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Band des Monats April – Thorsteinn Einarsson

Band des Monats April – Thorsteinn Einarsson

Unsere Band des Monats kennt man vor allem durch die Teilnahme bei einer Castingshow. Ist dieser Satz erst mal gefallen, folgt danach meist die immer gleiche Geschichte: Hat gewonnen, oder auch nicht, war super beliebt, hat Plattenvertrag bekommen und gleich ein Album veröffentlicht, ist auf Tour, feiert einen Erfolg nach dem anderen. Bei Thorsteinn Einarsson trifft diese alte Leier aber eben nicht zu. Ja, er war bei Die große Chance dabei und ja, seine Single Leya schoss danach ein wenig durch die Decke. Immerhin kletterte sie bis auf Platz 7 der Singlecharts und blieb einem wochenlang im Ohr. Dann wurde er als „Songwriter des Jahres“ bei den Amadeus Awards ausgezeichnet. Und dann? Dann wurde es relativ still um ihn.

Mehr: Amadeus Awards – Nominierungen 2016

Anstatt auf der Erfolgswelle zu surfen und sofort ein Album auf den Markt zu bringen, um möglichst viel des Hypes mitzunehmen, zog Thorsteinn Einarsson sich zurück und ließ sich Zeit damit. Gut Ding will Weile haben. Das Ergebnis mit dem Namen 1; erscheint diesen Monat, am 22.04. Und vorab sei gesagt: klingt geil!

Um sein Debütalbum gebührend zu feiern, ist er also unsere „Band“ des Monats. Am Telefon erzählte er uns unter anderem ein paar Dinge über den Aufnahmeprozess der CD, was er von den Spezialitäten seiner Heimat Island hält und wie nerdig er ist.

Thorsteinn Einarsson – das Interview

Hallo Thorsteinn! Nach deiner Teilnahme bei Die Große Chance war es jetzt knapp ein Jahr lang still um dich. Hat dir das Rampenlicht gefehlt?
Thorsteinn: Nein, ich fand’s eigentlich gut. Ich wollte ein bisschen weggehen von dem Image einer typischen Castingshow. Deswegen hab ich mich ein bisschen zurückgezogen ins Studio und wollte neue Musik machen und trotzdem die Richtung von Leya und Aurora behalten, weil die gut angekommen ist.

War es eine Herausforderung, die neuen Tracks an den alten Sound anzupassen, damit 1; homogen klingt oder hat sich das natürlich ergeben?
Thorsteinn: Nein, nein. Das war immer schon meine Art von Musik, das war nie schwer. Es hat einfach Zeit gedauert, ich musste für mich auch selber rausfinden: Was für ein Künstler bin ich? Das dauert halt ein bissl Zeit, man ist ja noch sehr jung. Hast du das Album schon gehört?

Ja und ich bin positiv beeindruckt, dass du den Sound von Leya getroffen hast, es aber nicht wie 12 Mal derselbe Song klingt.
Thorsteinn: Ach, das freut mich! Ich wollte auch ein bisschen Vielfalt haben, das ist wichtig.

Noch vor dem ersten Album hattest du eine Top 10-Single und hast eine Amadeus-Songwriter-Auszeichnung bekommen. Hat das den Druck auf dich erhöht oder konntest du dein Debütalbum trotzdem entspannt aufnehmen?
Thorsteinn: Ja, es hat schon den Druck erhöht, als ich den Amadeus gewonnen habe und Leya volle Kanne auf Airplay war. Das ist mir schon aufgefallen, ich hatte diese kleine Angst, ob ich jetzt ein One-Hit-Wonder werde oder nicht. Aber ich glaube, Kryptonite wird jetzt gut rennen und dann wird dieses Ding mir nicht mehr Angst machen.

Hast du für das Album extra neue Songs geschrieben oder sind alle schon länger in deinem Kopf gewesen?
Thorsteinn: Wir haben alles extra neu geschrieben außer einen, der heißt You. Das war eine ganz ruhige Ballade vorher und dann hat mein Produzent mich überredet, es in uptempo zu machen – und das hat funktioniert. Ich habe zwar einige fertige Songtexte, aber die haben nicht in diese Richtung gepasst, die ich jetzt machen will. Die werde ich vielleicht später mal verwenden.

thorsteinn-einarsson-1;-cover

„1;“ Albumcover

 

Dein Vater ist Sänger, aber in einer ganz anderen Richtung. Konnte er dir trotzdem Tipps geben, die für dich nützlich sind?
Thorsteinn: Ja, natürlich. Wie man auf die Stimme aufpasst, also immer aufwärmen und so. Das ist das Wichtigste.

Ab und zu packt dich sicher das Heimweh nach Island. Was hilft dir dabei, wenn du gerade nicht hinreisen kannst?
Thorsteinn: Es ist ganz komisch, denn auch wenn ich in Island bin, hab ich ein bisschen Heimweh nach Österreich. Es ist genau das Gleiche eigentlich, da hab ich auch meine Freunde und Familie. Jetzt wo ich in Wien bin, vermiss ich meine Freunde in Salzburg genauso. Man versucht vielleicht einen Song drüber zu schreiben oder so, aber das ist alles, was man machen kann. Man darf sich nicht zu viel Kopf darüber machen.

Es gibt ja einige Klischees über Isländer, was Nahrungsmittel angeht: Ihr esst gerne Gammelhai und -rochen und trinkt Lebertran und Branntwein. Schmeckt dir irgendwas davon wirklich?
Thorsteinn: Das sind keine Gerüchte. Der Gammelhai oder der Rochen, die gibt’s ja echt! Aber ich hasse es, es ist so grausig, das ist Wahnsinn! Der Schnaps dazu ist allerdings gut! (grinst)

Na dann werd ich den Mal probieren! Du hast einen Song in Anlehnung an Superman, Kryptonite. Welche Superkraft hättest du denn gerne für einen Tag?
Thorsteinn: Das ist schwer. (überlegt) Ich glaube fliegen… Man könnte jetzt voll die coole Antwort machen, so: „Ich würde die Welt retten.“ Aber ich würde einfach nur fliegen und es genießen, wenn es nur einen Tag wäre.

Während des Erfolgs mit Leya hast du schon viele Interviews gegeben. Was gibt es denn, das noch niemand über dich weiß?
Thorsteinn: Ganz vieles. Aber das macht es ja so interessant, oder? Also, ich bin ein riesen Comicbook-Fan. Ich liebe Comics und Star Wars! Ich bin ein bisschen ein innerlicher Nerd, deswegen auch Kryptonite.

Dann warst du sicher schon in der Star Wars Ausstellung in Wien?
Thorsteinn: Ja sicher, mir war das ganz wichtig! Ich fand’s richtig richtig gut, pures Entertainment. Und jetzt Batman v Superman – ich versteh nicht, warum alle so schlecht reden, ich find den super!

Mehr: Batman v Superman: Dawn of Justice – Filmkritik

 

Deine Singles sind auch auf Spotify auffindbar. Ich schätze, das wird beim Album genauso sein. Streamingdienste sind gerade für junge Künstler, die keine Millionen verdienen, ein heikles Thema – wieso hast du dich dafür entschieden?
Thorsteinn: Na ja, ich finde es natürlich ganz oarg, wenn man ein kleiner Künstler ist und durch das Streaming nicht viel Geld bekommt. Aber man muss es auch als Plattform sehen, auf der man Millionen Menschen berühren kann, ohne groß Promotionbudget reinstecken zu müssen. Es hat zwei Seiten: Man kann mehr Leute erreichen, verdient dadurch aber weniger Geld. Mir geht’s nicht so ums Geld, wenn man Spaß dabei hat und gute Musik macht, wird das vielleicht irgendwann kommen. Das muss man sich aber nicht beim ersten Album denken.

Ende April gibt’s eine kleine Tour durch Österreich. Konzerte zu spielen ist anstrengend und kräftezehrend – wie bereitest du dich vor, um fit zu sein?
Thorsteinn: Viel Alkohol – nein Scherz! (lacht) Ich versuche, viel Salat und Obst zu essen, Säfte zu trinken und ein bisschen laufen zu gehen. Dann fühle ich mich auf der Bühne so frisch wie möglich und gebe Vollgas.

Trinkst du nach einem Gig dann gerne noch ein paar Bier oder gehst du gleich ins Bett?
Thorsteinn: Nein, es geht für mich dann gleich ins Bett – außer ich hab drei Tage danach kein Konzert, dann geh ich schon fort oder so. Aber sonst nicht. Die Leute zahlen Geld für ein Ticket und dann sollen sie mich auch in Topverfassung sehen.

Wird es noch weitere Tourtermine geben oder spielst du im Sommer auf Festivals?
Thorsteinn: Ich bin mir nicht sicher, was ich sagen darf, aber es ist auf jeden Fall etwas geplant… Man wird mich noch sehen können.

Was sind deine Wünsche für die Zukunft?
Thorsteinn: Dass meine Singles gut ankommen, und ein paar Amadeusse wären auch schön.

Dein Award fühlt sich so einsam, richtig?
Thorsteinn: Genau und die müssen ja immer erneuert werden! (lacht)

Na dann drücken wir dir Daumen dafür! Danke für das coole Gespräch und viel Erfolg mit dem Album!

Photo: (c) Andreas Jakwerth

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