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Last Exit Brooklyn (In NYC mit Clara Blume)

Last Exit Brooklyn (In NYC mit Clara Blume)

In New York City, der Stadt die niemals schläft, sind die Leute klarerweise gereizt und die 1960er, wo das Chelsea Hotel und The Bitter End noch Musiker angezogen haben, sind längst vorbei (das „Fillmore East“ ist jetzt eine Bank, das „Cafe Wha?“ eine Touristenattraktion und „The Bottom Line“ geschlossen). Ebenso die Zeiten, wo man wie James Dean oder Marlon Brando mit einer Lucky Strike und einem Bud auf der Straße herumlungern konnte. Da lob‘ ich mir doch das gemütliche Wien, die Fuzo und das MQ, wo man sich eine wuzeln und dazu ein kühles Dosenbier schlürfen kann.

Will man in NYC ein Bier (wohlgemerkt ein kleines Bier, unter 7 Dollar – das sind zur zeit fast 7 Euro) trinken, muss man Manhattan verlassen und zum Beispiel nach Williamsburg in Brooklyn fahren. Dort darf man zwar auch nicht auf der Straße saufen, aber es gibt noch die Möglichkeit, in einer Bar ein halbwegs günstiges Bier zu trinken und wenn man Glück hat, auch eine zu rauchen.

Pete’s Candy Store ist so eine Bar. Jeden Tag gibt es gratis Livemusik, günstige Getränke und einen raucherfreundlichen Gastgarten. Für mich das Paradies auf Erden oder zumindest in dieser riesigen, feuchten und überbewerteten Stadt. Das und die durchwegs wirklich guten Musiker locken mich, der nun seit fünf Wochen in NYC ist, immer wieder an. Nach einer langen Nacht, mit Gesprächen über Lou Reed und andere sich im Säuferhimmel befindende Musiker, bemerke ich am Weg zum Klo ein Plakat mit der Aufschrift „Clara Blume live @ Pete’s Candy Store“ und irgendwie kommt mir der Name bekannt vor.

 

Clara Blume, die mir bis jetzt nur durch ihre neonfarbenen Werbeplakate an Straßenlaternen aufgefallen ist, kommt tatsächlich in diese kleine unscheinbare Bar. Wie ich nach kurzer Recherche bemerke, startet sie gerade eine USA-Tour, die sie zuerst an der Ostküste entlang führen und später an der Westküste beenden wird. Ich sehe mir auf Youtube ihr Konzert im Radiokulturhaus an und stelle fest, dass sie mit Big Band auf der Bühne steht und frage mich, wie sie das in Pete’s Candy Store machen wird.

Eine Woche später, am Tag des Konzerts, bin ich recht früh im Lokal und betrinke mich mit dem Tagesangebot: 1 Pabst Blue Ribbon (quasi das amerikanische Ottakringer) + 1 Shot Jack Daniels um 5 Dollar. Nach der ersten Band und meiner dritten Runde leert sich der Raum vor der Bühne, um Platz für den nächsten Act zu machen. Clara Blume trägt ihr Keyboard herein, beginnt aufzubauen und ich setze mich neben sie an einen Tisch. Klar ist: Sie wird solo auftreten.

Nachdem ihr Keyboard steht, hockelt sie sich vor den Beschaller, der etwas rauscht, wackelt am Kabel und gibt mir mit einem Kopfschütteln zu verstehen, dass irgendetwas nicht ganz funktioniert. Ich reagiere mit einem wienerischen „Geht’s net?“ und so kommen wir ins Gespräch. Wir tratschen ein bisschen. Sie erzählt mir, warum sie hier ist und umgekehrt. Der Raum füllt sich wieder und sie beginnt mit ihrem ersten Song. Ich habe sofort das Gefühl, dass da eine wirklich professionelle Musikerin vor mir sitzt. Mit Charme erklärt sie, dass ihr geliehenes Keyboard kürzer ist, als ihr eigenes, weshalb sie spontan umdenken muss. Das gelingt ihr bis auf einmal auch sehr gut. Die stimmenstarke Sängerin macht aus diesem kleinen Gig vor ungefähr 20 Zusehern ein echtes Erlebnis. Nach jedem Song erzählt sie fast genau so lange, wie der Song gedauert hat, eine kleine Anekdote zu dem Lied oder auch zu etwas ganz anderem, worauf das Amipublikum sehr positiv reagiert und mich mit ihrer witzigen Art oft zum Lachen bringt.

Nach knapp einer Stunde Entertainment verbeugt sie sich, rennt aus dem Raum, wartet kurz um die Ecke und kommt lachend wieder hereingerannt und spielt noch zwei Nummern. Der Song Trivia war einer davon und ist mir lange im Ohr herumgewuselt. Auf ihrem Debütalbum Here Comes Everything hat sie zehn wirklich ausdrucksvolle Lieder herausgebracht und ich kann es kaum erwarten in Wien ihren nächsten Singer Songwriter Circus zu besuchen.

 

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