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Mario Wienerroither: Der Macher der musicless Videos im Interview

Mario Wienerroither: Der Macher der musicless Videos im Interview

Jeder kennt sie, jeder liebt sie. Seit geraumer Zeit bevölkern Musikvideos mit gekappter Tonleitung das Netz. Statt des üblichen Songs, untermalt von hübschen Bildern, dreht Mario Wienerroither den Spieß einfach um, lässt die Bilder für sich sprechen und legt die dazugehörigen Geräusche darüber. Mit äußerst amüsanten, entlarvenden und teilweise verstörenden Ergebnissen. Wir sprachen mit ihm über das Wie, Warum und Wieso der musicless videos.

Du hast mit deinen musicless videos einen wahren Hype ausgelöst. Deine Videos werden millionenfach angeklickt und sind Thema in internationalen Blogs. Was war die Initialzündung?
Mario:
Der Gedanke kam mir bereits 1996, als ich Filmtrailer von CDs, die manchen Zeitschriften gratis beilagen, neu vertonte. Im Jahr 2013, als mich ein Freund anrief und ich den Fernseher auf ‚mute‘ stellte, lief gerade I Want To Break Free von Queen. Noch während des Telefongesprächs wusste ich, dass ich dieses Video neu vertonen musste.

 

Hat dich der Erfolg deiner Idee überrascht?
Mario: Total! Anfangs war ich hocherfreut, dass die ersten zwei Videos schon nach drei Monaten insgesamt etwa 300 Aufrufe hatten. Im ständigen Glauben, dass die Videos nur einen kleinen Spartenhumor bedienen, war ich dann von der Explosion und dem riesigen Feedback ab dem dritten Video sehr überrascht. Ich bin es immer noch und bin gleichzeitig auch beruhigt, dass nicht nur ich den Humor und den Sinn der Videos verstehe.

Welches ist dein Lieblingsvideo und warum?
Mario: Jetzt im Moment ist es das Rihanna Video Stay. Dieses ist nicht vollgepackt mit witzigen Soundideen und visuellen Reizen, die für Belustigung beim Ansehen sorgen. Sondern arbeitet die ersten 40 Sekunden nur ganz ruhig und bedächtig darauf hin, um den dramaturgischen Aufbau für die eine einzige Pointe in dem Video zu ebnen.

 

Konzentrierst du dich auf die großen Namen oder kannst du dir auch vorstellen, ein österreichisches Bandvideo zu vertonen?
Mario: Unbedingt! Für den Kanal sollten es aus Gründen der Reichweite schon nur sehr bekannte Namen sein. Aber nachdem ich hier wohne und auch persönlichen Bezug zu österreichischen Bands und Persönlichkeiten hab, wird das bestimmt kommen.

Wie fällst du Entscheidungen, ob ein Video ein musicless video wird oder nicht? Was müssen die Bilder ausdrücken, damit das klappt?
Mario: Das ist eine schwierige Frage. Vor allem, weil die Antwort nie dieselbe ist. Mal ist es die Stimme oder der Hauptdarsteller, der’s letztendlich ausmacht oder die Instrumentierung/das Setting. Oder die Geschichte im Film beziehungsweise der Text in Liedern. Es muss immer irgendwas Spezielles dran sein, damit es klappen kann. Wenn ich beim Ansehen der Originalvideos dann auch gleich spontan gute Ideen für eine soundtechnische Umsetzung hab, ist das immer ein ganz guter Indikator für eine mögliche virale Verbreitung.

 

Wie sieht das rechtlich aus, darfst du so einfach die Videobilder verwenden? Gab es da schon jemals Ärger?
Mario: Rechtlich Ärger gab es noch nie, nein. Es wurden zwar zwei, drei Videos weltweit gesperrt, aber es war mir klar, dass das ab und zu mal passieren wird. Würde ich die Videos in Amerika uploaden, würde auf meinen Kanal amerikanisches Recht geltend gemacht werden können. Dann fielen die Videos in die urheberrechtlich unbedenkliche Kategorie ‚fair use‘ oder ‚parody‘. In Europa sieht das anders aus, besonders in Österreich. Wir haben weltweit das strengste Urheberrechtsgesetz und natürlich ist das Verwerten von Fremdmaterial für eigene Produktionen untersagt – aber ich verdiene nichts damit! Im Gegenteil: Die Rechteinhaber erhalten das Klickgeld meiner Videos und durch die große mediale Verbreitung ist diese Gratiswerbung für die Künstler und die für meinen Zweck verwendeten Originalvideos auch nicht zu verachten. Ganz im Gegenteil erhielt ich auch schon offizielle Aufträge von einigen Major Labels, Videos neu zu vertonen.

 

Jeder in der Internetwelt kennt deine Videos, aber niemand kennt das Gesicht dahinter. Stört dich das, ein Star ohne Gesicht sein?
Mario: Ich finde das sogar super! Ich konzentriere mich viel lieber auf die Produktion und möchte mit dem Drumherum so wenig wie möglich zu tun haben. Wäre ich eine Band, würde ich mir mein Konzert lieber vom Publikum aus ansehen.

Danke Mario für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin!

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Luis Pasching
äähm, mir ist grad ein bisi schlecht
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