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The Basement Tapes: The Beach Boys – Pet Sounds

The Basement Tapes: The Beach Boys – Pet Sounds

Was sind die wirklichen Must-Haves in einer guten Plattenkollektion? Welche Alben haben einen derart legendären Status erlangt, sodass ein jeder Musikliebhaber, der etwas auf seine Sammlung hält, sie besitzen sollte? Natürlich sind eindeutige Antworten auf diese Fragen pure Utopie, jedoch beschäftigten sie mich trotzdem. Obwohl jeder Mensch andere CDs als besonders wichtig erachtet, scheint es dennoch einige Alben zu geben, die aufgrund ihres Erfolgs überdurchschnittlich häufig Einzug in die heimischen CD-Regale finden. Um herauszufinden, welche das sind, habe ich mich auf eine internationale Vinylmesse begeben und die dortigen Plattensammler, -liebhaber und -händler nach den ihrer Meinung nach unverzichtbarsten Werken befragt. Die Ergebnisse gibt es monatlich hier zu lesen.

Reiten auf der Erfolgswelle

Als die drei Brüder Brian, Dennis und Carl Wilson gemeinsam mit ihrem Cousin Mike Love und ihrem Schulfreund Alan Jardine im Jahre 1961 beschlossen, eine Band zu gründen, hätten sie wohl nie zu träumen gewagt, welch große Ausmaße ihr Projekt innerhalb kürzester Zeit annehmen würde. Bereits 1962 ergatterten sie einen Plattenvertrag bei Capitol Records und legten mit dem gleichjährig erschienenen Surfin‘ Safari ein beeindruckendes Debüt hin. Übertrumpft wurde dieses erste Album von dessen Nachfolger Surfin‘ U.S.A. (1963), das rasch Kultcharakter annahm und auch bei meinen Umfragen nicht unerwähnt blieb. Es folgten zahlreiche Touren und Produktionen innerhalb weniger Jahre (Zwischen 1962 bis 1965 erschienen unglaubliche zehn Alben!), wodurch die Beach Boys im Gespräch blieben, ständig aktuell waren und ihr Erfolg immer weitere Kreise zog. Pet Sounds allerdings sollte alles bisherige in den Schatten stellen. Getrieben von Brian Wilsons Ehrgeiz, ein legendäres Album mit ausschließlich qualitativ hochwertigsten Stücken zu erschaffen, wurde bereits Monate vorher mit der Ausarbeitung des Konzepts und dem Schreiben der Songs begonnen. Vor allem Brian Wilson, der sich vom Tourleben zurückzog um sich vermehrt dem neuen Albumprojekt zu widmen, betätigte sich dabei kompositorisch und griff zu einer vielfältigen, geschickt eingesetzten Instrumentierung. Bestückt mit einigen bis dato eher unüblichen Instrumenten in spannender Kombination, sowie mit der Verwendung außergewöhnlicher Sounds ergibt sich ein innovativer Klang, der als sinngebend für die zweite Hälfte der 1960er steht. Eingängige Melodien, gepaart mit mitreißender Rhythmik werden von vollen Harmonien unterlegt. Gleichzeitig scheint der Einsatz von Mehrstimmigkeit einfach immer genau da zu sein, wo man sich ihn wünscht, und generell sitzt selbst der leiseste Ton an der richtigen Stelle. Tatsächlich sprechen viele Musikfachleute heute von Wilsons Meisterstück als dem allerersten Konzeptalbum überhaupt, und diese bewusst ausgearbeitete Durchgängigkeit ist stetig spürbar. Übrigens wurden die einzelnen Songparts von verschiedensten Musikern im Tonstudio aufgenommen, da sich die verbliebenen Beach Boys gemeinsam mit Bruce Johnston, der die Besetzung vervollständigte, zeitgleich auf Tour befanden.

beach-boys

Wouldn’t It Be Nice…

Bei dem im Jahre 1966 erschienenen Pet Sounds handelt es sich um das bereits elfte Studioalbum der Gruppe. Zu der Frage, wie der Name genau zustande kam, ist wohl jene These am einleuchtendsten und gängigsten, welche den Titel als Ergebnis der verwendeten Sounds ansieht. Zu diesen zählen nämlich auch Tiergeräusche, wie beispielsweise Hundebellen.

Als Eröffnungsnummer findet sich sogleich ein Klassiker auf dem Album: Wouldn’t It Be Nice wird auch heute noch von der Mehrheit begeistert erkannt. Mit You Still Believe In Me folgt ein weiterer Track, der bei meinen Umfragen nicht selten als besonders gelungen hervorgehoben wurde. Das anschließende That’s Not Me wird von dem Lovesong Don’t Talk (Put Your Head On My Shoulder) abgelöst, und spätestens bei I’m Waiting For The Day wird einem der Inhalt des Konzeptalbums bewusst: Es geht um Liebe, verschiedene Facetten von menschlichen Beziehungen und Brian Wilsons persönlichen Emotionen dazu. Nach Let’s Go Away For A While folgt mit Sloop John B. ein nächster Hit, der sich schon damals als wahrer Kassenschlager herausstellte. Und als hätte diese Reihe der Kultsingles gar kein Ende, findet man mit God Only Knows sogleich den nächsten Track, der schon damals die Charts stürmte. Nach I Know There’s An Answer, Here Today und I Just Wasn’t Made For These Times kommt mit Pet Sounds ein Song, der die Wahl des Titels wohl auch maßgeblich mitbestimmte. Die melancholische Ballade Caroline, No bildet schließlich als dreizehnte die letzte Nummer.

Folk -Rock-Pop

Egal, in welchem Genre man das Album nun konkret verorten will – fest steht, dass dem beschwinglichen Sound der Beach Boys auf Pet Sounds eine melancholische Tiefe verliehen wurde. Die Kalifornier haben sich dafür genug Zeit gegeben und vor allem durch Brian Wilsons kompositorisches Engagement ein durchdachtes Konzeptalbum erschaffen, welches als das erste überhaupt angesehen werden kann. Maßgeblich beeinflussten sie die Musik des 20. Jahrhunderts, und wenn man von den musikalischen Größen dieser Zeit spricht, dürfen sie keinesfalls unerwähnt bleiben. Überflüssig zu sagen, dass sich noch heute zahlreiche Musiker von ihren innovativen Stücken inspirieren lassen.

 

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