (tollen) Killcams eingesetzt. Denn Gegner in Deckung, oder welche mit besonderen Schwachstellen (also etwa zwei Drittel aller Gegner im Spiel) sind fast immun gegen V.A.T.S. – sobald man seinen Zug geplant hat, und der Charakter zu schießen beginnt sind sie schon ein paar Zentimeter weitergerutscht und die Schüsse krachen in die Wand vor ihnen oder in einen dicken Panzer.

Ob man in fetter Power Armor und einem Vorschlaghammer in den Kampf stürmt oder doch lieber mit Kleid und Sniper-Gewehr herumschleicht bleibt einem überlassen. Außer in bestimmten Situationen, und da wird das Spiel echt unfair. Wenn man als Stealth-Charakter plötzlich gegen einen drei Meter großen Roboter mit zwei Maschinengewehren im Nahkampf antreten muss kommt Frustration auf, aber solche Momente halten sich in Grenzen.

Mama ist zu cool für lange Dialogoptionen.

Mama ist zu cool für lange Dialogoptionen.

Auch das Dialogsystem wurde überarbeitet, auch weil – wie bereits erwähnt – alle Charaktere vertont sind. Man hat nun immer vier Optionen zur Auswahl, die mehr oder weniger (eher weniger) eindeutig formulieren, was der Spielercharakter von sich geben wird. Links ist meistens die sarkastische Antwort, rechts die „böse“ (wirklich böse kann man in dem Spiel nicht sein), oben neutral oder nachfragen, und unten zustimmen und nett sein. Im Prinzip läuft es aber meistens darauf hinaus Ja oder Nein zu sagen, weswegen es auch nicht weiter schlimm ist, den genauen Wortlaut nicht im Vorhinein zu kennen. Manchmal bekommt man spezielle Optionen, die basierend auf dem Charisma des Charakters entweder funktionieren oder nicht, so kann man etwa bestechen oder überreden.

Begleiter und Bugs. Bugs. Bugs.

Man muss nicht alleine herumwandern, in jeder Stadt findet man ein paar potentielle Begleiter, gleich am Anfang etwa einen Hund. Begleiter die einen eigenen Willen haben, haben ein Karmasystem – tut man etwas, das ihnen gefällt, öffnen sie sich einem mit der Zeit, Beziehungsoption inklusive. Eigener Wille oder nicht, sie sind alle dumm wie Stroh.

Ich habe einen Herzinfarkt bekommen habe als er sich plötzlich vor mich teleportiert hat.

Ich habe einen Herzinfarkt bekommen habe als er sich plötzlich vor mich teleportiert hat.

Standardmäßig folgen Begleiter einfach dem Spielercharakter, doch wenn man eine Abkürzung nimmt, indem man etwa ein Stockwerk nach unten springt, kommen sie oft nicht hinterher und teleportieren sich zu einem. Kann durchaus vorkommen, dass sie dann plötzlich um die Ecke vor einem stehen. Will man schleichen, so sollte man das alleine tun, meine Begleiter wurden immer erkannt und stürzten sich sofort ins Gefecht. Bethesda ist sich dessen bewusst, schließlich sind Begleiter nun unsterblich, auch eine Lösung, wenn man keine bessere KI hinbekommt. Man selbst ist allerdings sterblich, und wenn man wiederholt eine Mini-Atombombe abbekommt weil der Hund mal wieder das Aggro aller Gegner auf sich gezogen hat, dann sieht das Talent, das Boni gibt wenn man alleine unterwegs ist, plötzlich sehr attraktiv aus.

So viel Spaß Fallout 4 auch macht, die vielen Bugs vermiesen einem manchmal deutlich das Spiel. So konnte ich manche Quests nicht abschließen weil der dazu notwendige Dialog mit dem Questgeber nicht starten wollte. Ein Gegner, den ich ausschalten sollte, begann plötzlich vor mir davonzulaufen, und hörte erst damit auf, nachdem er sich 100 Meter in die Tiefe in seinen Tod gestürzt hatte. Es kam auch öfters vor, dass Kämpfer einer feindlichen Fraktion als Freunde dargestellt wurden. Ich musste erst zum „Verräter“ werden, um den Kampf zu starten.

Eines der coolsten und bedrückendsten Gebiete.

Eines der coolsten und bedrückendsten Gebiete.

Fazit

Fallout 4 macht Spaß, keine Frage. Es muss sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, ein wenig inkohärent zu sein. Auf der einen Seite hat man die fixe Motivation und Geschichte der eigenen Spielfigur, die vor allem in Dialogen zum Vorschein kommt. Andererseits kann man Shaun (den eigenen Sohn) auch einfach links liegen lassen und Siedlungen bauen. Die diversen Fraktionen sind zwar in der Theorie völlig unterschiedlich, doch vor die Wahl gestellt, wem ich denn helfen wolle, kam ich nur zu dem Schluss, dass es nicht wirklich einen Unterschied machen würde. Gerade die Hauptquest spielt sich außerdem stellenweise sehr verwirrend, hat dafür aber auch einige der coolsten Sequenzen und Wow-Momente.

Alles in allem ein sehr gutes, wenn auch nicht perfektes Spiel, mit ein paar Bugs. Vielleicht werden es Mods und Patches noch in höhere Sphären hieven.

9punkte

Release Date: 10.11.2015

Plattform: PC, PlayStation 4, Xbox One

Genre: RPG, Action

Publisher: Bethesda

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