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Marianas Trench – Astoria

Marianas Trench – Astoria

Marianas Trench ist eine vierköpfige Poprock-Band aus Kanada und hierzulande noch eher ein Geheimtipp. Zumindest glaub ich das, denn ich kann meine Freunde, die die Band kennen, an einer Hand abzählen. Aber das will ich mit diesem Artikel sowieso ändern – na ja, oder zumindest dazu beitragen, dass ein paar mehr Leute sich für ihre Musik begeistern. Denn die vier Jungs haben das echt verdient! Und wer bei dem Wort „Poprock“ vielleicht gestöhnt hat, weil total ausgelutscht und überhaupt – dem möchte ich an dieser Stelle sagen: weg mit den Vorurteilen und Ohren auf. Denn eigentlich klingen Marianas Trench nur nach Marianas Trench – was Unwissenden aber nichts bringt, also sind Schubladen ja doch zu was gut!

Gründe, ein Ohr zu riskieren

Um nicht lang um den heißen Brei herumzureden, hier die Hardfacts zur Band und ihrer Musik:

  • Ohne Sänger Josh Ramsay wäre Call Me Maybe von Carly Rae Jepsen ein vermutlich langweiliger Folksong geworden – erst durch seine Hilfe beim Songwriting, und weil er den Track auch produzierte, wurde er zu dem Popkracher, den wir nicht missen möchten!
  • Ein Schelm, wer jetzt denkt, Marians Trench klingen nach diesem typischen Radiopop – das tun sie nämlich nicht! Ihre Musik ist mehr als das; sie ist raffiniert und mit viel Liebe zum Detail (und letztendlich auch Talent) versehen. So gibt’s auf Astoria neben Bass/Gitarre/Schlagzeug sowohl gewohnte Klassiker wie Klavier und Streicher als auch seltenere Instrumente zu Hören: Ukulele, Cowbell oder Xylophon sind nur einige davon. Dazu kommt immer eine kleine Prise Synthies, um die richtige Note „Pop“ zu treffen.
marianas-trench-astoria-cover

 

  • Klar könnte dieses musikalische Potpourri schnell in die Hose gehen und absolut chaotisch und furchtbar klingen, tut es bei Marianas Trench aber eben nicht! Ihre Alben sind wie großartige Filme: nie langweilig. An den richtigen Stellen wird geflüstert und gesäuselt, dann wird stimmlich alles gegeben, hohe und tiefe Töne treffen auf Chöre und so weiter. Das ist zum Hören nicht anstrengend oder too much, sondern ein Genuss pur!
  • Ein besonderer Grund, warum man die Kanadier lieben muss: Sie machen nicht nur einzelne Songs, sondern geben sich dann auch noch die Mühe, diese in Mashups miteinander zu verbinden. Und das so, das daraus großartige neue Tracks entstehen! Auf Dearly Departed (der Ballade mit Ukulele) gibt es auch eine Strophe, die so gut wie komplett aus Songtiteln der letzten beiden Alben besteht.
  • Prinzipiell sind ihre Songtexte ebenso durchdacht wie die musikalischen Arrangements, mit guten Wortspielen oder Zeilen zum schmunzeln wie:

    Don’t sound like Mike did
    No but it’s all right for a white kid

    (Von welchem „Mike“ hier die Rede ist, ist hoffentlich selbsterklärend…)

  • Bei  Marianas Trench bekommt man noch was fürs Geld: Ganze 17 Tracks enthält Astoria, der gleichnamige erste Song ist mit seinen 6:57 Minuten Spielzeit nicht mal der Längste! Eine knappe Stunde Spielzeit umfasst das Album so, was im Vergleich zu sonstigen Alben heutzutage schon weit über dem Durchschnitt liegt.

 

 

Wer nach dem Video jetzt Angst hat, dass Marianas Trench nur weinerliche Lieder draufhaben, den kann ich beruhigen: Viele ihrer Tracks versprühen gute Laune und Lebensfreude pur. Hört euch einfach durch ihren Youtube-Kanal, wenn ihr sichergehen wollt. Ein Anspieltipp wäre zum Beispiel Stutter aus dem Vorgängeralbum.

Fazit

Viel mehr muss ich wohl nicht mehr schreiben, ihr merkt, ich gerate bei Marianas Trench ziemlich ins Schwärmen. Einen Punkt Abzug gibt es dennoch, weil die beiden Alben zuvor einen Hauch stimmiger waren als dieses. Dazu muss gesagt werden, dass Astoria eine Art Konzeptalbum ist, dass die Liebe zur Serie Die Goonies und der Musik der 80er Jahre zum Ausdruck bringen soll. Daran könnten sich einige von euch vielleicht stoßen, denn viele musikalische Motive aus dieser Zeit sind einfach unverkennbar. Allein beim Opener musste ich mich wegen des prominenten Schlagzeugs eine Sekunde zurücknehmen, nicht plötzlich I’m Always Here von Jimi Jamison zu singen. Das kommentieren Marianas Trench aber selbst ihn ihrem Song Shut Up And Kiss Me mit den ersten Zeilen:

You can say you’re kind of bored with this
But if you’re young, it’s new, I guess

Ich kann dem Tribut jedenfalls sehr viel abgewinnen.

Zuletzt muss ich mich wohl nur bei allen entschuldigen, die die Band jetzt genauso mögen wie ich – und mich hassen, weil es wohl eine ganze Ewigkeit dauern wird, bis sie mal nach Europa kommen.. Aber als Österreicher ist man dieses Gefühl ja sowieso schon gewohnt, oder?

Marianas Trench – Astoria

Für Fans von: Simple Plan, All Time Low
Universal Music
VÖ: 30.10.20159punkte

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