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Turbobier – Irokesentango

Turbobier – Irokesentango

Die vier Punkrockproleten von Turbobier zelebrieren auf ihrem Debütalum Irokesentango ihren ausgeprägtem Hang zum Alkoholismus in all seiner Gemütlichkeit. Ob ihr Album sonst noch was taugt, lest ihr in unserer Review.

Bei manchen Bands ist der Name einfach Programm. Bei Turbobier (Homepage) kommt Einem wohl gleich alkoholschwangeres Trichtersaufen auf irgendeinem verdreckten Festivalgelände in den Sinn, während die zutätowierten Zeltnachbarn einen mit Punkrockmusik beschallen. Mischt man sich aus all diesen Ingredienzien eine starke Melange, streut anstatt Zucker ein paar verzerrte Gitarrenakkorde mehr, als von Punkern gewohnt, drüber und fertig ist der Irokesentango – aka das Debütalbum des heimischen Punkrockmusikernachwuchs mit Namen Turbobier.

Angefangen hat alles mit ein paar billig produzierten Youtube-Videos die bald Kultstatus genossen und mehrere 10.000 Klicks für sich beanspruchten. Bei Songs wie Bierpartei, Floschnpfond, I hob an Koda braucht man auch nicht lang nach dem tiefer versteckten Sinn suchen – er erschließt sich bereits im Titel.

Turbobier_Irokesentango

Die vier Saufschädeln von Turbobier, bekannt unter ihren Künstlernamen Marco Pogo (Gesang), Fredi Füzpappn (Schlagzeug), Doci Doppler (Gitarre) und Baz Promüü (Bass) lassen keinen Raum für Interpretationen: Es geht um den Älk! Klarerweise nicht ausschließlich, es geht auch um Flaschenpfand und die blöde Polizei, um Fahrscheinkontrolleure, Fußball und ums AMS. A day in the life of a Punkrocker eben.

Die durchwegs witzigen Texte werden von Frontmann Marco Pogo im breitesten Wiener Randbezirk Slang dargebracht, gepaart mit Samples von Edmund Mundl Sackbauer oder Protagonisten von Elisabeth Spiras Alltagsgeschichten. Beim Song I hoss olle Leit darf der Wienerlied Klassiker von Kurt Sowinetz Alle Menschen san ma zwider Pate stehen.

Den größten Coup landeten die Jungs, die davor schon als The Gogets von sich Reden machten, mit ihrer Version von Helene Fischers quälender Schlagerhymne Atemlos, den die Jungs einfach frech in Arbeitslos umtauften und es damit sogar bis in die Bild Zeitung und zu deren wohl treuesten Abonnenten, Dieter Bohlen, schafften. Dieser outete sich in einem RTL Musikformat als textsicherer Turbobier Fan. Was darauf folgte, war ein Plattenvertrag mit Warner Music und Platz 14 in den österreichischen Album Charts, sowie ausverkaufte Shows in Österreich und Bayern.

Turbobier machen dort weiter wo Alkbottle aufgehört haben, ihr Album Irokesentango ist ein Abgesang auf das fröhliche Tachinierertum, auf Saufen und Fußball alles was Punks so Spaß macht. Wer als Bettlektüre Rilke am Nachttisch liegen hat, der wird mit Turbobiers neuer Scheibe allerdings wenig anfangen können. Die Songs sind zwar durchwegs unterhaltsam und gehen auch musikalisch über die im Punkrock üblichen drei Akkorde weit hinaus. Allerdings verliert Irokesentango nach wiederholtem Anhören deutlich an Witz, zu eingeschränkt ist der behandelte Themenkreis, zu vorhersehbar die textlichen Schemata.

Beispielsweise handelt der Song Notstandshilfe wenig überraschend vom Bezug der Notstandshilfe, dargebracht durch folgende Zeilen: Saufen des mocht vü mehr Spass ois oarbeitn zu gehen. I streif die Notstandshüfe ei, und loss des hackeln sei.

Fazit

Nichtsdestotrotz macht Turbobiers Album einfach Spaß und ist eine erfrischende Abwechslung zu den vielfach bitterernsten Songs der Anderen. Es tut ganz gut mal wieder eine Scheibe zu hören, die die Indiepolizei unter Garantie nicht durchgewunken hätte. Ein Werk voll Prolosie wie die Band selbstironisch anmerkt, und mit der wunderschön gesungenen tiefwienerischen Sprachmelodie auf jeden Fall hörenswert. Für die Fans von Rainer Maria Rilke vielleicht dennoch nicht das Richtige, es sei denn sie haben die offizielle Turbobier-App auf ihrem Telefon installiert. Worum’s da drin geht? Überraschenderweise um Bier.

Turbobier – Irokesentango

Für Fans von: Die Kassierer, Alkbottle, The Gogets
Label/Vertrieb – Downbeat Records (Warner)
VÖ: 12.06.2015
Gesehen um €15,99

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Luis Pasching
äähm, mir ist grad ein bisi schlecht
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