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Midriff im Interview

Midriff im Interview

Mit Doubts & Fears steht das dritte Album des Tiroler Heavy Rock Trios Midriff (Homepage) in den Regalen des gut sortierten Musikhandels. Aus diesem Anlass unterhielten wir uns mit Bassist Jele über das neue Album, Do-it-yourself im Musikbiz und die Sommerpläne der Band.

Hallo Jele! Erstmals Gratulation zum neuen Album! Wann habt ihr vor den Release ordentlich zu feiern?
Jele: Herzlichen Dank! Wir haben ja schon ein paar Releaseshows hinter uns. Aber so richtig Zeit, um den Albumrelease zu feiern, hatten wir zwischen den Livedates und Presseterminen noch nicht so wirklich. Aber wir werden dies so schnell als möglich mal bei einer gemütlichen Grillerei im Grünen nachholen, mir kommen da schon ein paar Ideen!

Obwohl euer Albumtitel Doubts & Fears nicht gerade nach Euphorie schreit werdet ihr von den Kritikern bejubelt. Fürchtet ihr trotzdem euer musikalisches Schaffen oder sind eure Zweifel gleichzeitig euer Antrieb?
Jele:
Die einen finden es sehr cool, die anderen finden es nicht so gut, aber die allgemeinen Rückmeldungen der Presse sind sehr viel besser als wir uns das vorgestellt haben. Midriff und positive Album/EP Titel ist so ne Sache: Das erste Album hieß ja Broken Dreams, die Unplugged EP Blackout – da mussten wir noch eins oben drauflegen mit Doubts & Fears. Wir stehen ganz klar genau hinter dem was wir musikalisch und als Band machen, das sind zu 100% wir und wir sind glücklich genau diesen Sound machen zu dürfen, den wir gerne machen. Aber die letzten Jahre als Band haben uns mit Sicherheit auch zu den Menschen gemacht, die wir gerade jetzt sind, und da sind auch nicht immer die besten Dingen im Leben passiert. Insofern passt der Titel des Albums recht gut zur Gesamtthematik der Songs, in denen es um viele alltägliche Dinge geht, die vor allem Paul (Drummer/Sänger) und mich beschäftigen, da Paul die Hauptarbeit an den Lyrics trägt. Einige Titel stehen auch für Methaphern, so zum Beispiel Safehouse.

Mehr: Midriff – Doubts & Fears – CD Review

DIY scheint bei euch ein ganz großes Thema zu sein. Neben der Tatsache, dass ihr euer zweites Album in Eigenregie produziert und aufgenommen habt, wurde auch Doubts & Fears unter eigener Flagge veröffentlicht. Worin seht ihr die Vor- und Nachteile des Do-it-yourself-Gedanken im Musikbiz?
Jele:
Das Biz wird immer härter. Es gibt immer mehr Bands, die das letzte Hemd für ihre Karriere geben und es gibt immer weniger Chancen für junge, gute Bands, mit vernünftigen Deals in die Industrie einsteigen zu können. Obwohl wir erst Mitte 20 sind, haben wir sehr früh für uns entschieden, dass wir uns nicht von irgendjemandem ausnutzen, auspressen und wegwerfen lassen, wie einen nassen Waschlappen. Der Nachteil ist, dass man nicht im Fahrwasser großer Acts, die zum Beispiel auf demselben Label sitzen, mitschwimmen kann. Man braucht für alles mehr Zeit. Der große Vorteil: Man macht sich nicht abhängig von Dritten. Man hat die Fäden selber in der Hand und kann einfach die Musik machen, die einem Spaß macht – ohne dass jemand mit dem Bleistift hinter dir steht und sagt: Das verkauft sich niemals! Welcher Weg effektiver ist, kann ich leider nicht sagen.

Klingt nach ’ner Menge Arbeit! Wie bringt ihr euer Business als auch eure Musik unter einem Hut, um trotzdem mit den „labelgestützten“ Bands auf einer Augenhöhe zu stehen?
Jele: 
Wir haben diesbezüglich ein riesiges Glück, dass jeder von uns dreien nach kurzer Zeit genau den Bereich gefunden hat, in dem er vollkommen aufgeht und auch den Geschäftsteil des Ganzen gerne macht. So ist Josh der Webmaster und verantwortlich für den Merchandise. Paul ist Aufnahmeleiter und Produzent und kann sich tagelang in sein kleines Studio einsperren und an Mixes tüfteln. Ich mache vor allem Presse, Booking und Management für die Band. Alles kann man natürlich nicht selber machen – viele helfende Hände erleichtern hier die Arbeit extrem. Wir haben einen sehr gut funktionierenden Bandshop, über den wir unter anderem auch die Preorders für das neue Album abgewickelt haben. So kann man auch finanziell Ausgaben für Studiobau, Tonequipment et cetera refinanzieren, ohne sich in Schulden stürzen zu müssen.

Euer Band-Line-up ist ja eigentlich eher ungewöhnlich. Wie reagieren die Techniker der Venues, wenn ihr sagt: „Vorne keine Mics… Vocals gibt’s nur vom Drummer“?
Jele:
Bei uns sitzt der Drummer/Sänger vorne – ist ja klar, der Sänger gehört doch an die Front! Das Drumset kommt in die Mitte nach vorne, Bass und Gitarre jeweils links und rechts davon. Seit gut zwei Jahren spielen wir mit In Ear Monitoring, haben so auch kein Equipment auf der Bühne und können uns voll und ganz auf die Show konzentrieren. Die Techniker sind vorerst meist etwas vorsichtig und können sich nicht genau vorstellen, was auf sie zukommt. Aber wir haben so gut wie immer unsere eigene Produktion dabei und deshalb sind die Techniker nach einigen Minuten meist sehr relaxt und genießen einen coolen Abend mit uns.

Auf Doubts & Fears hört man deutlich eine lyrische Weiterentwicklung. Die tiefgründigen Lyrics im Song Long Gone behandeln zum Beispiel einen komplexen inneren religiösen Konflikt. Wie steht ihr als Bewohner des “heiligen Lands” Tirol zu religiösen Thematiken?
Jele:
Oh – gute Frage. Ihr seid die Ersten, die sich trauen diese Frage zu stellen! Mein Bruder Josh und ich sind ohne Bekenntnis, haben demnach auch keinen wirklich großen Bezug zum religiösen Ausleben. Long Gone ist Pauls Song – und ist mit Sicherheit ein schweres Thema, welches am besten jeder für sich beantwortet. Ursprünglich wollten wir diesen Song als Video umsetzen, was angesichts unseres nicht vorhandenen Hollywoodbudgets leider nicht möglich war. Wir kommen natürlich aus einer sehr ländlich geprägten Umgebung, wo auch Religion noch eine wichtige Rolle spielt – aber es braucht doch überall ein paar Ausnahmen oder?

Der Sound von Midriff lässt sich meist mit einem Ritt auf ‘nen heißen Ofen assoziieren. Seid ihr auch Fans der motorisierten Zweiräder oder rast ihr lieber im Tourbus über den Asphalt?
Jele:
(lacht) Wenn du mich fragst, mir macht beides großen Spaß. Der Nightliner oder auch unser eigener Midriff Tourbus – aber wenn man ehrlich ist, verbringt man die meiste Zeit in Bussen nur mit Essen, Schlafen, #mitdemfingeramipadrumdrücken, TV schauen oder einfach nur das Daybiz zu organisieren. Da ist der Ritt auf dem Zweirad schon weitaus lässiger! Paul und ich fahren beide Motorrad, ich hab mir sogar ’ne alte Honda mit Baujahr 1980 geholt. Josh ist da nicht so daheim bei den Zweirädern – verrät man ihm aber den Ort, wo der Grill angeheizt wird, ist er sofort zur Stelle!

Die Temperaturen steigen, die Tage werden die länger, die Nächte kürzer. Wie schauen eure Pläne für den Sommer 2015 aus?
Jele:
Da gibt es nicht viel Zeit für private Pläne. Aber die Temperaturen sind toll für unsere Sommerbeschäftigung: Festivals! Wir sind am Nova Rock, Donauinselfest, Free Tree Festival, Free & Easy Festival um nur einige zu nennen. Und nebenbei kann man noch bisserl Motorradfahren. Der Sommer könnte gerne länger dauern!

 Danke für deine Zeit und einen schönen Sommer wünschen wir!

Photo: © Manuel Mair
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