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Frequency Festival – nächstes Jahr wieder? {das Fazit}

Frequency Festival – nächstes Jahr wieder? {das Fazit}

Das Frequency 2015 ist Geschichte. Lang lebe das Frequency! Nachdem ich mich aus meiner (endlich!) warmen Bettdecke geschält hab‘, statt einem Radler einen Orangensaft als ersten Drink schlürfen durfe („frag‘ nicht, was für ein Saft!“) und als Highlight ein warmes Mittagessen von der Oma bekomme statt Kabernossi und trockenes Schwarzbrot, steht vor mir immer wieder das große Fragezeichen. Wie wars? Wie hat’s uns gefallen? Was war das Coolste? Was war blöd? Und komm‘ ich wieder?

Lineup – ‚cause music was my first love

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Nicht jedes Jahr kann es so ein leiwandes Line-Up geben wie damals mit Radiohead oder ein paar Jahre später mit The Cure. Diese Jahre bleiben bei mir in Erinnerung, wie sich die 70er oder 80er bei meinen Eltern wahrscheinlich im Kopf niedergelassen haben. Das war was ganz Spezielles. Tja, jetzt haben wir 2015 und das Spezielle bleibt aus. Linkin Park oder The Prodigy sind für mich schon lange keine Acts mehr, bei denen ich Gänsehaut bekomm‘, wenn ich sie im Lineup lese. Schon zu oft gesehen. Kendrick Lamar empfinden andere vielleicht als den einen Act, ich aber nicht. The Offspring sind zumindest für mich kein Headliner für 2015. Der eine Act steht also aus.

Bis zum Schluss hat mein Herz gewartet auf Goldschätze wie Years&Years oder Mumford & Sons, Florence + the Machine oder Angus & Julia Stone. Das wären die Glühwürmchen gewesen, die das Festival am Ende des Tages doch noch speziell gemacht hätten. Aber: Gemeckert werden darf diesbezüglich natürlich nicht groß. Nicht jede Band ist immer genau dann verfügbar, wenn wir sie in St. Pölten haben wollen. Und die Booker vom Frequency machen ihren Job nicht schlecht, auch wenn man das in Foren oder Facebook-Kommentaren immer wieder lesen muss. Leute, nochmal: Manche Bands sind zu dem Datum einfach nicht verfügbar! (Und dann muss man sich halt Bands suchen, die nicht ganz das perfekte Puzzleteil sind…)

Dennoch wurden ein paar feine Acts für das heurige Lineup gebucht. Alt-J waren pipifein und sind die Frequency-Band schlechthin. Auch mit einem Casper kann man in St. Pölten nichts falsch machen, auch wenn ihm die Space Stage besser getan hätte. Chapeau auch davor, dass viele heimische Bands die Stages bespielen durften – wie zum Beispiel die großartigen DAWA, Catastrophe & Cure, Banana Joe Trio, Leyya und natürlich unsere lieben Freunde Die Spritbuam! Davon wollen wir mehr, weil, sind wir uns mal ehrlich: Nichts ist geiler, als herauszufinden, dass „diese eine coole Band“ aus dem Nebenkaff kommt!

Location – im Herzen St. Pöltens

St. Pölten als Location fürs Festival

Die kennen wir natürlich schon in- und auswendig. Aber ups, da hat sich doch heuer einiges verändert! Der Nightpark ist Richtung Daypark gewandert und befindet sich nun in den edlen Hallen des VAZ, wo in den Vorjahren Backstage- und Pressebereich untergebracht waren. Kein zwanzigminutiger Walk durch die Straßen der City, kein Ankommen mit schmerzenden Füßen. Dafür war’s aber eng, dunstig und heiß – der bittere Nachgeschmack der Sahnetorte. Der Stimmung hat’s aber keinen Abbruch getan.

Zu den Vorjahren wurde das Frequency-Areal wieder massenhaft aufgehübscht. Statt der 0815-Pizza-Nudel-Fastfoodstandeln haben sich einige fesche Foodtrucks zusammengesammelt, Bars und Lokale in der Chillarea bei der Bühne haben wieder ihre klassische, wunderschöne Aufmachung bekommen. Die Bühne hat sich wie letztes Jahr galaktisch bunt und richtig fett gezeigt. Und der Way To Madness – in riesigen Buchstaben über der Bandausgabe – hat schon von Anfang an Lust auf mehr gemacht!

Food Festival – einfach mal ordentlich habern

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Wie schon erwähnt, haben sich ein paar wirklich hübsche Foodtrucks dort versammelt, wo man Essen vermutet. Neben ihnen gab’s die Alltime-Klassiker wie den Rock-Food-Stand oder die chinesischen Nudeln und ein paar sehr feine Schmankerln. Dass man drei Tage lang nur grausliges Budenfressen bekommt, davon war am Frequency 2015 nicht mehr viel zu sehen. Kulinarisch hat man sich einiges einfallen lassen, sodass jedes Blogger-Herz aufgeleuchtet ist und die Instagrammer hatten auch genug zu tun. Pulled Pork Burger, Beef-Taco vom Donauland-Rind, edler Cheeseburger von Neni, Handbrot, überbackene Pausenbrot, und, und, und. Da rinnt mir jetzt noch das Wasser im Mund zusammen! Wir sind also noch nicht am Horizont eines Festivals angekommen – es geht noch mehr!

Green Festival – geht das überhaupt?

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Die green Events werden derzeit ja so aus dem Boden gestampft, wie die Eierschwammerl aus demselben schießen. Der Hintergedanke ist super und unser Redakteur Markus hat sich hier auch einige Gedanken zu dem Thema gemacht. Aber ein Festival als Green Festival, wie soll das denn bitte gehen?

Fürs Frequency hat man sich da einige Gedanken gemacht. Es gibt das Green Camper Areal, das während des Festivals müllfrei bleiben soll. Die Idee ist super, die Tickets waren ausverkauft. Ein Green Team war am Campingplatz unterwegs um hinter den Schweinen aufzuräumen. Eine Sysifusarbeit oder gefühlsmäßig das Warten auf Godot.

Die Frequency-Besucher haben dennoch wortwörtlich im Dreck gehaust. Bier ausgesoffen? – hinter’s Zelt damit. Du musst dringend aufs Klo? – Na dann einfach mal in die Büsche pissen. Ravioli haben nicht geschmeckt? – Plastikteller samt Gatsch einfach vom Tisch fallen lassen. Die Frage ist aber: Ist es die Rebellion, die diese Menschen da ausleben müssen oder fühlen sie die pure Freiheit? Finden sie’s geil oder denken sie nicht nach? Haben sie das Hirn einfach für drei Tage abgegeben oder haben sie auch im Alltag gar keines?

Ich finde es sehr schade, dass es auch 2015 nicht machbar ist, die Leute zum Denken zu animieren. Ausnahmslos jeder Camper bekommt am Festival einen Müllsack – so schwer wäre es also nicht, den Mist einfach schnell dort hineinzuwerfen. Auch am Weg zu den Bühnen wird versucht, die Feierwütigen mit vielen Schildern zum Wegwerfen zu ermutigen. Nur manch eine Dose schafft’s hinein.

Ein kurzer Wink aber trotzdem auch an das Frequency: Nach dem Hauptweg zu den Bühnen war dann Schluss mit Mistkübeln. Zumindest neben jedem Foodtruck oder Essensstandl sollte es die Möglichkeit geben, Dreck wegzuwerfen und auch VIPs und die Presse sollten in ihren eigenen Bereich nicht ewig lange nach Containern suchen müssen. Damit wird die einfachste Entschuldigung fürs Nicht-Wegwerfen geliefert: „Ich hab‘ ja nix g’funden!

Fazit

Casper am Frequency

Es war nicht das beste Frequency Festival. Musikalisch hat mich nicht viel umgehaut, da ist noch sehr viel Luft nach oben. Fürs nächste Jahr wünsch‘ ich mir eine Band, die mich wieder ein bisserl schweben lässt, sobald ich das Lineup seh‘ und auf die ich mich freu‘ wie ein 4-jähriges Kind zu Weihnachten.

Dafür aber fühlt man, wie sehr man sich heuer bemüht hat, aus dem Frequency-Baby noch mehr zu machen. Man spürt: Da will jemand mehr! Ob das wunderhübsche Riesensonnenblumen im VIP-Bereich sind. Grafische Schmankerl am ganzen Gelände (die Bühne, die bunt gestalteten Absperrplanen, die riesigen Frequency-Buchstaben neben der Hauptbühne). Ein hipper Foodcorner statt Buden, die jeder hat.

Ich fühle – irgendjemand sitzt da auch gerade in einem Büro und überlegt sich ein paar Extras fürs nächste Jahr. Vielleicht ein paar bunte Mistkübeln mehr? 🙂

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Anna Obermeier
"Dance Like Nobody Is Watching."
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