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Schrei nach Geschreie – Pianos Become The Teeth in der Arena Wien

Schrei nach Geschreie – Pianos Become The Teeth in der Arena Wien

Als sich Pianos Become The Teeth (Facebook) gerade in der Phase ihres großen Aufschwungs befanden, wurden sie oft durch gemeinsame Auftritte und Split-EPs mit großen Ikonen der Screamo-Szene, wie Touché Amoré oder La Dispute, in einem Atemzug genannt. Leider hat es die Band auf ihren Europatourneen bis jetzt nicht in das schöne Wien geschafft, dem sie am 15.10.15 ihren ersten Besuch abstatteten. Das Konzert in der kleinen Halle der Arena erfüllte jedoch meine hohen Erwartungen nicht komplett.

Pianos Became So Soft

Dass die Band mit ihrer neuen LP Keep You eine sanftere Schiene eingeschlagen hatte, war mir durchaus bewusst. Umso mehr freute ich mich auf die zwei älteren Songs in der Setlist, die stimmig mit ausschließlich neuen Songs umschlossen waren. Keep You rotierte zwar schon dutzende Male in meinem Plattenspieler, allerdings wird meine Euphorie für die Band, wie ich sie lieben gelernt habe, immer größer sein.

Die ersten paar Songs gaben mir das Gefühl, dass ich das neue Album eigentlich viel lieber in meinem Wohnzimmer höre. Jedenfalls hat es einige Songs gebraucht, bis ich in der notwendigen Stimmung war, um mich komplett auf die von der Musik ausgestrahlten Melancholie einzulassen. Positiv ist jedoch herauszuheben, mit wie viel Elan sich die komplette Band trotz der generell ruhigen Atmosphäre auf der Bühne präsentiert. Besonders sticht hier Drummer David Haik heraus, welcher durch grandiose Fills und viel Körpereinsatz dem Bühnenauftritt extrem viel Charakter verleiht.

Schrei nach Geschreie

Als das Konzert seine Mitte erreichte und die Gruppe mit ihren populären und härteren Songs auffuhr, war ich etwas überrascht, dass ihr Sänger Kyle Durfey seinen einzigartigen früheren Vocals komplett abgeschworen hatte. Vier der fünf Bandmitglieder gaben hundert Prozent, während der wichtigste Part nahezu lieblos die damals so herzzereißenden Texte zu den altbekannten Melodien summt. Gerade auf die Dynamik der Pianos Become The Teeth Klassiker habe ich mich vor meinem Konzertbesuch gefreut und wurde regelrecht enttäuscht.

Generell hätte ich mir beim Konzert ein wenig mehr Kopfstimme gewünscht. Die wenigen Male, als der Bassist Zac mit unterstützenden Vocals aushalf, wurde mir richtig warm ums Herz. Das rundete nämlich das Klangbild schön ab und ließ mich sofort erkennen, was dem restlichen Konzert etwas fehlte. Vor allem die abschließenden zwei Songs, Repine und die Zugabe Say Nothing, ließen mich dadurch die so sehnlichst erwartete Gänsehaut verspüren und bewegten mich zum Mitsingen.

Trotz der großen Veränderung, die die Band durchgemacht hat und der Tatsache, dass ich nie die Gelegenheit hatte, sie in ihrer Blütezeit zu erleben, möchte ich die gestrige Performance nicht missen. Es mag sein, dass ich mir von den altbekannten Hymnen der Band etwas mehr erwartet hätte, aber das sollte die sonst eher positive Erfahrung nicht trüben. Denn auch wenn man über den Tellerrand des Genres blickt, gibt es kaum Musik, die lyrisch an die Raffinesse von Pianos Become The Teeth herankommt. Als kleiner Vorgeschmack ist das neueste Video 895 verlinkt. Für jene, die es gerne ein bisschen härter haben, empfehle ich stattdessen die 2011er Platte The Lack Long After.

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