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Aragami im Test

Aragami im Test

Du bist Aragami. Eine Kreatur der Schatten. Ein Attentäter, welcher geschaffen wurde um zu retten – und zu töten. Das Schicksal eines ganzen Reiches liegt in deinen Händen. Es bleibt dir jedoch nur eine Nacht um dich in diesem Stealth-Abenteuer ans Ziel zu schleichen oder zu morden. Wie gelungen der Weg ans Ziel ist, zeigt unser Test.

Eine Nacht – Eine Mission

Das Spiel beginnt mit der Existenz seines Titelhelden Aragami. Es ist eine Projektion der jungen Yamiko, welche dafür verantwortlich ist. Projektion deshalb, da die Dame selbst sich in Gefangenschaft befindet. Die Truppen des Lichts haben ihre Heimat überlaufen. Nun ist es an Aragami sie zu befreien, doch bleibt ihm hierfür nicht viel Zeit. Da er eine Geschöpf der Schatten und Dunkelheit ist, droht seine Existenz beim ersten Sonnenschein zu enden. Es bleibt also nur eine Nacht um seine Mission zu beenden. Nur eine Nacht um vielleicht auch mehr darüber zu erfahren wer er ist – oder in einem vergangenen Leben war.

Ungleiche Partner: Yamiko steht Aragami auf seinem Weg mit Rat zur Seite, obwohl sie selbst es ist, die gerettet werden soll.

Ungleiche Partner: Yamiko steht Aragami auf seinem Weg mit Rat zur Seite, obwohl sie selbst es ist, die gerettet werden soll.

Die Prämisse von Aragami ist eben so simpel wie gelungen. Ein mysteriöser Hauptcharakter, dessen Geschichte sich nur langsam offenbart und eine sympathische Nebenfigur, deren Geschichte selbst noch voller Ungewissheiten steckt. Eine klare Bedrohung, die es zu überwinden gilt. Narrativer Zeitdruck, der die Spannung erhöht. Eine enge Verwebung von Plot- und Gameplayaspekten. Aragami zeigt, dass die Handlung eines Spieles nicht immer komplex sein muss. Es reicht wenn sie effektiv vermittelt und gut in das Spielgeschehen eingebettet wird. Aragamis Dasein als Schattenwesen ist hierbei die Basis von Story und Gameplay gleichermaßen, was für ein stimmigeres und äußerst unterhaltsames Ganzes sorgt.

Schleichend kommt der Tod

Aragami ist purer, unverfälschter Stealth. In einer Zeit, in der Schleichen meist zu einer oft interessanten aber meist unnötig mühsamen Alternative zu wildem Rumballern verkommen ist, wandelt Aragami auf den Spuren von Titeln wie Tenchu. Sich schleichend durch die Level zu bewegen ist nicht nur eine Option. Es ist die einzige Möglichkeit. Unterstrichen wird der Fokus von der überwältigenden Macht der Gegner: Wird man entdeckt, ist es nur schwer einem Angriff zu entgehen und schon der erste Treffer heißt Game Over und neu laden. Wer hier wild auf den Feind zuläuft, wird schnell sein jähes Ende finden. Will man einen Feind töten, sollte man also Stealth Kills anwenden, aber Obacht ist geboten – denn sollten andere Wachen die Leiche entdecken, wird sofort Alarm ausgelöst.

Dein Freund, die Dunkelheit: In Schatten wird Aragami praktisch unsichtbar für seine Feinde.

Dein Freund, die Dunkelheit: In Schatten wird Aragami praktisch unsichtbar für seine Feinde.

Um den Feinden Herr zu werden, ist unser Titelheld jedoch auch mit einigen Fähigkeiten gesegnet. Am wichtigsten – und nützlichsten – ist die Möglichkeit sich in die dunkelsten Stellen der Umgebung zu teleportieren. Nicht nur darf kein Licht sie berühren, nein, es muss sich noch ein Schatten über die vom Mondlicht ohnehin kaum erleuchteten Stellen legen. Diese Fähigkeit erlaubt nicht nur erfolgreiches Schleichen, sondern auch die Überwindung einiger Hindernisse. Noch mächtiger erscheint diese Taktik wenn man sich vor Augen führt, dass Aragami auch selbst Schatten erzeugen kann. Zu leicht soll das Spiel jedoch nicht werden und so verbrauchen all diese Spezialmanöver Schattenenergie. Bleibt man in der Dunkelheit, lädt sich diese kontinuierlich auf. Stolpert man auf seinem Weg jedoch über eine Lichtquelle ist man nicht nur leicht zu entdecken, sondern verliert auch noch die nötige Energie um sich in Sicherheit zu befördern. Ein simples System, man muss nur die nötige Geduld aufbringen und sich daran halten.

Konzentrierte Vielfalt

Der Fokus den das Spiel auf das Schleichen legt und die bewusste Einschränkung der Arten wie man vorgehen kann, mag für eine schnell langweilende Angelegenheit sprechen. Dem ist aber nicht so. Ja, man muss schleichen, doch gibt es in jedem Areal unterschiedlichste Wege um das Ziel zu erreichen. Man kann dabei die Gegnerhorden ausrotten oder sie alle umgehen. Im weiteren Verlauf erhält man schließlich neue Fähigkeiten und Items die man taktisch für sich einsetzen kann. So kann eine Glocke Feinde herbeilocken, perfekt um Fallen zu stellen. Auf der anderen Seite kann man die im Spiel angesammelten Skillpunkte etwa in die Fähigkeit, Leichen getöteter Wachen verschwinden zu lassen, investieren. Unterschiedlich aufgebaute Zonen (in Gebäuden, im Freien, über mehrere Ebenen hinweg) leisten ebenfalls ihren Beitrag um unterschiedliche Anforderungen an Aragami zu stellen. Wenn dann schließlich auch neue Gegnertypen eingeführt werden ist eines klar: Ja. Aragami ist ein Spiel, welches sich ganz dem Stealth verschreibt. Ja, es ist ein Spiel, welches auf dem Papier sehr festgefahren in seinen Mustern ist. In der Praxis schöpft es die Möglichkeiten seiner Nische jedoch aus. Immer mehr Spiele sind vollgestopft mit Optionen, wobei jedes Gameplayelement jedoch nur flüchtig angerissen wird. Man hat fast schon vergessen wie es aussieht, wenn ein Titel sich ein simples Ziel setzt und dann alle Register zieht. Aragami erinnert einen daran. Es zeigt die Stärken fokussierten Gamedesigns. Natürlich, manchmal will man einfach ein üppiges All-You-Can-Eat Buffet. An anderen Tagen sehnt man sich jedoch nach einem saftigen, gekonnt zubereitetem Steak. Für Fans von Stealth ist Aragami genau das.

Feuer und andere Lichtquellen gilt es unter allen Umständen zu vermeiden.

Feuer und andere Lichtquellen gilt es unter allen Umständen zu vermeiden.

Hart aber fair

Action-Adventures deren Schwerpunkt auf Stealth liegt haben gerne die Tendenz besonders schwierig zu sein. Oft ist dies dann auch der Grund weshalb auf wildes Rumgeballer ausgewichen werden muss. Da letztere Option hier fehlt, möchte man meinen Aragami ist ein extrem fordernder Titel. Tatsächlich ist der Schwierigkeitsgrad jedoch sehr ausgewogen und man kann das Spiel sogar als einsteigerfreundlich bezeichnen. Es nimmt sich die Zeit die Spieler langsam an seine Mechaniken zu gewöhnen. Schwierigere Feinde, wie etwa Bogenschützen deren Pfeile gleichzeitig als Lichtquellen fungieren und somit eine Gefahr darstellen selbst wenn sie Aragami nicht treffen, werden erst nach mehreren Kapiteln eingeführt. Es ist eine stetige Steigerung des Schwierigkeitsgrades, die man kaum bemerkt, da man gemeinsam mit dem Spiel mitwächst. Die Level werden härter – aber man selbst wird besser.

Wohlgemerkt, es ist kein Kinderspiel sich durch die einzelnen Areale zu arbeiten und wer hetzt verliert. Wenn man jedoch die Regeln des Spieles lernt und die Möglichkeiten nutzt die einem gegeben sind, kann man es recht rasch durch ein Level schaffen. Es ist wahrscheinlich, dass man auf dem Weg mehrmals stirbt und eine Sektion ständig wiederholen muss, aber das ist in Ordnung. Die Ladezeiten sind kurz und das Checkpointsystem ist sehr gerecht. Man ärgert sich nicht über verlorenen Fortschritt, sondern bloß über die Fehler die man gemacht hat. Und die hat man gemacht. Bei Aragami hängen Sieg oder Niederlage gänzlich von den eigenen Fähigkeiten ab. So wie es auch sein sollte.

Schlichte Schönheit

Aragami ist kein Spiel mit einem gewaltigen Budget. Es ist ein kleiner Titel von einem kleinen Studio zu einem dementsprechend auch geringeren Preis. Unter diesen Bedingungen darf keiner erwarten hier ein opulentes Effektfeuerwerk zu sehen. In seiner Schlichtheit, hat Aragami sich jedoch eine visuell sehr ansprechende Nische gefunden. Die Entwickler haben eine Welt erschaffen, die gar keine bessere Grafik braucht. Tatsächlich würden mehr Details im Gras oder an Gebäuden die Stimmung sogar stören. Zwar geht Aragami nicht ganz so weit wie etwa ein Okami, aber die Richtung ist eine ähnliche. Präsentiert wird keine reale Welt. Stattdessen darf man in ein Bild eintauchen. Die Musik ist nicht ganz so angenehm überraschend. Man kann sie nicht als schlecht oder deplatziert bezeichnen, es fehlt jedoch auch ein bleibender Eindruck. Sie ist ruhig in ruhigen Moment, wird lauter, treibender sobald die Feinde Alarm schlagen. Es funktioniert und erfüllt seinen Zweck, es wird einem jedoch keine der Melodien im Gedächtnis bleiben.

Aragamis Grafik wird keine Preise einheimsen, punktet jedoch mit sehr schönen Designs.

Aragamis Grafik wird keine Preise einheimsen, punktet jedoch mit sehr schönen Designs.

Fazit

Aragami ist der Beweis, dass es manchmal am besten ist, sich ein Konzept zu erstellen und an dieses zu halten. Die Entwickler sind hier zu keiner Sekunde von ihrer Absicht, ein gutes Stealthgame zu schaffen, abgewichen und das Ergebnis lässt sich sehen. Es ist, trotz verschiedener Optionen die Level zu durchschreiten, ein geradliniger Titel. Man bekommt ein neues Ziel. Man erreicht es. Man hat das nächste Ziel. Abwechslung kommt in Form neuer Areale, Fähigkeiten und Feinde, seinem Grundprinzip bleibt das Spiel jedoch treu. Gut so – denn es ist umso besser dafür. Wieso sich mit ganz netten Stealth-Elementen in einem größeren Spiel zufriedengeben, wenn man stattdessen ein weniger umfangreiches, in diesem einen Punkt aber absolut exzellentes Spiel haben kann? Wer gerne schleicht, sollte eher hier zugreifen als sich bei der vielseitigeren Konkurrenz zu bedienen. Man wird es nicht bereuen.

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Release Date: 04.10.2016
Plattform: PS4, PC
Genre: Stealth-Action
Publisher: Headup Games
Entwickler: Lince Works
PEGI: 16

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