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Mario & Luigi: Paper Jam Bros. im Test

Mario & Luigi: Paper Jam Bros. im Test

Es kann so schnell gehen in Mario & Luigi: Paper Jam Bros. Eben noch will man den Ursprung eines Luftzuges klären, gefolgt von einer kurzen Verfolgungsjagd mit einer ungewohnt großen Maus, fällt auch schon ein Buch aus dem Regal und BAM! – Papierkopien von Freund und Feind werden aus dem Stück gen Himmel geschossen, ehe sie auf aller Welt herabregnen. Ein ganz normaler Samstagabend.

Treffen der Giganten

Die Ausgangssituation des neuesten Teils der Mario & Luigi Reihe klingt zwar nicht nach einem großen Epos, aber wer Drama, Krieg und langatmige Liebesgeschichten sucht, hat mehr als genug Alternativen. Fans der beiden Klempner und ihrer storylastigeren Abenteuer bekommen genau das, was auch die Vorgänger geliefert haben: Eine witzige Geschichte, mit einigen cleveren Einfällen und Wendungen. Den größten Twist stellt dabei die Grundidee an sich dar, so unscheinbar sie in der obigen Zusammenfassung auch wirken mag, denn es handelt sich hier nicht bloß um ein neues Mario & Luigi, sondern um das Aufeinandertreffen mit Nintendos anderer Mario-Rollenspielserie, Paper Mario, was auch eine Verdoppelung der Charaktere mit sich bringt.

Ein DS Klassiker: Außerhalb von Kämpfen wird der untere Bildschirm für die Darstellung der Map genutzt.

Ein DS Klassiker: Außerhalb von Kämpfen wird der untere Bildschirm für die Darstellung der Map genutzt.

Ja, der Plot des Spiels erfüllt all die stereotypen Grundvoraussetzungen für einen Mario-Titel (Peach und Papier Peach werden von Bowser und Papier Bowser entführt, es gilt einige Toads und Papier Toads zu retten, Luigi ist ein kleiner Angsthase, während Mario – und Paper Mario – schon mehr dem Ideal des echten Helden entspricht), aber durch die Konfrontation der Charaktere mit, im Grunde, sich selbst, bekommt das Geschehen einen frischen Wind. Insbesondere die Interaktionen der Familie Bowser (Bowser, Bowser Jr. und ihre jeweiligen Papiergegenstücke) sorgen für Lacher und ein wenig mehr von ihnen hätte dem Spaß garantiert keinen Abbruch getan.

Vielseitiges Gameplay

Das schwache Wortspiel sei verziehen, doch gibt es kaum einen Weg Mario & Luigi: Paper Jam Bros. besser zu beschreiben. Vorneweg muss eines jedoch klargestellt werden: Crossover hin oder her, es handelt sich hierbei unverkennbar um einen neuen Teil der Mario & Luigi Reihe. Papier Mario, seine flachen Kameraden und all ihre Einflüsse auf das Spielgeschehen sind lediglich Gaststars. So läuft man wie gewohnt mit seiner, diesmal dreiköpfigen, Truppe herum, steuert wie gehabt sowohl inner- als auch außerhalb von Kämpfen jeden Charakter mit seinem eigenen Knopf, kämpft sich wie so oft durch rundenbasierte Gefechte und erlernt wieder und wieder neue Tricks, die einem auch Zugang zu neuen Arealen verschaffen. Ein vertrautes Prinzip, was dem Vergnügen in keinster Weise schadet, nicht zuletzt, da es einen ganzen Berg kleiner und großer Neuheiten gibt.

Manche Menüpunkte werden erst im Verlauf des Spiels enthüllt.

Manche Menüpunkte werden erst im Verlauf des Spiels enthüllt.

Das fängt mit für die Serie fremden Arten die Figuren durch die Welt zu manövrieren an (beispielsweise kann Papier Marios Körper gestreckt werden um ferne Gegenstände zu erreichen und auf diesem Weg so manche Brücke zu schaffen) und reicht bis zur drastischen Weiterentwicklung des Kampfsystems. Letzteres stellt dann auch das spieltechnische Highlight dar. Keine Frage, es bereitet Vergnügen trockene Wüsten, düstere Untergrundhöhlen, tropische Inseln und co. zu erkunden, doch nach zahlreichen Stunden droht selbst trotz neuer Fähigkeiten eine gewisse Monotonie aufzukommen (was den Machern scheinbar auch bewusst war, da diese Passagen überwiegend angenehm knapp gehalten werden). Ein Problem, welches in den Kämpfen nie auftritt. Hier gilt es stets auf Zack zu sein, da man sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung verschiedenste Quick Time Events meistern muss. Unachtsame Spieler werden bald mitansehen wie die eigene Lebensenergie zügig schwindet. Management von BP (Brüderpunkte, die für Teamattacken gebraucht werden) und Items, der gezielte Einsatz von Spezialangriffen und die Berücksichtigung von Schwachpunkten (so sind Papiergegner besonders anfällig auf Feuerangriffe) bringen die JRPG-typische taktische Komponente mit ein. Noch ein weitere Ebene ergibt sich schließlich durch Papier Mario, für den ganz eigene Regeln gelten. Ihm ist es zu jeder Zeit des Kampfes möglich mehrere Kopien von sich zu erstellen, welche nicht nur im Angriff von Nutzen sind, sondern auch jeglichen Schaden den er nimmt absorbieren. Erst wenn nur noch das Original übrig ist, werden auch seine (überaus geringen) HP angegriffen. Als wäre das nicht genug, konfrontiert einen das Spiel nach mehreren Stunden auch noch mit einem Sammelkartenspiel. Der untere Bildschirm des 3DS zeigt ab dann immer drei gezogene Karten des eigenen Decks, welche den eigenen Helden helfen oder den Feinden schaden können. Diese Karten sind jederzeit einsetzbar, allerdings nur solange man über ausreichend (durch Kämpfe auffüllbare) Sternenpunkte verfügt und die richtige Karte gezogen hat. All diese Faktoren helfen mit um das Kampfsystem von Paper Jam Bros. zu einem der Besseren – oder zumindest Spaßigeren – der jüngsten Zeit zu machen.

Sowohl was Konfrontationen mit Schurken als auch die Erkundung der Welt und damit das Voranschreiten der Story angeht, hat Paper Jam Bros. allerdings auch ein paar gern gesehene Alternativen zu bieten, die für noch mehr Abwechslung sorgen. So gibt es die Möglichkeit von Lakitu Missionen zu erhalten in denen es um die Rettung von Toads geht. Diese Missionen sind jedoch nicht, wie man meinen möchte, optionale Nebenquests, sondern essentiell um im Spiel voranzuschreiten. Was ihre Einbettung in Form von Missionen allerdings mit sich bringt ist ein Umgehen der potentiellen Langeweile wenn man über die Welt irrt. Andere Rollenspiele würden einen hierfür gerne mal ein paar Stunden durch die Gegend rennen lassen in Gebieten die man schon mehrmals durchquert hat. In Paper Jam Bros. wird man hingegen von Lakitu sofort in ein abgegrenztes Areal gesteckt, wo es nun heißt die ach so wichtigen Toads zu finden. Mal sind sie versteckt, mal muss man sie vor Gegnern retten, mal steht man unter Zeitdruck, mal muss man die guten wie eine Herde Schafe von A nach B treiben. Es ist stets die gleiche Idee, aber immer ein wenig anders umgesetzt und allein der Fakt, dass einem eine künstliche Streckung der Spielzeit durch ödes Abklappern der Weltkarte erspart bleibt, macht diese Missionen zu einem großen Pluspunkt.

Kämpfe werden mittels Tastendruck bestritten, Karten sind jedoch stets via Touchscreen einsetzbar.

Kämpfe werden mittels Tastendruck bestritten, Karten sind jedoch stets via Touchscreen einsetzbar.

An die Leute, denen schließlich die Kämpfe zu eintönig werden (es soll ja auch solche Leute geben), hat man bei Entwickler AlphaDream ebenfalls gedacht. Zusätzlich zu normalen Gefechten und Bossfights, wird man nämlich immer wieder auch in Riesenkämpfe geworfen, in denen man gewaltige Papierfaltfiguren (basierend auf Mario, Luigi und co.) lenkt. Verschwunden ist hier das rundenbasierte System welches das Spiel dominiert, stattdessen stapft man langsamen Schrittes durch die Arena, versucht die feindlichen Kolosse mit einem von zwei Angriffen zu bezwingen und kann, falls die Toads die den Papiergiganten tragen mal müde werden, mit einem simplen Minispiel die eigene Energieleiste (welche sich mit jeder Aktion leert) wieder auffüllen. Diese Riesenkämpfe erfinden das Rad bei Gott nicht neu und auch wenn man tatsächlich strategisch vorgehen kann, bleiben sie wenig mehr als ein simpler Zeitvertreib, der das Gameplay aufpeppen und für mehr Abwechslung sorgen soll. Das geht allerdings auch vollends auf, da die Kolosse nur ab und an auftreten und die Kämpfe nie so lang dauern, dass man ihrer überdrüssig wird.

Warum ändern, was schon passt?

So oder ähnlich muss die Logik gewesen sein, als man sich bei Nintendo Gedanken über die Präsentation des Spieles gemacht hat. Sieht man von dem Umstand ab, dass die Paper Mario Ästhetik ihren Weg nun auch in das Spiel gefunden hat, man also Hintergründe und Charaktere hat die aus virtuellem Papier bestehen, ist eine Veränderung gegenüber dem letzten Teil der Reihe, Mario & Luigi: Dream Team Bros. nicht zu erkennen. Nicht zwingend ein Problem, da das Spiel hübsch anzusehen ist, die Präsentation in Bild und Ton über eine Menge Charme verfügt und ein anderer Stil womöglich zu sehr nach neuem Mario-Spiel XY aussehen könnte, anstatt ganz klar, auf den ersten Blick als Mario & Luigi erkennbar zu sein. Gleichzeitig lässt sich nicht leugnen, dass selbst auf dem 3DS – ein System welches zwar etliche großartige Veröffentlichungen beheimatet aber nie mit bombastischer Grafik getrumpft hat – Paper Jam Bros. sich nicht gerade unter den visuell beeindruckenderen Spielen findet.

Bei einem so umfangreichen Titel sieht man zwar gern über solche Schwächen hinweg, was den Entwicklern auch bewusst sein dürfte (immerhin hat es auch bei Pokémon Jahre gedauert bis es zum lange fälligen Sprung in Sachen Grafik kam), aber eine aufpolierte Optik bei der nächsten Fortsetzung oder gar ein Heimkonsolenableger in schönstem HD wären dennoch wünschenswert.

Lasst die Pappe tanzen – denn nur so kann man die Energie der Kolosse aufladen.

Lasst die Pappe tanzen – denn nur so kann man die Energie der Kolosse aufladen.

Zumindest in einem Punkt reizt man die Hardware aber immerhin aus, denn Besitzer eines New 3DS und all jene welche über das entsprechende Lesegerät für den klassischen 3DS verfügen, können auch hier wieder ihre Amiibo einsetzen. Mit diesen kann man Charakterkarten erzeugen, welche ebenfalls im Kampf zum Einsatz kommen, sich jedoch als weitaus stärker und nützlicher erweisen, als die regulären Karten dies tun. Wer sich das Kampfgeschehen also etwas erleichtern will hat durch Amiibo durchaus einen Vorteil, aber keinen der zwingend nötig ist, da der Schwierigkeitsgrad im gesamten Spiel sehr ausgewogen ist.

Fazit

Mario & Luigi: Paper Jam Bros. folgt den Prinzipien, die man von so mancher Rollenspielreihe, insbesondere denen aus dem Hause Nintendo, kennt. Im Kern bleibt alles gleich, große Überraschungen gibt es nicht, aber es wird an allen Ecken und Enden ergänzt, verfeinert und dabei eben noch die eine zusätzliche Schicht Spielspaß aus der altbekannten Idee herausgeholt. Das Crossover mit Paper Mario kann dabei als voller Erfolg gesehen werden, denn die beiden Welten vertragen einander erstaunlich gut, obwohl die Unterschiede zwischen ihnen gerade hier offensichtlicher werden, als sie es je waren.

Allzu viele Risiken ist Nintendo letztlich zwar nicht eingegangen und ein grafisches Upgrade wäre ebenfalls willkommen, aber man kann an Kleinigkeiten kritisieren so viel man will, dort wo es zählt, nämlich beim Gameplay (insbesondere beim Kampfsystem), stehen die Klempner mal wieder ganz nah an der Spitze. Selbst wenn alles in allem noch ein wenig Raum nach oben bleibt.

8punkte-cd-review_neu

Release Date: 4.12.2015
Plattform: 3DS
Genre: Rollenspiel
Publisher: Nintendo
Entwickler: AlphaDream

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