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Hundert Stunden oder doch lieber drei? Dauern Videospiele zu lange?

Hundert Stunden oder doch lieber drei? Dauern Videospiele zu lange?

Endlose Abenteuer, unzählige Nebenquests, dutzende Stunden herausfordernder Extra-Inhalte – das alles verlangen Spieler und Spielerinnen, wenn sie sehnsüchtig ihre nächste virtuelle Reise planen. Viele jener, die zu Zeiten der ersten Konsolengeneration aufgewachsen sind, üben mittlerweile Berufe auf Vollzeitbasis aus und haben vielleicht sogar eine eigene Familie gegründet, was wenig Zeit für Ausflüge in alternative Welten lässt. Trotzdem ist die Annahme, Videospiele sollten langanhaltende Unterhaltung bieten, immer noch fest im Mindset der Gesellschaft eingebrannt.

Dutzende Videospielreisen habe ich in den letzten Jahren angetreten. Ich musste Ciri in The Witcher 3: Wild Hunt retten, schloss mich der Inquisition in Dragon Age an und spielte gleich drei Gangster auf einmal in Grand Theft Auto V. Doch bei keinem dieser Spiele kam ich in den Genuss des Endscreens. Als Kind waren solche Titel mit enormer Spielzeit das beste, was einem passieren konnte. Wenn man sich für seine mühsam ersparten Monatstaschengelder hunderte Stunden in einer Welt verlieren konnte, die ständig Neues bot, war das einfach großartig. Heute hingegen hat diese Generation an Spielern zwar mehr Geld zur Verfügung, neben seiner Arbeit oder Ausbildung jedoch lediglich nur wenige Stunden Zeit um sich mit Videospielen zu vergnügen – und diese sollten verdammt nochmal gut sein.

In letzter Zeit kommt mir vor, dass versucht wird, diese Länge künstlich zu erreichen, nur um sich vor Kritik zu schützen. Titel wie PlayStations The Order: 1886 wurden wegen ihrer kurzen Spielzeit regelrecht zerrissen, sowohl von der Fachpresse, als auch von den Spielenden, welche ihre Kopien innerhalb von weniger Stunden in Tauschbörsen anboten. Dass darunter dann Verkaufszahlen leiden, ist unabstreitbar. Deswegen liegt es auch im Interesse des Publishers, dem Publikum langanhaltende Beschäftigung zu bieten. Das resultiert allerdings leider in solchen Debakeln wie der Handhabung des neuesten Teil der Batman-Videospielreihe. In Arkham Knight muss man das Spiel zu hundert Prozent abschließen, um in den Genuss des wahren Endes zu kommen. So etwas ist dann auch nicht wirklich das Gelbe vom Ei.

In der Kürze liegt die Würze

Mir persönlich fällt auf, dass ich Videospiele, die innerhalb eines Abends abgeschlossen sind, immer mehr genieße. Der für PlayStation 4 exklusive Titel Journey ist ein grandioses Beispiel für eine Erfahrung dieser Art. Innerhalb von drei Stunden rollen die Credits, doch die kurze Zeit hat man dann auch uneingeschränkt genossen und geht mit einem wohligen Gefühl ins Bett, ähnlich wie nach einem guten Film. Dieses Verhaltensmuster scheint sich nicht ausschließlich bei mir bemerkbar zu machen, da sich Episodenspiele einer größeren Beliebtheit denn je erfreuen. Sei es nun eines der bekannten Telltale-Spiele mit wandelnden Toten oder Thronspielen, Squares neues Hipster-Zeitreisedrama Life is Strange, oder gar portionierte Resident Evil-Action – der Markt für häppchenweise Spieleunterhaltung ist definitiv gegeben.

Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen langandauernde Videospielabenteuer, wie zum Beispiel Skyrim, in welches ich über 120 Stunden investiert habe. Allerdings sollte eine gute Story nicht auf Kosten der Qualität in die Länge gezogen werden, weder mit Filler-Elementen, noch mit monotonen Nebenquests oder gewissen Anforderungen um fortzuschreiten. Alles, das ich von Publishern und Entwicklern verlange, ist ein bisschen Mut zur Spieldauer. Liefern sie eine einzigartige und fesselnde Geschichte ab, die zwar knapp erzählt wird, aber dafür einen prägnanten Eindruck hinterlässt, gewinnen letztendlich alle Beteiligten.

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