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Ich will kein Bussi, Baby. Darf man Wanda noch kritisieren?

Ich will kein Bussi, Baby. Darf man Wanda noch kritisieren?

Zuerst kommt die große Freude, dann der Höhepunkt, dann die Ernüchterung. Aber manchmal möchte man sich am Höhepunkt so festklammern, um die Ernüchterung einfach von sich wegzuschieben. Mir scheint es so, als passiere im Moment genau das beim Hype um die Wiener Band Wanda (Homepage). Amore, Bologna, Schweiß, eine Lederjacke, ein durchdrehendes Feuilleton im In- und deutschsprachigen Ausland, ausverkaufte Hallen. Man fühlt sich stolz als Österreicher – unsere Bands bestimmen den Zeitgeist und alle haben sich lieb.

Doch dann kam Bussi, Baby. Die neue Single von Wanda wurde vielleicht jetzt schon im Radio totgespielt. Aber was mich an der Sache stört, ist etwas anderes: Alle riefen synchron: Geil, geil, geil, das fetzt! Dabei fetzt es gar nicht so arg, wenn man die Austrorockstarbrille ablegt und den Song mal nüchtern betrachtet. Viel ist das jetzt nicht, da fehlt mir der Witz, der Grant, das Laszive, das mir am ersten Album so gut gefallen hat. Daran ändert auch die erste und einzige Strophe nichts, in der in typischer Wanda-Manier getrunken und gestorben wird.

 

Die monotone Refrainwiederholung, eine wiederkehrende Gitarrenmelodie. Viel braucht es nicht, um einen Hit zu schreiben. Das wissen Wanda vermutlich besser als jede andere Band. Und das ist auch okay, manchmal kommt Musik minimalistisch aus. Aber ich werfe in den Raum und ducke mich vor der Schnaps nach mir werfenden Amorefanfraktion: Das ist nicht minimalistisch, das ist einfach kein guter Song. Es ist ein Ohrwurm, ja, das ist schön und gut, aber mehr ist es auch nicht. Aber es scheint allgemeiner Konsens darüber zu herrschen, dass es geil ist, wenn Wanda oben steht – vom Mainstream bis zur Indiefraktion.

Trotzdem: Amore

Ich freu mich irrsinnig darüber, dass es unserer Musik so gut geht und österreichische Bands den Schritt wagen können, die Stadthalle zu bespielen. Wanda sollen – jetzt mit Majorlabel im Rücken – mit dem zweiten Album noch viel mehr Erfolg haben, noch viel mehr Amore in die Welt bringen und noch viel mehr den Exzess feiern. Und mit ziemlicher Sicherheit werd ich bei irgendeinem Konzert auch dabeistehen, betrunken mitsingen und meine Kritik komplett vergessen haben. Aber hoffentlich werden die anderen Songs des kommenden Albums besser. Ich freu mich nämlich trotzdem noch darauf. Bussi.

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