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Band des Monats Jänner – Hearts Hearts

Band des Monats Jänner – Hearts Hearts

Die erste Band des Monats im Jahr 2016 ist gleichzeitig mein großer (vielleicht gar nicht mehr so Geheim)-Tipp für die nächsten 12 Monate: Hearts Hearts aus Wien. Zum ersten Mal habe ich sie beim Waves Festival erleben dürfen, vor knapp zwei Wochen war dann die CD-Release Party in der Forelle. Abgesehen vom besseren Ambiente und den schöneren Visuals als am Badeschiff, gilt live wie auf Platte: Je öfter man es erlebt, desto besser wird es.

Zwischen radioheadesken Beats, Streicherarrangements, vertrackten Gitarrenriffs, Flageoletts und trockenen Bässen erhebt sich der fragile, teils arhtythmische Gesang von David Österle und bleibt im Raum hängen. Zeit haben sie sich viel gelassen für das erste Album Young, das Mitte Dezember erschienen ist. Zeit, die sich ausgezahlt hat. Das Album besticht durch Kreativität und Ausgereiftheit. Die Band des Monats haben sie sich redlich verdient.

Im dezemberlichen Weihnachtsstress ist sich ein persönliches Interview nicht mehr ausgegangen, aber wir haben es uns nicht nehmen lassen, Peter Paul zumindest per Mail ein paar Fragen zu stellen. Und einen schlechten Wortwitz haben wir auch hineingepackt.

Hearts Hearts – Das Interview

Young ist ein kreatives, ein vielseitiges Album. Dauert es bei euch lange, bis ihr euch auf die endgültige Version eines Songs einigt?
Peter:
Bei diesem Album auf jeden Fall! Durch jahrelanges Proben und Songs schreiben hatte sich einiges an Material angesammelt, viele Lieder waren uns sehr ans Herz gewachsen. Wir haben dann jeden Song des Albums so lange bearbeitet, bis wir alle damit zu hundert Prozent zufrieden waren. Manche Lieder sind während des Aufnehmens und Produzierens mehr oder weniger gänzlich revidiert worden. Potemkinsche Dörfer entspricht nur noch ansatzweise der ursprünglichen Version, auch von Young gibt es sehr viele verschiedene Fassungen. Diese Freiheit im Umgang mit dem eigenen Material hat sicher zur Vielschichtigkeit des Albums beigetragen.

„Näher war eine österreichische Band noch nie an Radiohead dran“, schrieb Music Austria. Alt-J ist eine zweite Band, mit der ihr oft verglichen werdet. Haben diese Bands wirklich Einfluss auf das Album gehabt, oder hat sich der Sound einfach so ergeben?
Peter:
Bei Alt-J bin ich mir unsicher, wie sehr die anderen in der Band mit deren Musik vertraut sind. Ich kannte Alt-J nur vom Namen, erst durch die wiederkehrende Referenz habe ich mal reingehört – und tue mir eher schwer mit dem Vergleich. Radiohead sind hingegen eine Band, auf die wir uns alle einigen können und sie waren sicher auch unterbewusst eine Quelle der Inspiration. Aber genauso auch Jamie XX, Sigur Rós, Portishead, Flying Lotus, The Notwist, SBTRKT, Ghostpoet, Son Lux uvm.

 

Hunter Limits war die erste Single vom Album und ist, so denke ich, noch einer der leichter verdaubareren Songs des Albums. Für viele Stücke reicht ein Hördurchgang nicht. War diese Entscheidung bewusst, um den Hörern nicht gleich zu viel zuzumuten?
Peter:
Wir wollten auf keinen Fall ein bewusst komplexes Album machen. Für mich gibt es in jedem Lied doch sehr stark eingängige, gar emotionale Momente, auch größtenteils klare Pop-Strukturen. Ich persönlich schätze Alben oft sehr, die sich nicht beim ersten Durchhören komplett offenbaren, die einem erst mit der Zeit ans Herz wachsen. Ich glaube, man sollte sich auch bei Young die Zeit nehmen, das Album auf sich wirken zu lassen.

Du bist in mehreren Projekten aktiv (KIDS N CATS, Eoae), die doch sehr unterschiedlich sind. Gibt es eine eigene Handschrift, die sich durch dein musikalisches Schaffen zieht und die man auch bei Hearts Hearts hört?
Peter:
Ich habe nicht das Gefühl, dass man beim Anhören der verschiedenen Projekte einen gemeinsamen Nenner ausmachen kann, der dann irgendwie mit mir in Verbindung steht. Ich genieße das auch sehr, dass es denkbar wenige Überschneidungen gibt. So deckt jedes Projekt andere Stimmungen und andere Zugänge ab, die für mich sehr spannend sind.

Was macht Musik für dich spannend? Hast du ein Lieblingsalbum von 2015?
Peter:
Auf jeden Fall Natureboy von Flako! Eine beeindruckende Symbiose von großen Club-Momenten und intimen Songwriting, elektronischen und natürlichen Klängen. Wie oft sich während eines Tracks Intensität aufbaut und wieder zurücknimmt oder doch überraschend von einer neuen Idee abgelöst wird, ist großartig. Am besten wirklich von Anfang bis zum Ende durchhören.

Hearts Hearts live – (c) Hanna Partaj

Hearts Hearts live
(c) Hanna Partaj

Euer Sänger David wurde schon öfter für seine Texte gelobt – was ist deine persönliche Lieblingszeile vom Album?
Peter:
Da gibt es einige. Ein Bild, das mir extrem gut gefällt, befindet sich im namenlosen Hidden Track in der Mitte des Albums:

I wanna hole up under your skin,
to sense your closeness from within.

Was machen Hearts Hearts im Jahr 2016?
Peter:
Gleich in der ersten Woche des Jahres fahren wir in ein kleines Dorf in Niederösterreich und werden an neuem Material arbeiten. Das Video zur zweiten Single I Am In ist fertig und sollte auch Anfang Jänner erscheinen. Konzerte sind auch schon einige geplant und werden hoffentlich noch mehr. Grundsätzlich sehen wir 2016 mit sehr freudiger Erwartung entgegen!

Unser Herz habt ihr mit eurem Album schon gewonnen. Was muss man machen, um die Herzen der Band für sich zu gewinnen?
Peter:
Keine schlechten Wortwitze mit Herzen! Nein, am ehesten wahrscheinlich uns auf ein Bier in unserem Stammlokal einladen.

Das werden wir gerne einmal machen. Danke fürs Interview und wir freuen uns auf 2016 mit euch!

Photo: (c) Christoph Hudl
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