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SUBOTRON arcademy: Politische Bildung mal anders

SUBOTRON arcademy: Politische Bildung mal anders

Games müssen nicht immer nur aus Rankings der meisten Kills, schönen Ansichten oder wer sie schon alle geschnappt hat bestehen. Spiele können zum Beispiel auch in Form von Serious Games Wissen vermitteln und im Unterricht eingesetzt werden- und dann können sie eben noch einiges mehr!

Eine Facette von diesem sogenannten „mehr“ wurde am 26.03.2015 im MQ bei der Veranstaltung von SUBOTRON (Homepage) SUBOTRON arcademy: Subversive Spiele – ein Abend mit heimischen Underground-Indie-Entwicklern genauer unter die Lupe genommen. Mit Stift, Notizbuch und Neugier bewaffnet, gesellten wir uns dazu und lernten einen neuen Aspekt unserer Gaming-Kultur kennen.

Denkanstoß mit Augenzwinkern

Wie genau muss ein Spiel gestrickt sein, damit es „subversiv“ ist? Nun, eine genaue Strickanleitung gibt es dafür nicht. Der Kunstgriff, der hier genutzt wird, bedeutet, dass man das Gameplay des Spiels nutzt, um eine politische Meinung, oder beispielsweise auch Aufklärung zu betreiben.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Game Data Dealer (Homepage), das uns in die Rolle des bösen Datensammlers schlüpfen lässt, um In-Game so viele Daten wie möglich von Privatpersonen zu horten. Wolfgang Christel, der Kopf dieser unterhaltsamen Kampagne, weist uns mit dem Spiel in das große Mysterium des Datenhandelns ein und zeigt uns damit was „Fucked up in unserer Welt“ ist. Genau dieses Zitat trifft den Nagel auf den Kopf und hilft uns subversive Spiele von den sogenannten Serious Games zu unterscheiden.

Data Dealer ist aber nicht das einzige Game mit österreichischen Eltern, das in diese Richtung geht. Im Laufe des Abends lernen wir weitere Exemplare kennen. Eine Reihe von provokanten Trash-Spielen aus dem Hause Homegrown Games (Homepage) zum Beispiel. 2005 von Ivan Ertlov gegründet, erstellt das Entwickler-Team bewusst Spiele, die gesellschaftlich und politisch anecken sollen und deswegen in manchen Ländern zensiert oder sogar gebannt werden. Eines dieser Games ist Into the Dark, in dem man unter anderem gegen Nazi-Zombies kämpfen muss.

Im Gegensatz dazu versucht das 1997 erschienene Game Der Name des Bruders nicht gar so hart mit der Faust ins Gesicht zu schlagen. Das Spiel, das Medienkünstler Jörg Piringer mitentwickelt hat, war ein Open World Game in einem modernen Regime und entstand als Reaktion auf die damals populären Nazi-Spiele. Aggressive Handlungen sind möglich, jedoch folgt auch auf jede Handlung eine Reaktion, die eventuell das Ziel des Spieles, die Bevölkerung zur Revolte zu bewegen, negativ beeinflussen kann.

Zu guter Letzt wird die Polizei Wiens ad absurdum geführt: 1700 (Homepage) ist ein Spiel von Michael Hackel, auf einer wahren Begebenheit basiert. Der Geschichte nach brauchte es ganze 1700 Polizisten um ein besetztes Haus von 19 Leuten zu räumen. Lemmingartig musst du als Befehlshaber der Polizei Stock für Stock erobern.

Wie bei den meisten Games steht auch bei subversiven Spielen der Spaß im Vordergrund. Die Kritik an dem, was auch immer der Entwickler kritisieren möchte, ist humorvoll in das Gesamtkonzept des Games integriert. Ziel ist es, sich mit der angebotenen Materie spielerisch auseinanderzusetzen, auch wenn die eigene Überzeugung vielleicht dabei auf die Schippe genommen wird.

Zum Abschluss

In der abschließenden Diskussion wurde noch einmal gemeinsam mit dem Publikum versucht, den Begriff der subversiven Spiele zu fassen. Sie bieten einem die Möglichkeit, eigene Werte zu vermitteln. Dabei verstehen sich die Developer nicht als Ideologen, sondern wollen einfach nur zum eigenen Denken anregen. Diese Games zwingen den Spieler in ein Gegenüber und vermenschlichen ihn oder sie dadurch. Damit kann einem auch geholfen werden den Unterschied zwischen Person und politischem System zu erfassen.

Games, die unter dem Titel subversive Spiele laufen, sind meist Produkte kleiner Indie-Developer. Nur, weil große AAA-Titel nicht das Label tragen subversiv zu sein, heißt das nicht, dass sie nicht zumindest zu einem Teil subversiv sind. Im Prinzip ist es fast unmöglich etwas zu kreieren, in das nicht unsere persönlichen Ideale hineinfließen. So gesehen ist also jedes Spiel bis zu einem gewissen Grad subversiv. Wichtig ist, und das trifft nicht nur auf Spiele zu, dass man mit offenen Augen durch die Welt geht, sich mit den Dingen des Lebens auseinandersetzt und sich daraus seine eigene Meinung bildet.

SUBOTRONs selbst auferlegte Aufgabenbereiche umfassen nicht nur die kritische Auseinandersetzung mit Themen wie subversive Spiele. Nein! In der nächsten pro games-Veranstaltung gibt es bereits zum vierten Mal den Live-Pitch österreichischer Games. Dabei stellen drei Kandidaten ihre Game-Prototypen vor und erhalten von einer internationalen Jury konstruktives Feedback.

Interessiert? Dann komm am 16.04.2015 um 19:00 Uhr in den Raum D des quartier 21 des MQ. Wir sind sicher wieder dabei!

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