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Der Musikjournalismus liegt im Sterben – Wayne interessiert’s!

Der Musikjournalismus liegt im Sterben – Wayne interessiert’s!

Vorab: Da es Print dank den allseits bekannten Problemen schwer genug hat, konzentriere ich mich auf online.

Die Welt geht vor die Hunde Mädchen, traurig aber wahr.

Besser als Kraftklub hätte ich es auch nicht schreiben können. Doch wenn du mich küsst… ändert es leider auch nichts an der Titelproblematik. Die fetten Jahre sind vorbei. Selbst wenn Publizistikstudenten immer noch ihre Zukunft darin sehen – der Musikjournalismus liegt im Sterben. Warum? Erstens braucht man niemanden mehr, der einem sagt, welche Musik gut ist, zweitens sind die Kids da draußen faul geworden und drittens ist die Konkurrenz unendlich groß.

Wer braucht noch CD-Kritiken?

So genial Plattformen wie Spotify und Co sein mögen, sie haben dafür gesorgt, dass Musik gratis und einfach zugänglich ist. Geil für mich als Fan, schlecht für ein Medium. Warum? Potenzielle Leser ziehen sich ein Album legal nach Veröffentlichung (oder illegal davor) einfach rein und entscheiden selbst, ob es ihnen gefällt. Egal was die Fachpresse darüber schreibt – selbst weiß man am Besten, was man gut findet. Dank Facebook ist man außerdem vernetzt und kann seine Erfahrung easy mit der Community teilen. Und eine persönliche Empfehlung war immer schon am meisten wert…

Aber es gibt doch Interviews…

Natürlich gibt es Interviews. Zugegeben, die sind in meinen Augen immer noch relevant. Doch leider ist die heranwachsende Generation lesefaul geworden und schätzt qualitativen Journalismus immer weniger. Wenn man in einer Zeit aufwächst, in der man immer und überall kostenlosen Zugriff auf weltweites Wissen hat, wird man verwöhnt. Ich habe mir noch monatlich Musikmagazine gekauft und schätze gut recherchierte Interviews. Traurigerweise wird das noch nie dagewesene Potenzial des Internets hauptsächlich dafür verschwendet, dass man sich lustige Katzenvideos reinzieht, seine Zeit auf 9gag verschwendet (da zähle ich mich selbst dazu) oder bis in die Unendlichkeit auf Facebook scrollt. Man könnte fast meinen, die Menschheit verdummt am Internet, obwohl sie damit uneingeschränkten Zugriff auf Information hat (aber das ist eine eigene Kolumne wert…).

Musiknews wird man immer brauchen

Dank Social Media nicht mehr. Jede Band – selbst die Hinterdupfinger Strunztschigunsen – haben ein Facebookprofil. Kein Medium kann schneller als Information aus erster Hand sein. Bin ich ein echter Fan, sehe ich das Posting meiner Band gleichzeitig mit einem Medium. Bis eine Meldung übernommen wurde und als News rausgeschossen wird, ist sie ein alter Hut. Und selbst wenn ich eine Neuigkeit auf einer E-Zine-Fanseite zum ersten Mal sehe, heißt das noch lange nicht, dass ich draufklicke. Da gehe ich doch lieber gleich auf die Bandseite, um mir die Information direkt zu holen. Und Direktzugriffe werden sowieso immer seltener – klar auch, ich sehe ja alles Wichtige auf Facebook.

Aber jeden interessieren doch Konzertberichte!

Das gilt – wenn überhaupt – nur für Megaevents. Kleine Shows interessieren nicht die Massen. Darum findet sie auch in kleinen Locations statt… Die paar Großevents wie Festivals oder Stadiontouren rechtfertigen leider kein Magazin – und finanzieren es noch weniger.

Im Musikjournalismus stehend Sterben oder knieend leben

Abgesehen davon, gibt es massenhaft internationale Konkurrenz. Einige große Medien haben Budget und Kredibilität – die haben vielleicht eine Chance, zu überleben. Trete mal gegen Alternative Press an… da wird man immer den kürzeren ziehen.

Was kann man also tun? Aktuell lautet die Antwort: Mit stumpfsinnigen Inhalten und aufmerksamkeitserregenden Social Media Postings auf Klickjagd gehen. Damit läuft man jedoch Gefahr, dass sich Leser irgendwann verarscht fühlen und die Glaubwürdigkeit flöten geht. Zieh man sein Ding durch, muss man mit immer weniger Klicks rechnen.

Das Massensterben der Kleinen hat begonnen. Viele der Großen gibt es zwar noch, die Frage ist wie lange. (Kurzer Exkurs: Dafür schießen Seiten wie Heftig.co und buzz.at wie Schwammerl aus dem Boden und sind irrsinnig erfolgreich dabei. Und das, obwohl sie die Sozialen Netzwerke mit Müll überschwemmen. Wen interessieren wirklich gesellschaftlich relevante Themen, wenn es eine Frau gibt, die während dem Sex ihre Maske abnimmt und ihre beste Freundin sieht…)

Ich kann allen angehenden Musikjouralisten nur empfehlen: Seht es als Hobby, sucht euch ein kleines Medium und schreibt, worüber ihr wollt. Habt ihr Absicht, Geld damit zu verdienen, macht euch mit Themen wie Miley Cyrus Instagram-Account vertraut. So traurig es ist, die Scheiße wird geklickt und bezahlt unterm Strich die Mitarbeiter.

Aber scheiß drauf, wir machen weiter. Don Quijote hat es auch mit den Windmühlen aufgenommen. Um mit den wunderbaren Worten von Metallica zu einem Ende zu kommen:

It’s sad but true!

Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Hinterlasst mir doch ein Kommentar, wenn ihr anderer Meinung seid.

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