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Game Of Thrones Special: Liam Cunningham im Interview

Game Of Thrones Special: Liam Cunningham im Interview

Im Rahmen der Game Of Thrones Exhibition (Hier der Bericht) von SKY und HBO in Berlin, hatten wir die Ehre, Schauspieler Liam Cunningham zu interviewen. Erfährt hier, was seine Rolle Ser Davos Seaworth zu so einem besonderen Charakter macht, wie die Stimmung am Set ist, und warum Liam ins Gefängnis müsste, wenn gewisse Schauspielkollegen ein Verbrechen begehen würden. (Achtung: eventuelle Spoiler bis zur fünften Staffel)

Hi Liam! Erzähl uns doch mal, warum Game Of Thrones so sehenswert ist.

Das ist einfache Mathematik: George R. R. Martin ist ein sensationeller Autor. Er hat ein sehr komplexes Universum und noch komplexere und bizarre Charaktere erschaffen. In Game Of Thrones ist es nicht so, dass die Guten weiße Hüte tragen und die Bösen schwarze. Wenn du das alles hast und auch noch großartige Leute am Set, sowie großartige erwachsene Fans, die nicht patronisiert werden, dann kann nicht allzu viel schief gehen.
Außerdem haben wir nicht diese klassischen drei Akte und auch nicht den „troubled Good Guy“ Scheiß. Die Charaktere in Game Of Thrones sind ganz anders geschrieben. Ich nehme da immer sehr gerne Jamie (Lannister) als Beispiel: In der ersten Staffel musste man ihn einfach hassen. Einen narzisstischen Typen der Inzest betreibt. Wer mag sowas schon? Aber sobald er mit Brienne (of Tarth) unterwegs ist, verändern sich auch die Sympathien des Zusehers. Und das mag ich so an der Serie. Das ist wunderschönes Storytelling.

Wenn man dich googled, kommt gleich als zweiter Vorschlag ein Vergleich mit Jean Reno. Was hältst du davon?

Oh, Jean Reno ist nicht der einzige. Ich werde auch öfters mit Bernard Hill, also mit König Theoden aus der Herr der Ringe verwechselt. Das finde ich ein bisschen schade, weil der schon über 70 Jahre alt ist (lacht). Aber mit Jean Reno als Vergleich kann ich leben.

Ser Davos Seaworth (c) HBO

Ser Davos Seaworth (c) HBO

In einem Interview von Nick Offerman bei Conan O‘ Brian, dachte ich auch mal kurz: Moment, ist das jetzt Ser Davos?

Ja genau! Ich hab die Fotos gesehen. Das ist doch der Typ von Parks And Recreation. Wir haben einen ziemlich identischen Bart. Ernsthaft, wenn Nick irgendjemanden umbringen würde, könnte ich dafür ins Gefängnis wandern. Das ist furchtbar. Aber das ist nur auf den Fotos. In Echt sehen wir uns nicht wirklich ähnlich.

In Black Butterflies haben du und Carice Van Houten (Melisandre) bereits ein Pärchen gespielt. Habt ihr euch ausgemacht, dass ihr euch für Game Of Thrones bewerbt, oder war das Zufall?

Ich glaub das war Zufall. Wir hatten zwar laufend Kontakt und ich glaube sogar, dass wir uns gegenseitig den Produzenten empfohlen haben. Das war witzig. Vor allem weil wir in Black Butterflies ein Liebespaar waren und in Game Of Thrones hassen wir uns wie die Pest. Genau wie in der Ehe (lacht).

An der Mauer ist die Stimmung sehr düster. Wie ist die Stimmung am Set?

Eigentlich ziemlich cool. Carice, Stephen (Dillane; Stannis Baratheon) und ich arbeiten ja ständig zusammen. Es war dann sehr witzig mal in Castle Black mit den anderen zu drehen. Das komische war nur, dass wir uns dort wie in einer Gang fühlten. Einmal sind wir in einer Pause mit 20 anderen Leuten in diesem Aufenthaltsraum gesessen und jeder hatte natürlich sein Handy in der Hand. Wir haben dann dieses Spiel „Name That Tune“ gespielt, wo jemand kurz ein Lied aufdreht und die anderen müssen den Titel nennen. So haben wir erkannt, dass wir alle einen sehr bizarren Musikgeschmack haben. Viele Indie-Leute. Es war schön in einer Gang zu sein.

Also würdest du dich gerne der „Night’s Watch“ anschließen?

Oh nein, nicht wirklich. Die verlangen viel zu viel.

Ser Davos hat eigentlich ziemlich viele Fans. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Naja, er ist einer der wenigen verlässlichen Typen in der Serie. Aber das ist Game Of Thrones verdammt nochmal. Davos könnte in der nächsten Staffel zu einem Serienkiller werden, oder noch schlimmer. Wer weiß das schon? Außerdem ist es eh ein schlechtes Zeichen, wenn ein Charakter in Game Of Thrones nett ist. Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Viele Charaktere machen fragwürdige Dinge, auch wenn es ab und zu aus den richtigen Gründen passiert. Davos ist da irgendwie das Gewissen. Und von solchen Charakteren gibt es sehr wenige. Samwell Tarly ist da noch so ein Typ. Und die sind auch wichtig für die Serie. Man kann ja schließlich nicht nur moralisch fragwürdige Charaktere haben.

Was sind eigentlich die negativen Eigenschaften von Ser Davos?

Hmmm… ja. Er sollte sich mehr um seine Existenz kümmern. Denn wenn Stannis zu ihm sagt: „Du hast nicht wirklich viel, wofür es sich zu Leben lohnt.“ Dann antwortet Davos mit: „Nein, nicht wirklich.“ Und sowas kann dich schon in die Scheiße treiben.

Was hast du mit Ser Davos gemeinsam?

Ich wäre gerne Ser Davos.

Also möchtest du vier Finger verlieren?

(lacht) Nein, ich spreche nicht von den Fingern. Aber dieses moralische Rückgrat, das er eben ist… hat Davos nicht Eigenschaften, die wir uns alle wünschen? Er ist einer der wenigen, der sich traut zu sagen: „Das ist nicht richtig. Das sollten wir nicht tun.“ Er ist schon ziemlich mutig.

Liam Cunningham und enemy Redakteur Hannes

Liam Cunningham und enemy.at Redakteur Hannes

Viele andere Schauspieler haben erzählt, dass sie beim Lesen des Drehbuches sehr nervös waren, weil sie nicht wussten, ob sie die nächste Szene überleben würden. Ging es dir auch mal so, außer beim Kampf um Blackwater?

Ich betrachte das, wie das echte Leben. Du weißt nie, was als nächste passiert. Vielleicht bricht das Gebäude aus irgendwelchen Gründen ein, oder so etwas ähnliches. So denke ich auch bei Game Of Thrones. Wenn der große Gott, George R. R. Martin, oder die anderen beiden Götter, Dave Benioff und Dan Weiss (Anm.: Showrunner von Game Of Thrones) sagen, dass sie mich nicht mehr wirklich mögen, dann bin ich eben tot.

Na das wollen wir ja nicht, dass das passiert. Wer sollte deiner Meinung nach auf dem eisernen Thron sitzen?

Gute Frage. Carice Van Houten hatte dazu eine wirklich gute Antwort: Sie wollte unbedingt Samwell Tarly auf dem Thron sehen. Ich weiß, das wird nie passieren, aber er wäre schon ein guter König. Ich persönlich glaube nicht, dass Daenerys (Targaryen) jemals auf dem Thron sitzen wird. Ich hab da irgendwie das komische Bild von einem White Walker auf dem Thron im Kopf (lacht). Aber in Wahrheit ist es nahezu unmöglich vorherzusehen, wer ihn erobern wird. Vielleicht wird’s ja auch jemand, den wir noch gar nicht kennen gelernt haben. Ein Martell vielleicht. Oberyn jedenfalls mal nicht.

Erzähl uns doch mal ein bisschen was von den Dreharbeiten. Ist es schwieriger Game Of Thrones zu drehen, weil es so viele verschiedene Schauplätze gibt, oder bekommt man das als Schauspieler gar nicht so mit?

Es gibt da eine gute Dokumentation, die heißt A Day in The Life of, wo man wirklich genau sieht, wie ein Tag am Set von Game Of Thrones aussieht. Als ich diese Doku gesehen habe, habe ich mich selbst gewundert, wie viel da eigentlich rundherum abläuft. Es ist schon wie ein gigantischer Hollywood Blockbuster. Wir brauchen gerade mal zwei Monate weniger für jede Staffel, als man für einen ganzen Film braucht. Ich glaube sogar, Game Of Thrones hat den größten Cast, den es jemals für eine Serie gab.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass jeder stirbt. Alle müssen ausgetauscht werden.

Das könnte sein. Ich vermeide sowieso jeglichen Augenkontakt mit Dan und Dave auf dem Set.

Wie sind die beiden eigentlich am Set so drauf? Schließlich lastet auf ihnen der meiste Druck.

Das ist total faszinierend. Sie sind großartig. Sie wissen ganz genau was sie machen. Schließlich sind Dan und Dave auch die größten A Song Of Ice And Fire Fans auf dem Planeten. Es gibt schon viele Cosplayer und Geeks die sich gut auskennen, aber Dan und Dave haben über zehn Jahre ihres Lebens in Game Of Thrones investiert. Dan’s Kinder sind sogar in Belfast (Anm.: Winterfell Set) geboren worden. Und es ist eigentlich traurig, wenn du die ersten Schritte deines Kindes auf Skype ansehen musst, weil du nicht dort bist. Aber dieses Opfer bringen die beiden. Das ist nicht nur eine Serie, die sie mögen, oder nur ein Job. Die Hingabe von den beiden ist einfach überwältigend. Und trotzdem sind sie so wahnsinnig freundlich.

Liam Cunningham auf dem eisernen Thron (c) SKY

Liam Cunningham auf dem eisernen Thron (c) SKY

Wenn Winter tatsächlich kommt…

…dann werde ich mir einen Mankini einpacken. Nein, ernsthaft, wann kommt dieser verdammte Winter eigentlich? Es heißt ja immer, dass der Winter fast genauso lange dauert, wie der Sommer. Also muss der nächste Winter ja unendlich lange dauern. Und wahrscheinlich werden viele Leute sich den Arsch abfrieren und sterben. Aber wir haben ja nur noch zwei Staffeln übrig. Ich würd sagen, wir pfeifen einfach auf den Winter. Wahrscheinlich kommt irgendwann eine Schneeflocke und alle schreien „Ahh, der Winter kommt“ und dann ist die Serie aus (lacht).

Ich glaube, aber der Winter wird wirklich nicht lange behandelt, weil Martin wahrscheinlich nur ein Buch darüber schreibt. Das nächste Buch wird doch The Winds Of Winter heißen und das letzte wahrscheinlich A Dream Of Spring.

Wirklich?

Du wusstest das nicht?

Doch, aber ich bin Schauspieler. Ich bin langsam (lacht). Aber wie der Winter aussehen wird, kann ich leider auch nicht sagen. Das weiß ich selbst nicht.

Hast du eigentlich Groupies?

Klar, ich komm kaum vom Handy weg (lacht). Aber nein, die Show hat Groupies, aber ich nicht. Wenn du auf dem roten Teppich gehst, kommst du dir vor wie in einer Boygroup. Das ist ganz witzig.

Ist es nicht komisch, wenn du die anderen Schauspieler, die in Game Of Thrones mitarbeiten nur auf dem roten Teppich triffst? Zum Beispiel hat Davos nie eine Szene mit Daenerys. Wie verhaltet ihr euch dann, wenn ihr euch trefft?

Ja, das ist wirklich seltsam. Emilia Clarke (Daenerys Targaryen) und ich haben uns mal in San Francisco getroffen und wir küssten uns auf die Wange und waren gleich so „Oh hey. Wie geht’s?“ Man hat irgendwie dieses Gefühl, dass man sich kennt, obwohl man sich noch nie getroffen hat. Aber so sind irgendwie alle. Ich hab zum Beispiel Kit Harrington (Jon Snow) schon kennen gelernt, bevor wir gemeinsam gedreht haben und wir sind schon sehr gut befreundet. Aber wir haben alle eine sehr seltsame, fremde, aber coole Freundschaft.

Das sind doch mal wunderschöne Schlussworte. Vielen Dank für das Interview.

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