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AnnenMayKantereit im Interview

AnnenMayKantereit im Interview

AnnenMayKantereit, das sind Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit und seit 2014 auch Malte Huck. Man könnte sie als hippe Newcomer der deutschsprachigen Musikszene bezeichnen, doch dafür sind sie viel zu lässig und normal. Die vier Jungs haben inzwischen eine steile Karriere hingelegt. Von den Anfängen, mit Musik Macherei auf den Straßen Kölns über Parkplatzkonzerte auf Festivals, einer Tour mit Clueso, Co-Works mit Milky Chance und K.I.Z bis zu einer fast ausgebuchten eigenen Tour 2016. All das hat ihre Lieder so bekannt werden lassen, dass sie nun ihr erstes Album Alles Nix Konkretes erschienen ist.

Ihre Lieder erzählen von Situationen, mit denen vor allem junge Menschen sich ständig konfrontiert sehen, verpackt in der melancholisch und rauchig klingenden Stimme Henning Mays. Wir von enemy.at haben sie an ihrem Promotag in dem Café der Burggasse24 getroffen und konnten mit ihnen über ihre Tour und warum ihr Debütalbum eher Album als Debüt ist, plaudern.

Hallo ihr vier, freut mich, dass ich mit euch ein bisschen quatschen kann. Wie gehts euch denn so? Was macht ihr gerade in Wien?
Severin: Wir sitzen heute eigentlich schon seit 11 Uhr in dem Café und geben Interviews. Heute morgen waren wir auch schon bei FM4 zu hören.

Am 30. März beginnt eure fast schon wieder ausverkaufte Tour durch alle deutschsprachigen Länder. Seid ihr schon aufgeregt? Wie ist es so fünf Monate aus dem Koffer zu leben?
Christopher: Ach, da gewöhnt man sich schon irgendwie dran und man weiß, was alles in den Koffer gehört. Eigentlich waren wir ja die letzen beiden Jahre mehr unterwegs als Zuhause. Aber nach Hause zu kommen ist dann doch immer wieder ein schönes Gefühl.
Henning: Ja, als ob du wüsstest, was in den Koffer gehört, Chrissi. (alle lachen)
Severin: Chrissi vergisst manchmal ganz gerne Sachen, wie heute seine Gitarre! Die letzten drei Monate haben wir aber kaum Konzerte gespielt und jetzt werden wir alle wieder hibbelig und wollen unser neues Album spielen, welches am 18. März rauskommt.

Genau, am 18. März erscheint euer Album. Ich hab da schon mal reingehört. Uns erwarten drei neue Lieder, nicht wahr?
Christopher: Ja genau, Das Krokodil, Neues Zimmer und Länger bleiben sind jetzt noch nicht so alt und wurden auch noch nicht veröffentlicht. Drei waren schon auf der EP und vier auf der ersten Demo CD.
Severin: Das ist auch eher unsere Herangehensweise Lieder zu machen. Wir spielen die Lieder zuerst viel live, sodass die Leute sie von den Konzerten schon kennen. So wie wir die Lieder im Studio auch nur live einspielen, also gleichzeitig wie auf der Bühne mit Mikros überall. Uns wurde dann irgendwann klar, dass wir all die Lieder jetzt auf ein Album packen wollen.

Ich dachte, viele Lieder wurden im Freien aufgenommen und nicht im Studio?
Severin: Das stimmt, viele davon sind draußen aufgenommen. Das Krokodil ist aber im Studio aufgenommen worden, das haben wir aber auch erst einmal davor gespielt.

 

Das Krokodil hat mir sehr gut gefallen. Das geht ja im Grunde um den Ablauf auf Tour, mit Regeln und Erklärungen vor Ort. Find ich mal ’ne gute Überlegung darüber ein Lied zu schreiben.
Severin: (lacht) Ja ist ja auch gerade ein aktuelles Thema. Wenn man jetzt nicht im Musikbusiness ist, weiß man ja nicht, wie die Bands reisen oder wie das ist auf Tour zu sein.
Henning: Das ist für uns eigentlich ’ne Widmung an all die Leute, mit denen wir auf Tour gehen, wie z.B. unseren Ton- und Lichttechniker, damit sie wissen, wie wichtig sie für uns sind. Wir schreiben ja viel über Dinge, die wir erleben und da wir gerade sehr viel auf Tour sind, musste da auch mal ein Lied drüber geschrieben werden.

Das Krokodil raucht sehr viel. Ist das vielleicht eine Analogie zu dir selber und deiner markanten, rauchigen Stimme?
Henning: (lacht) Ach, darauf sind wir noch gar nicht gekommen. Aber mit mir und meiner Stimme hat das nichts zu tun. Es ist eigentlich ’ne ganz simple Geschichte und hat was mit dem Kinderspiel „Mein rechter, rechter Platz ist leer“ zu tun: Als wir einmal mit unserem Tontechniker Andi in der Hamburger U-Bahn saßen, hatte sich Chrissi eben den Andi herbeigewünscht. Der robbte dann als Krokodil durch die U-Bahn und seitdem heißt er oft das Krokodil. Irgendwann wurde das dann zu einem Insider und unser ganzes Team nannte sich das Krokodil. Ja und Andi raucht eben manchmal zu viel. Wir spaßen darüber immer ein bisschen und so hat sich das irgendwie super angeboten, darüber mal ein Song zu schreiben.

Also jedes eurer Lieder hat einen persönlichen Hintergrund?
Henning: Ja, immer.

Schreibt ihr eure Songs zusammen oder übernimmt das doch meistens Henning?
Henning: Ich würde sagen uns ist es wichtig, dass es uns allen gefällt. Da ist es egal, ob sich das der eine oder der andere jetzt ausgedacht hat.
Severin: Im Grunde wollen wir das ja alle miteinander teilen und es sollte sich jeder mit dem Inhalt identifizieren können. Da wir ja auch sehr gut befreundet sind, ist es außerdem sehr schön vorne zu stehen und ungefähr zu wissen, was emotional in den Köpfen von Chrissi oder Malte so abgeht.

Ihr legt zurzeit eine steile Karriere hin. Fast alle Zeitungen berichten über euch, ihr seid die Headliner auf vielen Festivals, habt eine fünfmonatige Tour vor euch und habt dabei gar nicht so wirklich die klassische Newcomerphase hingelegt, wie mit einem Album, auf dem alles aufgebaut hat. Wie habt ihr das gemacht?
Henning: Wir haben alleine letztes Jahr über 120 Konzerte gespielt. Wir haben uns wirklich den Arsch abgetourt, sodass es unserer Ansicht nach gar nichts so Plötzliches ist. Seit zwei Jahren arbeiten wir darauf hin, dass wir ein Album machen können und dass uns genug Leute kennen, die das auch kaufen würden.
Severin: Wir hatten diese Newcomerphase eigentlich schon echt lange. Wir haben auf den Campingplätzen von Festivals gespielt, weil wir keinen Slot bekommen haben und ja das stimmt, das war so gesehen nicht an ein Album gekoppelt. Das hat sich dann bei uns einfach verschoben. Fanbase und dann Album.

AnnenMayKantereit_Alles Nix Konkretes_Cover

„Alles Nix Konkretes“ Albumcover

 

Ihr seid ja erst seit Kurzem bei Universal Music unter Vertrag. Wer waren denn besonders wichtige Personen für euch in der Zeit ohne Label? Menschen, die euch unterstützt und euch geholfen haben dort hinzukommen, wo ihr jetzt seid?
Christopher: Also eine Schlüsselperson ist Carlo, unser Manager. Seit der dabei ist, ist da schon deutlich mehr Struktur drin. (lacht) Aber auch Bandfreundschaften wie zum Beispiel Bilderbuch.
Henning: Wir haben Martin, der alle Youtube-Videos gemacht hat. Wir haben Carlo, der zuerst unser Booker war und jetzt unser Manager ist. Dann gibt es Moses, unseren Produzenten, aber auch z.B. Andi unser Tontechniker, der nicht nur für den Sound auf der Bühne zuständig ist, sondern der uns auch menschlich echt gut getan hat.
Severin:  Aber auch unsere WG (Henning und Severin wohnen mit alten Schulfreunden zusammen, Anm.). Ich brauch das, nach Hause zu kommen und einfach jemanden zum Zuhören zu haben. Die hören sich das dann auch gerne an, aber nach ’ner halben Stunde ist das Thema abgehackt und ich bin der ganz normale Typ, der mit PlayStation spielt.

Nach der Zusammenarbeit mit Milky Chance, den Beatsteaks und K.I.Z, wer wäre denn ein Wunschkandidat, mit dem es euch Spaß machen würde, etwas aufzunehmen?
Henning: Beyoncé. (alle lachen) Nein, realistisch gesehen Alabama Shakes.

Habt ihr gerade Anfragen und könnt vielleicht schon etwas verraten?
Severin: Naja, es gibt immer Anfragen, z.B Julia, die 16 ist und anfragt, ob wir nicht für ihre Freundin ein Lied zusammen machen können. (alle lachen) Ne, es gibt schon ernste Anfragen, aber die haben wir abgelehnt.
Henning: Bilderbuch wäre was, was ich mir gut vorstellen kann. Die kennen wir jetzt auch schon relativ lange von Festivals, das sind einfach echt korrekte Jungs.

Was würdet ihr denn jetzt wahrscheinlich machen, wenn das mit der Musik nicht alles so rund gelaufen wäre?
Henning: Lehrer wahrscheinlich.
Christopher: Musik studieren und Musik unterrichten.
Malte: Musikjournalismus hätte ich sehr gut gefunden.
Henning: Ich denke jeder von uns hat Versuche unternommen eine Perspektive zu schaffen, die nicht auf der Musik aufbaut, aber wir sind da alle recht schnell dran gescheitert. Wir haben auch ziemlich schnell gemerkt, dass „Irgendwas“ zu studieren ’ne Scheißidee ist und da wir uns, auch aufgrund unseres Numerus clausus, nicht in die Studiengänge hätten einschreiben können, die wir gerne gemacht hätten, war das relativ schnell klar. Und ich glaube auch, dass wir ohne die Aufmerksamkeit, die wir gerade genießen doch alle weiter Musik machen würden.

Wo seht ihr euch in 10 Jahren? Eher im Altbau und Stadt oder Haus und raus aufs Land?
Malte: Erst mal in der Stadt wohnen bleiben und Musik weiter machen.
Christopher: Landhaus, 15 Hunde – eine Huskyfarm aufziehen vielleicht.
Severin: Ich glaub ,wir haben alle Bock Musik zu machen und mal abzuwarten. Den Job hab ich ja jetzt schon längerfristig angesetzt oder wie ist das mit euch? Hab ich das jetzt falsch geplant? (alle lachen)

Vielen Dank euch vier für das lustige Gespräch und weiterhin viel Erfolg! Wir sind gespannt auf viel Neues von euch!

Photo: enemy.at-Redakteurin Carolin Dithenhof mit AnnenMayKantereit
(c) Aylin Izci
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