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Sonic Boom für Wii U und 3DS im Test

Sonic Boom für Wii U und 3DS im Test

Zweimal blauer Igel, zum daheim spielen und zum Mitnehmen: Wir haben die Wii U- und die 3DS-Version der Sonic Boom-Reihe für euch getestet. Zwei unterschiedliche Abenteuer, aber der selbe Feind. Welches Spiel besteht unseren Test?

Sonic Boom: Lyrics Aufstieg im Test (Wii U)

von André Körpert

Publisher Sega hat sich mit Entwickler Big Red Button zusammengetan, um dem blauen Igel am 21.11.14 ein Makeover zu verpassen. Wie hinlänglich bekannt ist, hatte Sonic so seine Höhen und Tiefen in den letzten Jahren, daher stellt sich nun die Frage: Kann Sonic Boom: Lyrics Aufstieg (Homepage) das hohe Niveau von Sonic Generations (PS3, Xbox 360, PC, Nintendo 3DS) und Sonic: Lost World (Wii U, Nintendo 3DS) halten? Wir haben die fertige Version des Wii U-Exklusivtitels getestet.

Von chaotischen Kristallen und stählernen Schlangen

Sonic, Knuckles, Tails und Amy befinden sich wie so oft im Kampf mit Dr. Eggman, so weit, so bekannt. Dieses Mal findet die Auseinandersetzung auf einer Insel statt, wo Eggman sie mit einem Angriff seines selbstgebauten Roboters Metal Sonic überrascht und zur Flucht zwingt. Als sich unsere vier Helden nun in einer alten Ruine einschließen, erwecken sie versehentlich den Antagonisten des Spiels, Lyric, eine halbmechanische Riesenschlange, wieder zum Leben. Dieser macht sich prompt ans Werk, seine Roboterarmee mithilfe der Chaoskristalle mit Energie zu versorgen, um sich damit als Herrscher zu etablieren.

Nun liegt es an Sonic, Tails, Knuckles und Amy, ihm zuvorzukommen, die Chaoskristalle einzusammeln, und Lyrics Aufstieg zu verhindern. Dies bietet einen netten Grund, die unterschiedlichen Levels abzuarbeiten, sehr viel mehr schafft die Story allerdings nicht. Ich war zu keinem Zeitpunkt wirklich gespannt, wie es weitergeht, da es keine nennenswerten Wendungen oder gut ausgearbeitete Charaktere gibt. Sonic gibt mal mehr, mal weniger lustige One-Liner zum Besten, wirkt dabei allerdings wie ein unsympathischer Arroganzbolzen und Knuckles hat seine Stärken eher in den Armen als im Kopf.

Sonic

Die Sonnenseiten: in Dschungelgebieten kann Sonic Boom: Lyrics Aufstieg manchmal schon fast als hübsch durchgehen. ©Nintendo

Amy und Tails blieben mir leider kaum in Erinnerung. Am sympathischsten fand ich hier noch Dr. Eggman, der als überzeichneter Klischeebösewicht immer mal wieder erklärt, was man als böser Wissenschaftler eigentlich so alles zu wissen hat.  Erzählt wird das Ganze in schlecht synchronisierten Zwischensequenzen, welche aus der PS2-Ära stammen könnten, wenn sie etwas schlechter aufgelöst wären. Anhand der Texturen könnte man jedenfalls keinen Unterschied feststellen. So wirklich zum Mitfiebern angeregt wird man auch durch die Musik nicht. Diese ist nie wirklich passend, da sie in den Actionpassagen stets zu ruhig ist, und plötzlich auftreibend wird, wenn nichts los ist.

Gotta go moderatly fast

Wenn man an Sonic denkt, kommt einem sofort seine Geschwindigkeit in den Sinn. Nicht umsonst trägt er schließlich den Spitznamen Blue Blur. Dieses Geschwindigkeitsgefühl wurde allerdings signifikant zurückgeschraubt, zu dem Punkt wo ich mich oft gefragt habe, ob man hier nicht einfach eine Idee für ein Spiel hatte, und dann den Namen Sonic davorgestellt hat, um höhere Absatzzahlen zu erzielen.

Der Hauptteil von Sonic Boom: Lyrics Aufstieg spielt sich in einer Art Oberwelt, welche die Levels untereinander verbindet, in Form einer komplett leblosen Zeltstadt ab, von der man die unterschiedlichen Levels bereist. Diese Oberwelt ist allerdings so öde, dass ich mir schon regelmäßig die reichlich anspruchslosen Kämpfe herbeigewünscht habe, nur um etwas zu tun zu haben. Diese Kämpfe laufen in simpelster „Hämmer-auf-den-Knopf-bis-der-Gegner-umfällt“-Manier ab und bieten kaum Anreiz, sich näher damit auseinanderzusetzen.

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Ein seltener Anblick: Sonic und Konsorten in vollem Lauf. Leider nur in sehr beschränktem Ausmaß möglich. ©Nintendo

Wie bereits erwähnt lässt Sonic Boom: Lyrics Aufstieg in Sachen Geschwindigkeit sehr zu wünschen übrig. Nur zwischen der Oberwelt und den eigentlichen Leveln kommt etwas Geschwindigkeitsgefühl auf, da man hier mit vollem Tempo auf einer achterbahnartigen Strecke entlangläuft, Hindernissen ausweicht, und ab und an Alternativrouten nehmen kann. Dies befindet sich nur leider auf dem Niveau mancher Für-Zwischendurch-Spiele fürs Handy und entschädigt nicht für das lahme Rumgejogge des restlichen Spiels.

In den eigentlichen Levels kommt schon etwas mehr Abwechslung ins Spiel. Dafür sorgen die Fähigkeiten der vier Hauptcharaktere. So kann Sonic mit seinem Spin Dash (er rollt sich in eine Kugel und rollt eine kurze Distanz in massivem Tempo vorwärts) Rampen hochrollen, Knuckles kann spezielle Wände hochklettern, Amy hat einen Triple Jump und kann auf Balken balancieren und Tails kann kurze Distanzen gleiten.

Damit sollten sich eigentlich kreative Levels mit Rätseln bauen lassen, allerdings wird selbst der Versuch dadurch zerstört, da die Charaktere angesichts eines Rätsels sofort auf die Lösung aufmerksam machen. Somit wirkt das ganze Spiel einfach nur undynamisch und träge.

Amy

Wo Amy mit ihrem Gummihammer hinhaut wächst zwar immernoch Gras, zum Roboterzerlegen reicht es aber allemal. ©Nintendo

Was es nach wie vor gibt, sind sporadische Boost- und Sprungfelder mit denen ihr euch effizienter durch die Levels bewegt. Besorgt euch dafür aber gleich mal ein paar neue Ohren, denn Sonic und Co werden euch jedes Mal mit einem unlustigen Spruch darauf aufmerksam machen, was sich gerade vor euch befindet. Jedes. Einzelne. Mal. Dies wäre nicht einmal verzeihbar, wenn die Sprüche wenigstens gut ausgearbeitet wären, aber „Schau, hier sind Rampen. Wir können diese als Rampen verwenden.“ geht ab der ersten Schulstufe einfach nichtmehr durch.

Die Technik: Bugs & Glitches

Das Beste, was man auf dieser Seite zu Sonic Boom: Lyrics Aufstieg sagen kann, ist dass es angenehm bunt und fröhlich aussieht. Leider sind die Texturen so matschig, dass man dies kaum genießen kann. Im Endeffekt sieht alls unscharf und veraltet aus, was 2014 unverzeihlich ist. Viel schlimmer ist allerdings, dass die Framerate, also die Bilder pro Sekunde, regelmäßig in einen fast unerträglich ruckeligen Bereich fallen, was oft dazu führt, dass man Gegnern nicht anständig ausweichen kann, oder aber in Abgründe läuft, weil man diese nicht schnell genug sieht.

Auf der Soundseite gibt es nur ein Wort, um den Soundtrack zu beschreiben: unspektakulär. Nach meiner Zeit mit dem Spiel kann ich mich an kein einziges Lied erinnern, was sich vor allem nach Liedern wie „Escape from the City“ aus Sonic Adventure 2, das Fans der Serie noch gut in Erinnerung sein sollte, als große Enttäuschung herausstellt.

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Man nehme einen Gegner und werfe ihn auf den Boss. Nach diesem Motto funktioniert leider jede größere Auseinandersetzung. ©Nintendo

Ich bin allgemein der festen Überzeugung, dass Sonic Boom: Lyrics Aufstieg ab und an ein Eigenleben entwickelt hat, und sich entschlossen hat, mich jetzt persönlich zu ärgern. Ich bin nur zu oft durch Böden und Wände gefallen, oder musste mich absichtlich in Abgründe werfen, da Ereignisse, die eigentlich ablaufen hätten sollen, dies nicht getan haben. Weiters passiert es häufig, dass beim Wechseln zwischen den Charakteren plötzlich einer der vier wieder an den Start des Levels teleportiert wird, was oft dazu führt, dass man neustarten muss, da ein weiterkommen mit nur einem der vier Charaktere nicht möglich ist.

Man kann übrigens auch reproduzierbar große Teile des Spieles überspringen, indem man durch eigentlich versperrte Türen läuft. So musste ich in meinem Testlauf einmal komplett neu starten, da das Spiel automatisch speichert, und ich versehentlich einen großen Teil übersprungen hatte. Alles in allem sollte man aufpassen, nur das zu tun, was das Spiel gerade von einem verlangt, da es ansonsten schnell zu einer fehlerbehafteten, unspielbaren Tortur wird.

Fazit

Ich hätte mir nach den ersten Trailern mehr erwartet. Hier wurde auf die Schnelle ein Spiel zur neu angelaufenen Serie Sonic Boom zusammengezimmert, großartiges Testen auf Funktionalität wurde übersprungen und ein unfertiges Spiel auf den Markt geworfen. Aber lassen wir mal die Sonic-Marke außen vor und schauen was übrig bleibt: an seinen besten Punkten findet man ein mittelmäßiges Jump’n’Run mit einigen Prügeleinlagen, das in etwa 75 % der Spielzeit so funktioniert wie es soll. Die Levels sind meistens etwas unkreativ und man hat alles schon in anderen Spielen besser umgesetzt gesehen.

Fans der Serie finden hier wohl mehr Unterhaltungswert, und diese sind wohl auch die Zielgruppe. Wenn man es wahnsinnig günstig findet, kann man dem Spiel eine Chance geben, zum jetzigen Preis heißts allerdings Finger weg. Wenn ihr unbedingt eure Dosis Sonic braucht sind derzeit Sonic: Lost World für die Wii U und Sonic Colours für die Wii bessere Alternativen, da die Wii U rückwärtskompatibel ist, und auch Wii Spiele lesen kann. Definitiv keine Empfehlung von meiner Seite.

Releasedate: 21.11.2014
Plattform: Wii U
Genre: Jump‘n‘Run
Publisher: Sega
Entwickler: Big Red Button
Ungefähre Spieldauer: 8h
Für Fans von: Sonic Heroes, Sonic Adventure 1
USK: ab 6 Jahren
Preis: gesehen um 49,99 Euro

 

 

Sonic Boom: Der zerbrochene Kristall im Test (3DS)

von Christian Hübel

Auch auf Nintendos Handheld, dem 3DS, gibt es ein neues Abenteuer mit dem bekannten blauen Igel. Für Sonic Boom: Der Zerbrochene Kristall (Homepage) wurden die Entwickler Sanzaru Games verpflichtet, die beispielsweise durch die Sly Cooper-Reihe bekannt sind. Wie auf der Wii U jagen wir hier Lyric, der sich Eggman als Handlanger geangelt hat. Dieser hat Amy entführt, was wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen können.

Glücklicherweise fiel diese Auflage des Sonic-Universums etwas unterhaltsamer aus als die Wii U-Version. In gewohnter 2D-Perspektive hüpft man durch die knallbunten Level. Oftmals müssen diese mehrmals durchstreift werden, da mit freigeschalteten Charakteren neue Fähigkeiten erworben werden, die den Spieler bislang unerreichbare Stellen besuchen lassen. Zu erforschen gibt es auch so Einiges, denn die einzelnen Welten sind erstaunlich groß geraten.

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In 2D-Manier verleitet uns Sonic Boom: Der zerbrochene Kristall dazu, überraschend große Level und Welten zur erforschen. ©Nintendo

Die dadurch entstehenden Wiederholungen täuschen aber leider nicht über die allgemein recht geringe Spieldauer hinweg. Spaß liefern jedoch die Zeitlimits in den Levels, die teils echte Herausforderungen darstellen. Die wenigen 3D-Level bieten mit ihrem Fokus auf Einsammeln und Ausweichen auch eine gelungene Abwechslung.

FAZIT

Abschließend lässt sich Sonic Boom: Der Zerbrochene Kristall als recht solides klassisches Jump’n’Run bezeichnen, das auf jeden Fall mehr Spaßpotential im Vergleich zu Lyrics Aufstieg bietet. Glanzleistung ist hier keine zu erwarten, Fans der Serie und alle, die gerade zu viel Geld besitzen und nicht wissen, wohin damit, können sich das Spiel jedoch als kurzen Spaß für zwischendurch gönnen.

Releasedate: 21.11.2014
Plattform: Nintendo 3DS
Genre: Jump‘n‘Run
Publisher: Sega
Entwickler: Sanzaru Games
Ungefähre Spieldauer: 5h
Für Fans von: Sonic Heroes, Sonic Adventure 1
USK: ab 6 Jahren
Preis: gesehen um 39,79 Euro

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