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Ori and the Blind Forest im Test

Ori and the Blind Forest im Test

Am 11. März 2015 erschien mit Ori and the Blind Forest (Homepage) der lang ersehnte Grafikglanz-Platformer von Moon Studios für die Xbox One und den PC. Spätestens seitdem wir die Präsentation auf der E3 2014 erspäht haben, konnten wir es kaum mehr erwarten, dieses lecker anzusehende Schmankerl für euch anzuspielen.

Wir waren ja schon darauf gefasst, enttäuscht zu werden, nachdem das Interesse an diesem Spiel weltweit bahnbrechende Züge annahm, aber nun sind wir überzeugt:

Ori and the Blind Forest ist Liebe. Liebe für die Augen, die Ohren und insbesondere für das Zockerherz. Wieso, warum, weshalb? Das wollen wir euch nun erzählen.

Leben und Sterben im Wald von Nibel

Ori schafft das, was manche Spiele nur nach langer Zeit oder gar nie schaffen: Es fesselt unweigerlich und löst pure Empathie aus.

Dabei wird eine Geschichte erzählt, die grafisch wie dramaturgisch von der ersten Sekunde an unser Herz berührt: Ori ist ein Kind, geboren aus Licht, das von dem großen bärenartigen Wesen Naru im zauberhaft-malerischen Wald von Nibel aufgelesen wird. Liebevoll nimmt diese Kreatur Ori unter seine Fittiche, umsorgt, hegt und pflegt den kleinen Racker Ori, als wäre es sein eigener Zögling.

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Die leuchtende Lebenskraft im Wald von Nibel schwindet. Traurig und doch ergreifend wunderschön. ©Screenshot

Doch die Welt ist nun leider mal nicht nur Sonnenschein und so zerbricht auch Oris Welt, als ein riesiges Eulenbiest aus den Schatten auftaucht. Mit seinem Erscheinen schwinden auch das Licht und das Leben des Waldes. Flora und Fauna des märchenhaften Hains beginnen zu welken und verdorren. Bis die Verderbnis sogar Oris neu gewonnene Familie, die er in Naru gefunden hat, dahinrafft.

Schutzlos und allein bleibt Ori zurück und schon nach diesem sehr emotionalen Prolog wird deutlich, dass die Entwickler keine Angst vor emotionalem Tiefgang haben, wie man es sonst eher aus japanischen Rollenspielen wie Zelda oder Final Fantasy kennt.

Storytelling findet seinen Meister

Die Erzählung, welche sich um das Lichtkind Ori rankt, bedient sich dabei ausdrucksstarker Stilmittel. Die atmosphärischen Zwischensequenzen und die Handlung während des Spiels kommen gänzlich ohne gewöhnliche Erzählerstimme aus. Lediglich Texteinblendungen, in Fantasiesprache vertont, geben Hinweis auf den Fortlauf der Geschichte.

Aus den Schatten steigt der Antagonist Kuro empor udn mit ihm schwindet das Licht. Doch welche Geschichte verbirgt sich hinter der Bedrohung? ©Screenshot

Aus den Schatten steigt der Antagonist Kuro empor und mit ihm schwindet das Licht. Doch welche Geschichte verbirgt sich hinter der Bedrohung? ©Screenshot

Das Zusammenspiel von Licht und Schatten wird dabei nicht nur grafisch meisterhaft Umgesetzt, sondern findet sich auch in der Komposition von Design und Inhalt wieder. Immerhin erzählt die Geschichte selbst von dem Urkampf der ältesten Kräfte, von Licht und Dunkelheit, von Gut und Böse. Und manchmal sind wir uns gar nicht mehr so sicher, ob die Grenzen hierbei eindeutig gezogen werden können.

Jeder Schritt, jeder Sprung in Ori and the Blind Forest ist mit so viel Herzblut und Feingefühl gestaltet, dass wir zwischen begeisterten freudigen Jauchzern und sympathisierenden Tränen hin und her schwanken. Kleine liebevolle Details warten an jeder Ecke und Stelle des Spiels darauf, entdeckt zu werden und runden die märchenhaft anmutende Geschichte in ihrer Gänze ab. So heißt die furchteinflößende Eule, welche Oris Gegenspieler mimt, Kuro. Das bedeutet im japanischen so viel wie Schwarz.

Blindlings bedeutet oft den Tod

Was Ori vermutlich gar nicht hoch genug angerechnet werden kann, ist, dass hinter der wunderbaren Optik auch tatsächlich ansprechendes wie auch anspruchsvolles Gameplay zu finden ist. Moon Studios scheuen nicht davor zurück, uns ordentlich zu fordern – wer hadert, stirbt. Und das ist gut so.

Was Ori noch so besonders macht, ist sein perfekt dosierter Genremix. Moon Studios bezeichnen ihr Baby als sogenanntes „Metroidvania“ mit leichten RPG-Elementen und stärkerer Konzentration auf den Hintergrund. Jede Szene in diesem Spiel soll wie ein eigenes Kunstwerk wirken.

Stammbäume, die in der weitläufigen Dungeons zu finden sind, verleihen uns stärkere Fähigkeiten. ©Screenshot

Stammbäume, die in der weitläufigen Dungeons zu finden sind, verleihen uns stärkere Fähigkeiten. ©Screenshot

So warten auf uns drei riesige Dungeons, eine vielseitige Skilltree und unzählige Geschicklichkeitsrästel, die Kopf wie Finger gleichermaßen fordern. Weltereignisse, in denen wir uns vor dem ertrinken retten müssen und Stammbäume, die uns spezielle Elitefähgkeiten verleihen, um diese gefinkelten Events zu überleben, runden das Spielkonzept einwandfrei ab.

Doch das ist noch lang nicht alles, Ori and the Blind Forest wurde mit genauso viel Liebe produziert, wie es selbige auch auslöst: Für das Spiel wurde ein ganzes Orchester zusammen getrommelt, um den Platformer der Herzen atmosphärisch zu vertonen.

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Stimmungsvoll harmonieren Spielwelt, Sound und Gameplay. ©Screenshot

Hinter einem außergewöhnlichen Spiel steht oft auch  ein ebenso besonderes Team. So auch bei Ori. Nachdem der Wiener Thomas Mahler einiges an Erfahrung in der Spielebranche als Freelancer, bei Digic Pictures und als Cinematic Artist bei Blizzard Entertainment sammeln konnte, gründete er gemeinsam mit Gennadiy Korol von Animation Lab 2010 Moon Studios. Bereits 2011 wurde man Microsoft First Party Developer.

Das Studio fungiert unabhängig und seine Mitarbeiter sind auf der ganzen Welt zerstreut, was es durch seine dezentrale Art stark von den üblicheren Modellen, wie Großraumbüros, abhebt. Mahler holt nur die besten ins Team, woher diese stammen, ist für ihn von höchstens zweitrangiger Bedeutung.

Fazit

Zu Ori and the Blind Forest gibt es abschließend für uns nicht viel zu sagen, außer: Spielt es, denn es wird eure Sicht auf die aktuelle Videospielkultur für immer verändern. Selten gab es ein Game, das in seiner Gesamtkomposition so überzeugte. Soundkulisse, Grafik, Gameplay und Storytelling gipfeln in einer spielerischen Symbiose wieder, die alle nötigen Zockersinne auf ein Maximum beflügeln.

Einziger klitzekleiner Wehrmutstropfen ist, dass der Spielstand immer wieder mit dem aktuellen Speichern überschrieben wird. Deshalb mussten wir das Spiel neu anfangen, um bestimme Ereignisse nochmals spielen zu können. Aber ob das als lästig empfunden wird oder als gerechtfertigt, ist Geschmackssache. Deshalb 10 von 10 Gamerpunkten von uns für ein überwältigendes Ori and the Blind Forest.

Ori and the Blind Forest

Releasedate: 11. März 2015
Plattform: Xbox One, PC
Genre: Action/Adventure-Platformer, Jump’n’Run, „Metroidvania“ mit leichten RPG Elementen
Publisher: Microsoft Studios
Entwickler: Moon Studios
Ungefähre Spieldauer: 7-10 Stunden
Für Fans von: Castlevania, Metroid, Spiele mit Herz
PEGI: ab 7 Jahren
Preis: gesehen um 19,99 Euro (PC)
Ori and the Blind Forest und Xbox One im exklusiven Österreich-Bundle

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