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The Subways im Interview

The Subways im Interview

Nach längerer Pause melden sich The Subways (Homepage) mit ihrem selbst betitelten vierten Album zurück. Aktuell geht es für die drei Briten einmal quer durch Europa. An einem seiner freien Tage hat uns Gitarrist und Sänger Billy Lunn am Telefon Rede und Antwort gestanden und uns erklärt, warum er Off-Days eigentlich hasst, über seine Ambitionen als Produzent und die Besonderheiten des neuen Albums erzählt und uns verraten, warum er am liebsten in einer Bibliothek wohnen würde.

Hi Billy, vielen Dank, dass du dir Zeit für das Gespräch nimmst. Ihr habt mittlerweile bereits ein paar Shows gespielt. Wie läuft die Tour bis jetzt?
Billy
: Es war unglaublich bisher. Wir haben gestern in Nürnberg gespielt, es war einfach voll verrückt, sehr heiß und verschwitzt auf der Bühne, das Publikum war großartig. Generell war das Publikum auf der Tour absolut fantastisch und auch die Support Bands (Purple und Kill It Kid, Anm.), die wir mit uns auf Tour haben, sind toll. Sie sind eine große Inspiration, bevor wir auf die Bühne gehen. Zwei gute Bands davor zu sehen ist immer ein guter Weg, das Blut und die Aufregung in Schwung zu bringen. Die Tour ist sehr lang, aber wir lieben es, unterwegs zu sein, den Tourbus, auf die Bühne zu gehen, die Fans zu sehen, Musik zu machen.

Mehr: The Subways – The Subways – CD Review

Für euer neues Album habt ihr alles selber gemacht. Vom Songschreiben natürlich, bis zum Aufnehmen und Mixen. Gab es einen bestimmten Grund dafür, dass ihr die CD selber produzieren wolltet?
Billy
: Ich war immer derjenige, der die Demos mit allen Songs aufgenommen und den Produzenten vorgestellt hat. Bevor wir Money And Celebrity aufgenommen haben, habe ich mit Stephen Street über die Demos gesprochen und er meinte, sie wären richtig gut. Ich war ziemlich überrascht davon! Als wir dann das neue Album geschrieben haben, fragte unser Manager, wen wir als Produzenten haben wollten. Charlotte oder Josh – ich weiß nicht mehr wer – sagte dann: „Warum macht es nicht Billy? Ich denke er kann das.“ Ich sagte: „Ok, ich machs.“ (lacht) Ich habe aber in dem Moment noch nicht realisiert, was für eine große Aufgabe und Verantwortung das sein würde! Es wurde eine große Reise der Selbstfindung. Ich bin stolz auf alle unsere Alben, aber auf dieses bin ich besonders stolz, schon deshalb, wie hart ich daran gearbeitet habe.

Hattest du keine Angst davor die anderen zwei zu enttäuschen oder dass es nicht so klingen würde wie geplant?
Billy
: Absolut! Jeden Tag dachte ich mir: „Oh mein Gott, ich baue totale Scheiße!“ (lacht) Ich wollte Charlotte und Josh nicht enttäuschen, aber viel wichtiger war es mir, die Fans nicht zu enttäuschen. Und eines der beeindruckendsten Dinge nach dem Release waren die positiven Reaktionen der Fans. Es ist noch unglaublicher bei diesem Album, weil einfach für mich persönlich mehr auf dem Spiel stand! Wenn die Leute die CD nicht gemocht hätten, wäre es alleine meine Schuld gewesen. Es gab nach ein paar Monaten der Produktion Momente, in denen ich ein bisschen durchgedreht bin, weil ich dachte, es läuft alles falsch. Ich bin ein Kontrollfreak, und wenn etwas nicht so lief wie geplant, habe ich noch mehr organisiert und wirklich hart gearbeitet.

Hast du dich auf deine Arbeit als Produzent irgendwie vorbereitet oder bist du einfach ins kalte Wasser gesprungen?
Billy
: Ein bisschen von beiden. Ich habe begonnen aufzunehmen, ohne davor richtig zu recherchieren. Aber im Laufe der Zeit und im Zuge von Fehlern, die ich gemacht hab, habe ich das Internet genutzt – das ist eine unglaubliche Ressource heute! Ich hab mir Youtube-Videos angeschaut und war in Musik-Foren, wo Produzenten und Musiker über ihre Erfahrungen im Studio und über Techniken sprechen, die ihnen geholfen haben. Ich habe mit unseren vorherigen Produzenten über Mikrofon-Set-Ups und all solche Sachen gesprochen. Aber viel wichtiger war, dass ich herausgefunden habe, dass es beim Aufnehmen und Mixen keine Regeln gibt. Es geht eigentlich darum, was du glaubst, was du machen kannst (lacht). Es ist eine sehr kreative Arbeit, kreativer als ich gedacht hätte.

Hat die Tatsache, dass du ja auch die Songs geschrieben hast, das Ganze einfacher oder schwerer gemacht? Braucht man als Produzent nicht eine Art Distanz zu den Tracks?
Billy
: Ja total. Bei den letzten Alben waren wir nur Schreiber und Performer und was dann aus dem Lautsprecher kam, haben wir akzeptiert und den Produzenten vertraut. Ich denke es ist gesund, eine gewisse Distanz zwischen Produzenten und Band zu haben. Denn Musiker sind keine Techniker und es sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, die Songs zu mixen und zu produzieren oder sie zu schreiben.

Ich kann mir vorstellen, dass es viel schwieriger ist, wenn man ein bestimmtes Bild von einem Song im Kopf hat und das Resultat dann ein ganz anderes ist…
Billy
: Es gab zwar ein paar Schwierigkeiten, aber ich habe mich dann damit abgefunden, wenn die Resultate nicht genau so waren, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich denke in jeder Kunstform hat man ein Bild im Kopf, das vermutlich unerreichbar ist, aber man versucht einfach sein Bestes und was auch immer dabei raus kommt, ist in den meisten Fällen etwas, worauf man stolz sein kann. Es gab Momente, in denen war ich am Durchdrehen, weil etwas nicht lief wie geplant. Man muss aber auch daran denken, dass es nie perfekt sein wird. Es ist o.k. manchmal einfach mit dem Flow zu gehen. Um das zu erreichen, war es für mich wichtig nicht zu versuchen Charlotte und Josh irgendwie zu kontrollieren. Wenn Josh mit einem Muster kam, mit dem ich nicht ganz einverstanden war oder Charlotte eine Bassmelodie präsentierte, die völlig anders war als erwartet, ließ ich sie trotzdem einfach machen.

Die CD klingt aber als hätte alles gut funktioniert.
Billy
: Als ich das Album gemixt habe und die Songs weggeschickt habe zum Mastern konnte ich es gar nicht glauben. Ich hatte gerade ein Album gemacht! (lacht) Wie ist das passiert, wie hat das alles funktioniert?!

Kannst du dir vorstellen auch das nächste Album selber zu produzieren, oder vielleicht auch für andere Bands zu arbeiten?
Billy
: Ja ich spreche schon mit Bands darüber, ein paar Songs zu produzieren. Und ich habe auch schon im Kopf ein paar neue The Subways Alben zu machen, aber wir werden schon auch mit anderen Produzenten sprechen, denn wir wollen uns nicht festfahren und wir mögen es Sachen zu ändern. Aber ich plane schon das fünfte Album und schreibe daran und ich hab lauter neues Equipment und mir gefällt die Idee, Musik zu produzieren.

Hast du einen Lieblingssong auf dem neuen Album oder ein Track, der deiner Meinung nach besonders gut geworden ist?
Billy
: Das ändert sich jeden Tag! (lacht) Den einen Tag ist es Black Letter, weil ich mich da besonders verrück fühle und ich finde, das ist ein etwas durchgedrehter Song. Aber ich denke der kürzeste Albumtrack Just like Jude ist es, denn ich bin sehr stolz darauf. Ich erinnere mich daran nur diese einfache Akkord-Struktur Charlotte und Josh gezeigt zu haben und wir haben den Song einfach noch am selben Tag komplett aufgenommen. Und ich höre ihn mir jetzt an und denke: „Wow, wir haben das in einem Tag gemacht, das ist so cool!“ (lacht)

The Subways Cover

In der Biografie von Die Toten Hosen wird der typische Songaufbau von ihnen beschrieben. Sie benutzen eine bestimmte Technik die Gitarre zu spielen, die sie „Hosen-Hobel“ nennen. Haben The Subways auch ein Feature, das ihren Sound ausmacht und immer wieder kommt, sozusagen ihren eigenen „Hosen-Hobel“?
Billy
: (lacht) Ich weiß nicht. Viele Leute sagen, wenn sie uns im Radio hören und den Song gar nicht kennen, hören sie sofort, dass es The Subways sind. Das ist verrückt, ich frage mich selbst, was es ist! Ich glaube es ist die Harmonie von Charlotte und mir und Josh ist ein einzigartiger Drummer. Die Songs haben auch eine bestimmte Struktur, aber ich glaube mit Ausnahme von Josh besitzen wir keine besondere Art unsere Instrumente zu spielen. Es liegt vermutlich daran, wie Charlotte und ich gemeinsam singen, ein männlicher Sänger und eine weibliche Sängerin. Und es ist dieses rocky-poppy-Zeug.

Wie funktioniert der Songwriting-Prozess bei euch? Bist du immer inspiriert und schreibst neue Songs oder sperrt ihr euch dann mal eine Zeit lang im Proberaum ein?
Billy
: Es passiert auf verschiedenen Wegen, aber ich denke immer über Texte, Melodien und Akkorde nach. Meistens lauf ich irgendwo rum und hab eine Idee, die ich aufschreibe oder in mein Telefon singe, was manchmal etwas peinlich ist in der Öffentlichkeit. Irgendwann setze ich mich hin, mache daraus kurze Aufnahmen und schicke sie Charlotte und Josh. Dann treffen wir uns, proben und beide präsentieren ihre Ideen. Für das vierte Album habe ich mich aber wirklich eine Zeit lang in mein Haus eingesperrt, weil ich mich von meinem Alkoholkonsum erholen musste. (lacht) Ich habe meine ganzen alten Alben und Schallplatten durchgehört und mich noch mal neu in die Musik verliebt. Ich habe alte Demos von uns angehört und fand ein paar richtig gute Ideen, die wir davor nie benutzt hatten. Das war eine völlig neue Art des Arbeitens für mich, ich hatte eine Menge neuer Einfälle.

Ihr habt das neue Album in zwei Teile geteilt. War das eine Marketing-Strategie oder war das einfach ein Gefallen für die Fans?
Billy
: Es war hauptsächlich deshalb, weil es schon fast vier Jahre her war, als wir Money And Celebrity rausgebracht hatten. Darum dachten wir, es wäre das Beste für uns, wenn wir den Fans so viele Songs wie möglich vor dem Release geben könnten. Wir wurden irgendwie unruhig, weil es einfach so lange her war, also hatten wir die Idee, das Album in zwei Teile zu teilen, wodurch man es quasi so hören musste wie bei einem Plattenspieler. Wir lieben Platten, darum gefiel uns die Idee, eine Seite A und Seite B zu machen! Und so hatten wir die Möglichkeit den Fans eine ganze Hälfte des Albums früher zu geben und sie hatten immer noch sechs Songs auf die sie sich am offiziellen Releasetag freuen konnten.

Ihr habt in der Vergangenheit immer wieder deutsche Versionen eurer Songs präsentiert, wie zum Beispiel Rock & Roll Queen. Habt ihr eine besondere Beziehung zu euren deutschsprachigen Fans?
Billy
: Definitiv! Wir hatten einige unserer besten Festival-Erfahrungen in Österreich und Deutschland. Immer wenn wir ein Lied schreiben fragen wir uns „Könnten wir das auf Deutsch singen?“ (lacht) Als wir Money And Celebrity mit We Don’t Need Money To Have A Good Time aufgenommen haben sagte ich zu Charlotte wir müssen das auf Deutsch machen! Also haben wir „Wir brauchen kein Geld, um zu feiern“ gesungen. Ich glaube wir haben gar nichts Deutsches auf dem neuen Album, aber keine Sorge, wir denken immer darüber nach!

Auch wenn du vorher schon meintest, ihr liebt es unterwegs und auf Tour zu sein: Gibt es auch etwas, dass du auf Tour hasst oder besonders vermisst?
Billy
: Es kann schwierig sein, aber ich denke immer an meine zwei besten Freunde in Essex. Die arbeiten in einer Verpackungsfabrik und schicken mir Fotos, wie sie im Warenhaus herumalbern. Das erinnert mich jeden Tag daran, dass ich täglich die Möglichkeit habe das zu tun, wovon ich immer geträumt habe! Es ist ein Segen auf der Bühne stehen zu können! Ich glaube ich hasse die freien Tage, weil mir da so langweilig wird! (lacht) Wir haben heute frei und spielen morgen in Linz. Ich bin ganz allein in meinem Hotelzimmer und es nervt, weil mir so langweilig ist! Aber ich werde später einen Spaziergang machen und mir die schöne Stadt anschauen und relaxen. Aber eigentlich will ich gerade einfach auf der Bühne sein.

Gab es eine Show, bei der du sagst, die wirst du nie vergessen, weil sie so gut oder schlecht oder wichtig für euch als Band war?
Billy
: Vor ein paar Tagen haben wir in Berlin gespielt und wir kamen alle von der Bühne, sahen uns an und sagten einfach nur: „Wow, das war fucking special, das war wie eine religiöse Erfahrung!“ Musik ist meine Religion und für einen Moment war es als hätte ich Gott gesehen oder so. (lacht) Es war großartig, alles hat gepasst, das Publikum war wahnsinn. So was passiert vielleicht drei oder vier Mal auf jeder Tour, wenn man von der Bühne geht, sich ansieht und einfach weiß, das war etwas ganz Besonderes. Ich bin wirklich nicht gläubig oder religiös, aber es gibt diese Momente mit Musik, wenn die Leute einfach nur Tanzen und in den Himmel schauen…deshalb sind auch Festivals so cool. Man ist in der Natur und die Musik, die Leute, jeder lacht, das ist einfach großartig.

Hattest du jemals einen Plan B, falls es mit der Band nicht funktioniert hätte?
Billy
: Ich hatte niemals einen Plan B! (lacht) Alles, woraus ich mir immer was gemacht hatte, war Musik. Ich wüsste nicht was ich jetzt tun würde, aber ich weiß, dass ich immer noch Musik machen würde und dass Musik immer noch das Wichtigste und die treibende Kraft in meinem Leben wäre. Selbst wenn ich als Busfahrer arbeiten würde, würde ich jeden Tag über Musik nachdenken. Es war entweder The Subways oder Armut. (lacht)

Und noch etwas off-topic: Ich denke jeder Mensch hat eine Art „guilty pleasure“ oder ein peinliches Hobby, irgendeine blöde Fernsehsendung, die man regelmäßig schaut oder so was in der Art. Was ist es bei dir?
Billy
: Ich liebe es einfach zu lesen. Ich glaube, wenn ich einfach in einer Bibliothek leben könnte und für den Rest meines Lebens mit niemand sprechen dürfte, wäre ich überglücklich. Ich lese jeden einzelnen Tag, ich glaube das ist mein „guilty pleasure“. Ich habe immer ein Buch dabei und wenn mir langweilig ist denk ich: „Fuck it, ich lese.“ (lacht) Immer wenn ich auf Tour gehe, nehme ich um die acht Bücher mit und ich bin jetzt schon beim Dritten. Ich lese einfach alles, auch die Cornflakes Packung, wenn ich kann! (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute weiterhin für die Tour!

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