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Paradiesvögel: Maximum The Hormone

Paradiesvögel: Maximum The Hormone

Uns Europäern ist die japanische Musiklandschaft ja meistens nur durch diverse Sushi-Lokale oder Anime-Serien bekannt. Das Spektrum ist dabei meist nicht sehr groß: Entweder wird man mit Popsongs mit den Stimmen kleiner Mädchen konfrontiert, oder es untermalen überladene Tracks epische Kampfszenen im RTL-Jugendprogramm. Wenn man als Band aus Japan dann damit besticht, Metal und J-Pop zu vereinen und mit dieser Rezeptur schon mit Slipknot und Black Sabbath auf der Bühne stand, dann ist man schnell Paradiesvogel des Monats. Wir präsentieren: Maximum The Hormone.

System Of A Down auf japanisch

Die 1998 gegründete Band Maximum The Hormone will eigentlich nicht so recht in eine musikalische Schublade passen. Man könnte sie auf erstem Blick als Alternative-Metal Band bezeichnen, ihr Stil schließt aber Elemente aus Ska, Pop und Hardcore mit ein. Vor allem beim Gesang wird hier oft variiert: Gitarrist Ryo Kawakita übernimmt die klaren Vocals, während Daisuke Tsuda seine Parts shoutet. Bassist Futoshi Uehara ist eher für den Backgroundgesang zuständig und Schlagzeugerin und ältere Schwester von Ryo, Nao Kawakita, schmeißt verzeinzelt poppige Textzeilen in den Song, hält sich aber stimmlich sonst eher im Hintergrund. Die Musik selbst hat viele Anleihen im typischen Alternative-Metal Bereich: Die Gitarren sind in Drop-D und die Riffs werden unkompliziert innerhalb der ersten paar Bünde gespielt. Dadurch wirken Maximum The Hormone über weite Strecken wie die japanische Version von System Of A Down, allerdings verknüpft das Quartett die harten Parts mit knallig-buntem J-Pop.

 

Inhaltlich orientieren sich Maximum The Hormone gerne an der Welt der asiatischen Seifenopern. In Koi No Mega Lover traut sich etwa der viel zu schüchterne Junge endlich das Mädchen seiner Träume zu küssen und bekommt dafür prompt eine Abfuhr erteilt. Optisch durchbricht die Band klassische Vorstellungen von Metal-Videos und es wird kräftig japanische Show-Kultur hineingemischt: Laszive Tänzerinnen hüpfen in kurzen Röcken durchchoreografiert auf einer Party herum, bevor die eigentliche Band sprichwörtlich die Wand durchbricht und auf die Kacke haut.

Die Hormone zum Kochen bringen

Bei der Bedeutung des Namens ist sich die Band selbst nicht ganz so einig. Zum einen gibt es das „Hormone“, eine Art japanisches Barbecue, bei dem Innereien verarbeitet werden. Andererseits kann man laut Ryo den Namen aber auch dem englischen Sprachgebrauch folgend auslegen: Bei ihrer Musik würde die maximale Anzahl unserer Hormone anfangen zu kochen. Den Namen selbst schreibt man in Katakana, einer der beiden japanischen Morenschriften. Jedes der Zeichen steht dabei entweder für einen Vokal oder einen Konsonanten mit darauf folgendem Vokal. Wie sich das ganze bei Maximum The Hormone anhört, kann man hier probieren: Japanisch für Anfänger.
Überhaupt wirkt es oft so, als würde sich die Band an der japanischen Kultur bedienen, um sie sarkastisch in ihrer Musik und den Videos zu verwerten. Der erste Teil des Songs Chiisana kimi no te könnte etwa ohne Probleme als Vorspann einer japanischen Dramaserie laufen, würde nicht bei 1:45 Ryo über den Fernseher kotzen:

 

Dem aufmerksamen Beobachter dürfte hier ein weiteres Merkmal aufgefallen sein, dass Maximum The Hormone musikalisch eher westlich geprägt ist: Gitarrist Ryo trägt auch hier sein geliebtes Tool-Shirt. Außerdem: Erinnert nur mich die Stelle ab 2:30 etwas an Tools Schism? Vielleicht ist das aber alles auch nur Zufall und Maynard James Keenan hat ihm das Shirt einfach 2013 am Ozzfest Japan geschenkt, als man sich dort die Bühne teilte.

Synchrones Headbangen als Weltrekord

Obwohl die Band mittlerweile schon mit Größen wie Bring Me The Horizon, Enter Shikari oder eben Tool getourt ist, kam der große Durchbruch erst mit ihrem vierten Album, Buiikikaesu. Das darauf enthaltene Koi No Mega Lover war ihr erster Top-Ten-Hit in Japan und bescherte der Band große Aufmerksamkeit. Der Hype um die Band schwappte als Folge nach Amerika und Europa, nachdem What’s up, People?! und Zetsubō Billy im Intro und Abspann zur weltweit erfolgreichen Serie Death Note zu hören waren. Obwohl Maximum The Hormone damit auch bei uns langsam bekannt wurde, liegt ihre Anhängerschaft bis heute klar in Japan. Wie sehr Japaner zu ihrer Musik ausflippen können, sieht man bei einem Auftritt am MetroRock 2015. Schade, dass kein Beauftragter von Guinness World Records anwesend war, den Eintrag für „Größtes Synchron-Headbangen“ wäre der Band sicher gewesen:

 

Momentan befindet sich die Band auf Promo-Tour durch Japan, um ihre neue Best Of-Box zu bewerben. Dabei ließ man sich nicht lumpen, das Set umfasst drei DVDs, eine Blue-Ray und eine CD. Die Optik bleibt dabei gewohnt skurril: Ein übergroßes Baby mit Iro terrorisiert im Stile King Kongs eine Stadt.

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