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Walter Variu: „Bands, redet nicht um den heißen Brei herum!“

Walter Variu: „Bands, redet nicht um den heißen Brei herum!“

Walter Variu ist aufstrebender „Newcomer“-Veranstalter, der eigentlich gar nicht so neu im Business ist: Sein „Metalnight Outbreak“ findet heuer zum dritten Jahr statt. Womit er sich als Jungveranstalter so rumplagt, warum er nicht Ferrari fährt und Schampus trinkt und was so passieren kann, wenn man als Veranstalter selbst auf der Bühne steht, hat er uns im Interview verraten.

Hi Walter! Zunächst mal; wie bist du auf die Idee gekommen, selbst Veranstaltungen zu organisieren?
Walter: Puh, das ist ’ne gute Frage. Grundsätzlich war ich schon immer so ein Typ, der gemeint hat, dass es mehr Metal und Rock Veranstaltungen geben sollte. Irgendwann hab ich mir meinen ganzen Mut und mein ganzes Erspartes genommen und hab es riskiert, was ich bis heute nicht bereue.

Was erwartet uns zum dritten Jahrestag deiner Veranstaltung „Metalnight Outbreak“? Auf welche Bands darf man gespannt sein?
Walter:
Heuer machen wir es ganz spannend, weil wir zwei Bühnen haben. Die Besucher können entscheiden, was sie sich anschauen möchten – so gibt es mehr Auswahl! Meiner Meinung nach kann man auf alle Bands gespannt sein, weil ich grundsätzlich fast jede Band kenne und weiß, dass sie alles auf der Bühne geben. Deswegen hab ich sie ja auch ausgesucht! Ganz interessant wird die Hauptbühne, da haben wir zwei Bands, die lange nicht mehr gespielt haben: Die frischgebackenen Massacred Records-Newcomer Crossing Edge und die bekannten Guideline. Natürlich darf man We Blame the Empire und Die Cut nicht unterschätzen, die können richtig einheizen. Und als Zuckerl obendrauf gibt’s die allbekannten All Faces Down, die gerade ihr Comeback richtig feiern!

Was ist dir bei deinen Veranstaltungen denn wichtig?
Walter:
Mir ist wichtig, das alle Acts, Besucher und Helfer Spaß haben, und dass die Veranstaltung Qualität zeigt, weil dennoch sehr viel Arbeit dahinter steckt. Natürlich ist mir auch wichtig, dass ich nicht ins Minus komme – wäre ja doof für mich! (lacht)

Worauf achtest du bei der Auswahl der Bands?
Walter: Die Auswahl ist immer das Schwierigste, weil wir so viele Bewerbungen haben. Ich würde am liebsten alle spielen lassen! Aber da das nicht möglich ist, achte ich meistens darauf, dass Gruppen aus der Region dabei sind – aber auch Bands von Außerhalb… Es kommt eigentlich immer auf die Bewerbungen drauf an! Natürlich gebe ich auch Acts die Chance, die gerade erst angefangen haben, weil jeder Musiker weiß, wie schwer es am Anfang ist!

Welche Tipps hast du für Bands, die sich um Auftritte bewerben? Wie redet man (oder besser nicht) mit einem Veranstalter?
Walter: Das ist eine sehr gute Frage! Da ich selber Veranstalter bin, aber auch in zwei Bands spiele (Anm. Iconoclast und Crossing Edge) und als Booker arbeite, habe ich gemerkt, dass man nicht viel um den heißen Brei reden sollte! Als Bewerbung einfach eine Mail schreiben mit Name, Herkunft, Beispieltracks und den größten Gigs genügt – und dabei den Veranstalter überzeugen, dass man unbedingt spielen will! Wovon ich jedem Musiker abrate, ist Hochnäsigkeit! Wenn eine Band einfach glaubt, sie steht über allem drüber und hat viele Ansprüche, dann kann das jede Gruppe zerstören, egal, wie gut sie ist! Bleibt einfach freundlich! (lächelt)

metalnight-outbreak-walter-variu-vorchdorf

Du veranstaltest in Wien und in Oberösterreich – gibt es einen regionalen Unterschied? Wo ist es leichter, als Veranstalter Fuß zu fassen?
Walter: Beide Regionen sind schwer, da die Szene natürlich mit viele guten Musiker bestückt ist, aber die Besucherzahlen minimal sind. Ab und zu kommen recht viele und unterstützen ihre Band, aber oft kann es auch passieren, dass niemand kommt. Gott sei Dank ist mir das noch nicht passiert!

Bands haben manchmal dieses Bild vom Veranstalter, der auf ihre Kosten Kohle scheffelt und dafür nicht mehr tut, als eine Facebook-Veranstaltung anzulegen, um dann mit Tausenden Euros nach Hause zu gehen. Wie siehst du das?
Walter:
(lacht) Ja genau so ist es, wir leben in unsere Villas, trinken jeden Tag Sekt und leben wie König! Quatsch, war nur Spaß! Viele Bands wissen einfach nicht, wie viel Arbeit dahinter steckt. Wenn ich mal so nachdenke, arbeite ich jeden Tag an meinen Veranstaltungen oder an neuen Ideen. Es ist sehr zeitaufwendig und mit viel Stress verbunden, da freuen wir uns meistens, wenn die Veranstaltung und das Zittern vorbei sind! Heutzutage verdient man auf so kleineren Festivals oder Veranstaltung auch nicht mehr viel.. Ich achte immer darauf, dass das ganze Geld, das reinkommt auch wieder ausgegeben wird für bessere Technik, Lichter, Securities oder auch ein besseres Catering! Es ist wichtig, die Veranstaltung zu fördern, sie größer zu machen – das kostet halt sehr viel Geld! So gesehen arbeiten manche Veranstalter umsonst…

Wenn du an Veranstaltungen denkst, die du selbst besucht hast – welche ist dir am intensivsten im Gedächtnis geblieben? Und warum?
Walter:
Das Wurmfestival, weil es so lustig war mit so vielen Bands. Man hat sich immer aussuchen können, wo man hinwollte – wobei ich immer bei der Metal Bühne geblieben bin. Das Wurmfestival war für mich so ein Einschlag für die Idee „Metalnight Outbreak“. (grinst)

Was war dein lustigstes Erlebnis bei einer deiner eigenen Veranstaltungen?
Walter: Das war, als ich selber auf der Bühne stand und kurz vergessen hatte, dass ich das Event veranstalte und mich also brav beim Veranstalter bedankt habe. Das war glaub ich das lustigste und peinlichste Erlebnis, das ich je hatte! (lacht)

Welche Tipps hast du für Jungveranstalter, die ihre ersten Konzerte organisieren?
Walter: Kurz und bündig: Nicht übertreiben, klein anfangen mit kleinen Underground-Bands und einer kleinen Location, die nicht viel kostet. Denn wenn man es übertreibt und gleich was Großes macht, kann es auch schief gehen und schon ist man sehr stark im Minus!

Und zuletzt; deine Antwort auf die Frage: „Gibt’s Gästeliste?“
Walter:
(lacht) Es gibt eine Gästeliste für Corey Taylor, James Hatfield und Obama! Nee, quatsch, grundsätzlich gibt’s bei uns keine Gästeliste.

Alles klar! Vielen Dank für das Gespräch, Walter!

Wer nun Lust bekommen hat, sich das Werk von Walter und seinem Team anzusehen, der hat am 17. Oktober in der Kitzmantelfabrik in Vorchdorf und am 24.Oktober im Wiener Viper Room die Chance dazu.

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