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Band des Monats Juni – Filou

Band des Monats Juni – Filou

Hätte ich frankophile Eltern, hätten sie vermutlich oft gerufen: „Du Filou!“. Dem ist aber nicht so, deshalb schrie die Mama meistens Lausbub. Bildungsbürgern, Studenten, Schülern und – vor allem – Wienern sollte der Begriff aber dennoch bekannt sein, denn eben Filou nennt sich eine Wiener Band, die soeben ihr fulminantes drittes Album herausgebracht hat.

Im Juni darf es ruhig so sommerlich bleiben, wie an diesem letzten Maisonntag. Gut, dass unsere Band des Monats sommerlich-leichte Tanzmusik macht, aber keine faden Beats, die das hippe Großstadtleben unterstreichen und in den Wiener Clubgärten die Vodka-Mates zum Blubbern bringen (ein Eindruck, den vielleicht ein ähnlich klingender Künstler erwecken könnte). Die Musik von Filou driftet nie in Belanglosigkeit ab, sondern erzählt Geschichten über die Welt, Musik, das Leben als Band und die eigene Identität.

Das Finden einer eigenen Sprache

Reduktion und Farbe im Gesicht, Wortklauberei und die Suche nach dem eigenen Ich. Auf dem neuen Filou Album Feste Farben dreht sich die Band noch zwei Kreise weiter in der Spirale, die sie 2011 mit dem Debütalbum Show zu zeichnen angefangen hat. Tiefer in den eigenen Stil, ja, tiefer in den Wortschatz und die Grammatik der eigenen Bandsprache, wenn man bedenkt, wie präsent die Texte in der Musik von Filou sind.

Sänger Lukas Meschik ist auch Autor, das wurde schon oft gesagt. Betrachten wir einmal ein Album als Buch und die Band als Schriftsteller: Vier Autoren haben demnach an Feste Farben mitgeschrieben. Jeder Metapher wird dadurch zum Ton, jeder Ton unterstreicht einen Satz und jede Pause ist ein Punkt. Wenn vier Kreative an einem Produkt arbeiten, dann muss man gemeinsame Nenner finden. Album Nummer drei ist die stetige Weiterentwicklung der Wiener Band – vieles hat sich verändert, vieles wurde verbessert, vieles ist aber auch wieder so, wie man es gewohnt ist. Lukas hat an seiner Stimme gearbeitet, man traut sich noch mehr, es klingt frisch, roh und ungeschminkt. Wenn wir uns aber ehrlich sind, klingt es so immer am schönsten.

Steig in den Sound

Sänger Lukas hat uns an einem Samstagmorgen am Dachboden besucht und eine akustische Version des Songs Wie die Welt für uns gespielt. Diese rohe und unverfälschte Version empfehlen wir noch als Einstieg. Unter dem Video gibt es das Interview:

Filou – das Interview: „Wir suhlen uns nicht in den raunzigen Wien-Klischees“

Hi Lukas! Das dritte Album ist jetzt da. Man könnte sagen, ihr habt schon Routine. Hat sich etwas verändert im Schreib- und Aufnahmeprozess?
Lukas:
Klar, wir sind tatsächlich routinierter geworden. Je länger man sich kennt, desto besser ist man aufeinander eingespielt, kennt die jeweiligen Stärken und Schwächen. Das ist viel wert. Vor allem sind wir radikaler beim Wegschmeißen geworden. Früher haben wir länger herumgeredet, versucht, einen Song noch irgendwie zurechtzubiegen. Jetzt lassen wir es rascher sein, um lieber woanders weiterzumachen. Für uns war es angenehm, zum zweiten Mal bei Producer-Gott – das ist er wirklich! – Alex Tomann aufzunehmen. Diesmal mussten wir uns nicht mehr kennenlernen, sondern konnten schon auf ein gemeinsames Projekt aufbauen und direkt loslegen.

Mit Feste Farben habt ihr eine Alliteration als Albumtitel. Wie sehr steckt der Schriftsteller Lukas Meschik im Musiker und umgekehrt?
Lukas: Es gibt klare Überschneidungen dieser zwei Felder. Nicht umsonst wird vielen Schriftstellern hohe Musikalität im Umgang mit Sprache unterstellt. Als Hörer bin ich schon früh in deutschsprachige Musik hineingekippt, Texte sind mir ziemlich wichtig. Allerdings hasse ich Austropop, halte das meiste für ganz großen Schwachsinn, sehr seicht produziert, auf Masse getrimmt, ohne Ecken und Kanten, eine reine Klischee-Verwurstungs-Industrie. Meine frühen Helden kommen eher aus Deutschland: Tomte, Kettcar, Tocotronic, vor allem Kante. Thematisch denke ich wie mit zwei getrennten Köpfen: Es gibt kaum Bilder oder Geschichten, die sich aus dem Text in einen Song verwandeln oder umgekehrt.

Man hört in den Texten immer wieder mehr oder weniger versteckte Sozialkritik heraus. Ist Filou eine politische Band? Oder anders gefragt: Muss man sich in diesen politisch stürmischen Zeiten selbst positionieren?
Lukas: 
Wir sind keine dezidiert politische Band, aber bei Songs, in denen es um mehr geht als „Ich liebe dich“ oder „Sie liebt mich nicht mehr“ schwingt automatisch eine Haltung mit, eine Art, der Welt zu begegnen. Das einfach so auf den Tisch zu knallen, finde ich plump und fad. Es darf ruhig um die Ecke daherkommen, ein bisschen hinterrücks. Müssen tut man da gar nichts. Wir alle in der Band sind politisch interessiert, informieren uns, haben unsere Meinungen und oft auch hitzige Diskussionen. Auf keinen Fall braucht man den Leuten zu erklären, wie die Welt funktioniert. Es gibt keine Message, die wir krampfhaft transportieren, wer wir sind, kann man sich schon zusammenreimen.

filou-beitragsbild

Wenn ich Wien mit einer Band beschreiben müsste, würde ich Filou sagen. Warum ist Wien so präsent in eurer Musik?
Lukas: 
Das freut mich. Obwohl wir uns eben nicht in diesen raunzigen Wien-Klischees suhlen, die man gerade wieder so praktisch verschnüren und nach Deutschland exportieren kann. Wir alle sind in Wien geboren und aufgewachsen. Man setzt sich automatisch mit seiner Heimat auseinander, es könnte auch Graz sein. Allerdings sind gerade Hauptstädte sicher besonders aufgeladen mit Geschichte und Bildern, man kann sich also produktiv daran reiben. Mittlerweile ist das Thema „Stadt“ aber schon sehr beackert und etwas verbraucht für uns. Vielleicht sollten wir doch mal ein reines Liebes-Lieder-Album machen, wäre auch eine schöne Herausforderung.

Wo sollte man in Wien hingehen, wenn man Filou auf ein Bier treffen möchte?
Lukas: 
Ah, gute Frage. In Simmering, um die Ecke vom Proberaum gibt es das Cafe Zipp, nicht zu verwechseln mit dem Zipp in der Burggasse. Eine ziemlich heruntergekommene Kaschemme, aber im positiven Sinn. Da hat die Barfrau schon recht früh ordentlich einen sitzen. Wenn bei uns der Kühlschrank leer ist, schauen wir manchmal dorthin, um runterzukommen. Was anderes gibt es in der Gegend auch nicht wirklich, nur Kebabläden. Da sitzt man dann schon ein bisschen in einem lokalgewordenen Wien-Klischee, aber für ein, zwei Stunden ist das auch sehr gemütlich.

Was darf man in diesem Jahr noch von euch erwarten?
Lukas: 
Demnächst kommt ein neues Video heraus, das wir mit sehr viel Liebe und Aufwand, und vor allem großer Hilfe von anderen, produziert haben. Ein weiteres Video zu einem alten Song ist bei uns in der Pipeline, da möchte ich noch nicht zu viel verraten. Den Sommer über basteln wir an diesen und anderen Ideen, neue Livetermine sollten im Herbst anstehen.

Darauf freuen wir uns sehr. Vielen Dank für das Interview!

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