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The Informal Thief: Der ehrlichste Dieb der Welt

The Informal Thief: Der ehrlichste Dieb der Welt

Vor einigen Wochen bin ich mit einem Freund im Auto nach Wien gefahren und – kurz vor der Autobahnabfahrt in Hütteldorf – hat er mir von einem Künstler erzählt, der für einige Zeit mit ihm in der WG gewohnt hat und Folk spielt, so wie The Tallest Man on Earth in etwa. Ob ich da nicht Lust hätte, etwas zu machen, The Informal Thief heiße das Projekt, er würde mir einen Link schicken und ich solle mir das einmal anhören.

Der ehrlichste Dieb der Welt

Das ist die Vorgeschichte zu einem Treffen im Café Espresso, dem Stammbeisl von Lukas, wo wir lange sitzen, trinken, rauchen und über seinen Zugang zur Musik, Kunst und über weitere Pläne reden. Wenn ich aus diesem Gespräch etwas mitgenommen habe, dann ist das vor allem, dass ich es wohl mit dem ehrlichsten Dieb der Welt zu tun habe. Denn wer gibt schon zu, dass er sich manchmal die schönen Sachen von anderen Künstlern rauspickt und zu seinen eigenen macht? Seltenheit ist das keine, aussprechen würden es aber die wenigsten.

Eigentlich war das gar nicht so geplant mit der Musik, der erste Versuch der Eltern den kleinen Tirolerbuben zum Klavierspielen zu animieren, scheiterte bereits nach kurzer Zeit. Es brauchte ein Jahr Auszeit nach der Matura, wo er im Ausland einen Amerikaner kennengelernt hat, der, wie er, mit der Gitarre herumreiste und ihn zum Singen brachte.

Klickt auf das Bild, um das Album zu kaufen.

 

Zurück in Österreich wurde das Musikding noch einmal etwas ernster, vor allem nach dem Umzug nach Wien. Freunde kriegen mit, dass Lukas Songs schreibt, ein Freund veranstaltet ein Fest, wo noch ein Künstler gebraucht wird und so entwickelt sich das Ganze – wie das eben so läuft. Heute ist die Musik der wichtigste Bestandteil im Alltag geworden, alles dreht sich nun um sie.

Das Schöne an der Einfachheit

Wenn man mit Lukas spricht, dann hat man das Gefühl, dass er einfach die Momente so genießt, wie sie kommen. So gibt es von den Songs verschiedene Versionen, die manchmal auch je nach Stimmung entstehen und gespielt werden. Auch die Songtexte folgen keinem strengen Schema, sondern sie verändern sich. Manchmal unterstützt ihn eine ganze Band, manchmal drei Leute, manchmal zwei, manchmal einer und manchmal ist er ganz allein.

Zwischen zwei Zigarettenzügen überlegt er sich eine Antwort auf die Frage, was für ihn bei einem Song wichtig ist. Eine perfekt passende Beschreibung gibt es nicht, aber es soll nicht kompliziert sein, es geht um Musik, die man versteht. Elektronische Spielereien und andere Ablenkung müssen nicht sein, das Schöne liegt so oft in der Einfachheit.

 

Er hat ein großes Ego und sehr fixe Vorstellungen davon, wie seine Songs klingen sollen. Deshalb hat er als Solokünstler zu arbeiten begonnen. Aber inzwischen spielt er einige Auftritte mit einer Band im Rücken, um das Ganze ein bisschen lauter zu machen, wie er selbst sagt. Mit der Gründung von tucomusic ist er inzwischen sogar sein eigener Chef geworden, um völlige Freiheit zu haben. Wo The Informal Thief draufsteht, ist also auch The Informal Thief drinnen, wenn man eine abgedroschene Phrase verwenden will.

There’s More to Come

Das Album (das man bereits auf Bandcamp downloaden kann und das ab Februar physisch erhältlich ist) war eigentlich auch nicht so geplant: Im Grunde sollte nur eine EP mit fünf Songs aufgenommen werden. Dann kamen aber noch einmal drei neue Titel dazu. Und dann ging es noch einmal ins Studio. Schließlich haben es zehn Songs auf die selbst betitelte Platte geschafft. Die Songs sind über einem langen Zeitraum entstanden, wo sich musikalisch und stimmlich bei Lukas noch einiges verändert hat. Es finden sich alte und neue Sachen, ein erster Eindruck, was langsam zu dem gewachsen ist, was sich heute The Informal Thief nennt.

Wenn man mich fragt, dann hat mir Lukas gar nicht so viel gestohlen, sondern eher sehr viel zurückgelassen. Ich bin ohne Aufnahmegerät zum Interview gegangen und hab insgesamt vielleicht drei Sätze mitgeschrieben, aber trotzdem ging dieser Text ziemlich leicht von der Hand, weil so viel in meinem Kopf hängen geblieben ist. Und anders wäre es auch kein Problem. Ich könnte mir nämlich sofort vorstellen, wieder ins Espresso zu laufen und noch ein Bier mit ihm zu trinken. Er ist nämlich wirklich sympathisch, dieser Dieb.

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