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Alicia Edelweiss – Mother, How Could You

Alicia Edelweiss – Mother, How Could You

Manchmal stößt man auf Platten, die schlichtweg medioker sind. Manchmal stolpert man aber auch über Platten, die Ohrenkrebs verursachen. Und manchmal stößt man auf Mother, How Could You von Alicia Edelweiss. Die 23-Jährige ist eines dieser Mädchen, die immer viel cooler und freakiger waren als du. Eine von der Sorte, die du nie wirklich verstanden hast, aber ihr immer brav zugenickt hast. Alicia ist der Underdog, der dich zu verrückten Taten überredet hat und du nur zugestimmt hast, weil du so cool sein wolltest wie sie. Nun bringt sie ihr Debütalbum Mother, How Could You heraus. Kleiner Spoiler vorweg: Auch das ist cooler, als jedes Debütalbum, das du jemals herausbringen wirst.

Anti-Folk & Prostitution

Alicia nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Und wenn, dann hätte sie es davor sicherlich in Chloroform getunkt. Sie singt von dreckigen Hobos, von der Zeit als sie in Portugal als Prostituierte arbeitete oder über ihr eigenes Ego, das täglich die eigene Pisse trinkt. Der Humor kommt dabei nie zu kurz und bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen witzig und absurd. Wäre Mother, How Could You ein Film, wäre es vermutlich die neuseeländische Weirdo-Rom-Com Eagle Vs. Shark. Entweder man mag es, oder eben nicht.

This Song is for you, my dear Ego. You Piece of Shit!

Alicia Edelweiss – Mother, How Could You

Musikalisch bewegt sie sich im Anti-Folk Universum, das ja vor allem durch einen enorm großen Spielraum zur Selbstinterpretation geprägt ist. Alicia Edelweiss ist die österreichische Antwort auf Kimya Dawson, nur dreckiger und selbstbewusster. Alicia Edelweiss erfindet ihre eigene Welt, in der Soko zum Tee vorbeikommen würde. In der sie Regina Spektor dazu überreden würde, ab und zu mal einen falschen Akkord einzubauen.

Alicia Edelweiss ist die österreichische Antwort auf Alicia Edelweiss. Eine 23-jährige Hippiegöre, die dir ihre CD schenken würde, bevor du sie noch einmal Kimya Dawson nennst.

You can make so many people happy at the same time. And I’m not talking about the good old Gangbang.

Alicia Edelweiss spielt keine Konzerte. Sie gibt Performance Art Veranstaltungen, in denen sie sich in verschiedenen Kostümen durch verschiedenste Instrumente kämpft. Denn Mother, How Could You ist mehr ein Theaterstück als ein Konzeptalbum. Tatsächlich ist sie viel herumgereist, hat auf der Straße musiziert und in Portugal ihre erste EP aufgenommen. Wie viel Non-Fiction in Mother, How Could You steckt, bleibt der eigenen Interpretation überlassen.

Ihre Ziehharmonika schmückt der Schriftzug „Komplett im Arsch“. Ihr Gitarrenspiel ist verspielt. Das Klavier rotzig, kindisch. Ab und an verirren sich auch elektronische Elemente in ihre Musik. Einen Platz für gewollte, übertriebene Perfektion gibt es auf Mother, How Could You nicht. Auch wenn das Werk an sich schon wieder so perfekt inszeniert wirkt. Die CD kommt nämlich im selbst entworfenen Cover und einem von Alicia kreierten Booklet mit Liedertexten und Schwarz-Weiß Malereien.

I used to suck cock, 25 hours a day.

Fazit

Mehr als „hört euch Mother, How Could You doch bitte selbst an“ bleibt nicht zu sagen. Alles andere wäre schlichtweg verantwortungslos. Alicia Edelweiss feiert den Release von Mother, How Could You diese Woche Sonntag, 24.04.2016, im Wiener Chelsea. Hier nicht hinzukommen wäre abermals schlichtweg verantwortungslos. Diese Empfehlung kommt vom Herzen. So wie Mother, How Could You.

Alicia Edelweiss – Mother, How Could You

Für Fans von: Kimya Dawson, Soko, The Moldy Peaches
Glowing Records
VÖ: 24.04.2016
Download via Bandcamp
10 von 10 Punkte

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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