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Luke Black: „Ich trage Schwarz, weil die Musik in Serbien tot ist.“

Luke Black: „Ich trage Schwarz, weil die Musik in Serbien tot ist.“

Es ist nie einfach, Newcomer Artists aus Osteuropa zu entdecken – zumindest geht es mir immer so. Das Waves Festival trägt aber immer einen großen Teil dazu bei, dass sich auf meinem iPod Anfang Oktober plötzlich viele neue Musiker wiederfinden, deren Namen ich nicht einmal aussprechen kann. Der Künstlername von dem serbischen Sänger Luka Ivanović ist hier eine Ausnahme: Luke Black (Facebook) geht auf alle Fälle leicht von den Lippen.

Wir haben den sympathischen Sänger direkt nach dem Einchecken im 25hours Hotel abgeholt und – bevor er überhaupt sein Zimmer gesehen hat – zum Interview entführt. Alles über seine früheren Alben, seine Verbindung zu Serbien und die Wichtigkeit von Disney Filmen könnt ihr nun hier nachlesen.

Hallo Luke! Bist du zum ersten Mal in Wien oder kennst du die Stadt bereits?
Luke: Ich war letztes Jahr beim Lady Gaga Konzert in Wien, aber ich hatte keine Zeit, durch Wien zu spazieren. Wenn ich reise, dann reise ich gerne mit Menschen, die die Stadt kennen oder dort leben um die Orte zu besuchen, wo sie leben und die ihre Lieblingsorte in der Stadt sind. Sehenswürdigkeiten besucht man nur einmal, man muss es nicht öfter machen. Ich habe das schon gemacht, ich würde gerne das Nachtleben in Wien kennenlernen.

Dann bist du am Waves Festival genau richtig! 2014 hattest du dein erstes öffentliches Konzert, dann wurdest du von einem Major Label unter Vertrag genommen und dann hast du deine Thorns EP releast. Das klingt nach einem stressigen Jahr.
Luke: Eigentlich arbeite ich schon seit über 10 Jahren an meiner Musik und habe mich immer beschäftigt. Ich habe aufgenommen, mein eigenes Studio gebaut und einige Alben gemacht, insgesamt sieben und dann habe ich angefangen, professioneller zu arbeiten. Das war die Zeit, in der ich D-Generation geschrieben habe. Nach meinem Auftritt am Gruvlend Festival in Serbien habe ich mit Universal Music Serbien gesprochen und sie waren sehr glücklich mit dem, was ich performt habe. Seit diesem Zeitpunkt war es noch stressiger, aber ich liebe es wirklich zu arbeiten.

Warum waren deine ersten Alben nur für deine Freunde bestimmt? Brauchtest du so lange für deine Entwicklung als Künstler?
Luke: 
Ja! Ich war 12 Jahre alt und wusste, dass ich scheiße war. Wenn man anfängt, Dinge zu machen, ist man sehr jung und die Lyrics sind unglaublich kitschig. Also muss man so lange warten, bis diese Phase vorbei ist. Ich wollte so lange warten, bis ich damit aufhörte, andere Artists zu kopieren. Als ich bemerkte, dass diese Phase vorbei ist und ich mehr Selbstbewusstsein hatte, fing ich an, meine Musik online zu stellen. Das war nach dem fünften Album. Am Anfang habe ich die Musik nur meiner besten Freundin vorgespielt, mit der ich aufgewachsen bin. Es war auch meine Art, ihr Englisch beizubringen. Ich habe in Englisch geschrieben und sie wollte die Songs verstehen.

Hast du Englisch gelernt, indem du die Songtexte von anderen Menschen gehört hast?
Luke: 
Nein, ich lerne Englisch seit ich acht Jahre alt bin. Es war eine harte Zeit in Serbien, als ich geboren wurde. Ich war sehr viel allein, nur ich und Disney Filme, weil meine Eltern sehr viel gearbeitet haben. Ich konnte nicht lesen, aber ich habe zugehört und ich glaube, so habe ich die Sprache gelernt. Ich habe auch Englisch und Englische Literatur studiert und dort habe ich gelernt, dass die Sprache, die man als Kind zuerst hört, die wichtigste Sprache wird. Deshalb ist Englisch die Sprache, in der ich meine intimsten Gefühle spüre.

 

Du bist der erste Solokünstler aus Serbien, der einen Vertrag mit einem Majorlabel hat. War das ein großer Schritt für dich? Hat sich seit dem vieles verändert?
Luke: 
Ja, die Menschen haben angefangen, mich ernster zu nehmen. Aber nicht ernst genug. Ich habe sehr viel gearbeitet und meine kreative Arbeitsweise hat sich nicht geändert, aber ich habe durch Universal die Möglichkeit, meine Musik endlich spielen zu können und so viele großartige Leute zu treffen. Die Menschen, die meine Musik hören, sind sehr kreativ und ich finde es großartig, dass sehr viele Leute auf meine Arbeit reagieren.

Einer deiner Songs heißt Gypsy. Hat dich die traditionelle serbische Musik beim Songwriting beeinflusst?
Luke: 
Traditionell ist ein gutes Wort. Ja, traditionelle Musik hat mich beeinflusst. Zum Beispiel in meiner Heimatstadt war der einzige kulturelle Input der Folklore-Tanz. Die Menschen sind traditionell gekleidet und tanzen und ich wollte diese Shows immer ansehen. Gypsy ist von der serbischen Tradition und den Werten beeinflusst, dem einfachen Weg zu denken und dieser Einfluss ist sozusagen in einem elektronischen Vibe verkleidet.

Du hast gesagt, die 90iger waren eine schwierige Zeit in Serbien. Hat sich seitdem in der Musikszene dort viel verändert? Ist es für Künstler heute einfacher, sich zu entwickeln?
Luke: 
Nein, ich bin noch immer in Schwarz gekleidet. Ich habe angefangen, schwarz zu tragen, weil die Musik gestorben ist und ich habe noch nicht damit aufgehört – Musik ist noch immer tot in Serbien.

Hoffentlich wird es bald besser. Ich denke, dass Festivals wie das Waves eine gute Idee sind, um die Musik aus anderen Ländern bekannter zu machen. Ich finde es zum Beispiel sehr schwierig, vor allem Künstler aus Osteuropa kennenzulernen.
Luke: 
Ich habe die Leute von Universal Music sehr hart arbeiten gesehen, um die Verhältnisse zu verändern. Als ich sehr jung war, hatte ich einen Traum: Ich wollte mit meiner Musik eine kleine, kleine Veränderung im Balkan bewirken und ich weiß nicht, ob Menschen dafür offen sein werden. Ich möchte, dass sich die Situation verändert, so dass viele kreative Menschen nebeneinander arbeiten können und eine Chance bekommen.

D-Generation ist für mich ein sehr pessimistischer Song und auch im Interview wirkst du etwas pessimistisch, wenn es um die Zukunft geht. Würdest du dich als Pessimisten oder Optimisten bezeichnen?
Luke: 
Man könnte sagen, dass ich ein Dummkopf bin, weil ich optimistisch bin.

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(c) Yavuz Odabas

 

Abgesehen von deiner Musik hast du auch einen großen Einfluss auf deine Videos und deine Performance. Hast du beim Songwriting bereits Bilder im Kopf, die du später in deinen Videos oder auf der Bühne sehen möchtest?
Luke: 
Manchmal mögen das die Regisseure nicht. (lacht) Aber ja, manchmal stelle ich mir die Performance vor, manchmal die Farben und die Kleidung und manchmal die Videos. Zum Beispiel bei Holding On To Love wusste ich, was ich im Video sehen möchte: Ich wollte so aussehen, als würde ich auseinanderfallen, aber ich konnte mir das Video nie vorstellen, deshalb fragte ich einen Regisseur um Hilfe.

Also für dich ist alles miteinander verbunden, die Musik, die Bilder und die Performance?
Luke: 
Auf jeden Fall. Die Bilder sind in mir verinnerlicht – ich mache Melodien und Bilder und Songtexte, aber um Menschen zu erreichen, musste ich ihnen eine 2D-Perspektive geben. Menschen sind sehr oberflächlich, sie interessieren sich für dich, wenn sie nur ein Bild von dir sehen. Ich möchte sie aber für meine Musik interessieren und deshalb muss ich gut aussehen.

Ich habe auf deinem Instagram Feed ein Video gefunden, wo du Amy Winehouse singst. Wenn du einen Song covern müsstest, was wäre deine erste Wahl?
Luke: 
Es wäre vermutlich der Song von Instagram. Vor jeder Performance oder vor jeder Probe singe ich, um meine Stimme aufzuwärmen. Ich singe immer Amy Winehouse, weil ich ein großer Bewunderer ihrer Musik bin. You Know, I’m No Good ist mein Lieblingssong von ihr, aber ich könnte auch Back To Black singen.

Enemy.at will immer auch neue Künstler supporten und fördern. Wir würden gerne wissen, welche Artists deiner Meinung nach 2016 den Durchbruch haben könnten.
Luke: 
Ich liebe zum Beispiel eine Band, die heute Abend auf dem Waves Festival performt, nämlich Sizarr. Außerdem bin ich ein großer Fan I Heart Sharks, die sind absolut großartig.

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(c) Yavuz Odabas

 

Jetzt, wo du deine EP releast hast, was ist wichtiger für dich? Willst du deine Musik live performen oder ist ein Album in Planung?
Luke: 
Ich schreibe momentan mein drittes Album und ich hoffe, dass ich es – genauso wie das Zweite – nächstes Jahr releasen kann. Ich möchte so viele Alben wie möglich machen, falls sich die Umstände in der Zukunft ändern. Vielleicht werde ich berühmt und dann bin ich nicht mehr in der Lage, so gute Musik zu produzieren, wie ich es jetzt mache. Ich möchte sehr viele Alben jetzt schreiben und dann – wenn ich berühmt bin – werde ich schlechte Musik schreiben und einfach meine alten Sachen benutzen. (lacht) Aber ich liebe es auch, live zu performen. Die Evolution von Liveperformances hat sich verändert. Ich würde gerne irgendwann einmal eine Elektrooper oder ein Elektrotheater haben, aber im Moment ist es ein Elektro-Stand-Up in kleinen Bars. Ich habe in Belgrad performt und als ich die Singles gespielt habe, dich bereits draußen waren, wussten alle die Lyrics und haben mit mir gesungen. Das war das beste Gefühl, das ich jemals hatte! Diese Verbindung mit dem Publikum liebe ich am meisten.

Es sieht so aus, als ob du im Moment viel herumreist, um deine Musik zu promoten. Wie ist das Leben zwischen Hotelzimmern, Liveshows und Interviews?
Luke: 
Ich bin so glücklich, dass ich aus meiner Heimatstadt rausgekommen bin, also bin ich zufrieden, egal wo ich bin auf der Welt. Wenn ich die Chance hätte, würde ich noch mehr arbeiten. Es wäre schön, wenn ich arbeiten könnte und nur zwei Stunden schlafen müsste. Wenn man gelangweilt ist und nichts macht, dann ist es nicht so aufregend und man fühlt sich leer. Es wäre großartig, wenn ich 22/7 arbeiten könnte oder 25/7. (lacht)

Was darf sich das Publikum von deiner Performance am Waves Festival erwarten?
Luke: 
Wenn alles gut läuft, dann können die Menschen ein Elektro-Stand-Up erwarten. Sie sollen sich gleichzeitig eine Elektronikperformance und das Gefühl einer Bar in New York vorstellen. Ich wechsle meine Outfits neunmal während der Show, obwohl ich nur acht Songs spiele! (lacht)

Das klingt wunderbar. Vielen Dank für das Interview und viel Spaß noch in Wien!

Photos: (C) Yavuz Odabas

 

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