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The Basement Tapes: Bob Dylan – Highway 61 Revisited

The Basement Tapes: Bob Dylan – Highway 61 Revisited

Was sind die wirklichen Must-Haves in einer guten Plattenkollektion? Welche Alben haben einen derart legendären Status erlangt, sodass ein jeder Musikliebhaber, der etwas auf seine Sammlung hält, sie besitzen sollte? Natürlich sind eindeutige Antworten auf diese Fragen pure Utopie, jedoch beschäftigten sie mich trotzdem.

Obwohl jeder Mensch andere CDs als besonders wichtig erachtet, scheint es dennoch einige Alben zu geben, die aufgrund ihres Erfolgs überdurchschnittlich häufig Einzug in die heimischen CD-Regale finden. Um herauszufinden, welche das sind, habe ich mich auf eine internationale Vinylmesse begeben und die dortigen Plattensammler, -liebhaber und -händler nach den ihrer Meinung nach unverzichtbarsten Werken befragt. Die Ergebnisse gibt es monatlich hier zu lesen.

Folk, Rock und dazwischen: Bob Dylan

Als Rubriktitel habe ich mich für The Basement Tapes entschieden, in Anlehnung an ein 1975 erschienenes, gleichnamiges Album von Bob Dylan und The Band. Mit Bob Dylan wäre sogleich ein Künstler gefunden, dessen Name bei meiner Umfrage oftmals gefallen ist – wenig verwunderlich, bei einem bis heute aktiven Musiker und insgesamt 36 von ihm aufgenommenen Studioalben. Eines davon, das am meisten und häufig als erstes genannt wurde, ist Highway 61 Revisited. Dieses Jahr feierte es nach seiner Ersterscheinung 1965 sein 50-jähriges Jubiläum.

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Der 24-jährigen Amerikaner war zu dieser Zeit bereits an einem ersten Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Er erregte schon mit seinen ersten fünf Alben das Aufsehen der Musikkritiker und der Öffentlichkeit (darunter The Freewheelin‘ Bob Dylan 1963 oder The Times They Are A-Changin‘ 1964). Besonders durch die gemeinsame Tour mit Joan Baez in den 1963er Jahren erlangte Dylan noch höheren Bekanntheitsgrad und schaffte es, viele neue Fans um sich zu scharren. Auch das Vorgängeralbum Bringing It All Back Home erlangte Kultstatus und wurde auch bei meinen Umfragen oft erwähnt. Mit seiner Singer-Songwriter-Manier und den vielfältig interpretierbaren Texten manövrierte Dylan sich schnell an die Spitze des zeitgenössischen Musikolymps.

Dem Ruf als Folkmusiker ging er in Highway 61 Revisited jedoch nicht mehr zur Zufriedenheit aller nach, weshalb das Album zunächst widersprüchlich aufgenommen wurde. Rock’n’Roll-Elemente fanden zunehmend Eingang in seine Musik, weiters wurde mit größeren Besetzungen gearbeitet. Mehr und mehr wich er von rein akustischen Nummern ab. Während einige Dylans Weiterentwicklung in die elektronische Richtung guthießen, erntete er auf der anderen Seite heftige Kritik. Die teilweise Abwendung von der Folkszene stieß bei vielen auf großes Unverständnis. Dylan musste nicht selten Buh-Rufe bei Konzerten über sich ergehen lassen, denn auch auf der Bühne griff er vermehrt zu elektronischer Verstärkung. Immerhin sorgte die zunächst widersprüchliche Aufnahme des Albums schon damals für Diskussionsstoff und es blieb womöglich unter anderem deswegen im Gedächtnis.

„Just Take Everything Down To Highway 61“

(aus dem Songtext zu Highway 61 Revisited)
Der Titel des Albums geht auf den tatsächlich existierenden Highway 61 zurück. Diese große Straße führt an Dylans Geburtsort in Minnesota vorbei gen Süden, zu Städten wie New Orleans oder Memphis. Viele Musiker, die einen besonders prägenden und bleibenden Einfluss auf Dylan verübten, stammen aus diesen Jazz- und Bluesmetropolen jener Zeit.

Angeblich wurden alle Titel binnen weniger als einer Woche im Studio aufgenommen. Besonders der erste Song Like A Rolling Stone erlangte Kultstatus und gilt heute als eine der bedeutendsten und einflussreichsten Nummern überhaupt. Der Track über ein offenbar obdachlos gewordenes Mädchen findet auf rund sechs Minuten Platz – bis dato eine eher unübliche Länge. Die Tendenz zu Stücken, die über den gängigen Maßstab hinausgehen, lässt sich bei den meisten Titeln auf Highway 61 Revisited feststellen, auch bei dem folgenden Tombstone Blues.

 

Das nächste Stück It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry sticht als einzige Ballade heraus und wird dann abgelöst von dem bluesig-rockigen From A Buick 6. Ein weiterer Höhepunkt bildet Ballad Of A Thin Man, bei dem Dylan selbst am Klavier sitzt. Es folgen Queen Jane Approximately, Highway 61 Revisited und Just Like Tom Thumb’s Blues. Das letzte Stück Desolation Row ist mit über elf Minuten das eindeutig längste.

Ein Stück Musikgeschichte

Bei zuletzt genanntem Stück handelt es sich überhaupt um einen akustischen Folksong und auch bei den anderen sind Folkelemente unverkennbar, jedoch verändert Dylan bei Highway 61 Revisited wie oben beschrieben spürbar seinen Stil. Treu bleibt er seinen komplexen Texten, über deren Inhalt bis heute spekuliert wird: Die Frage beispielsweise, wer denn nun tatsächlich Mr. Jones aus Ballad Of A Thin Man sei, beschäftigt Musikfachleute wohl auch noch in Zukunft.

In seinen Lyrics verarbeitet Bob Dylan Persönliches, jedoch auch Gedanken, die ganzen Generationen aus der Seele zu sprechen scheinen. Seine Musik auf und um Highway 61 Revisited herum kann als sprechend für die Umschwünge der 60er Jahre aufgefasst werden. Er verleiht jedem Stück seinen typischen Charakter, besonders auch durch seine unverwechselbare Stimme und seine einzigartige Weise zu Singen. Mit Highway 61 Revisited schuf Dylan ein Stück Musikgeschichte, das neue Maßstäbe setzte und zu den bis heute bedeutendsten Alben aller Zeiten zählt. Dank seinem Mut zu der Hinwendung zur Rockmusik wird er heute als Genie und Visionär der Musik des 20. Jahrhunderts angesehen. Der amerikanische Pionier gilt bis heute als einer der einflussreichsten und prägendsten Musikern der letzten Jahrzehnte.

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