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Band des Monats Oktober – KlingerKrenn

Band des Monats Oktober – KlingerKrenn

Unsere Band des Monats Oktober heißt KlingerKrenn. Das klingt doch wie ein Nachname könnte man hier einwerfen. Und damit liegt man auch goldrichtig. Andreas und Katharina KlingerKrenn haben letztes Jahr geheiratet und im ersten Hochzeitsjahr gemeinsam an einem Album gearbeitet. Zum ersten Hochzeitstag ist das selbstbetitelte Debüt im Eigenverlag releast worden. Elf Stücke, die thematisch ein relativ breites Spektrum abdecken, finden sich darauf.

KlingerKrenn steht für vieles. Einerseits ist es die Verbindung von zwei Nachnamen. Andererseits ist es der Name der gemeinsamen Band und des gemeinsamen Debütalbums. Es ist aber auch Symbol für den jeweils anderen, für den ganz persönlichen Partner in Crime. Wo ein Satz aufhört, fängt der nächste nahtlos an.

Clear Thoughts in A Frozen Reality

Vor einiger Zeit hatte ich mein erstes Skype-Interview mit Andi für eine Story über die Musikszene in der Steiermark. Ein bisschen verschlafen saßen wir dabei vor dem Laptop, ich hatte nur ein Shirt über meinen Pyjama gezogen, denn der Vorteil von Webcams ist, dass man den Bildausschnitt selbst bestimmen kann. Neben mir: Kaffee und einige Fragen über die musikalischen Anfänge in Graz, über seine Zeit mit VIECH und das damals neue Projekt KLINGER. Eigentlich hätte es kurz werden können, ungefähr zehn Fragen waren es. Im normalen Kontext: 20 Minuten bis alle Quotes im Kasten sind.

Im Endeffekt saßen wir über eine Stunde vor dem Computer, redeten über alles Mögliche und wir haben uns wahnsinnig gut verstanden. Ich war beeindruckt. Beeindruckt von der Eigenständigkeit, vom Willen, das eigene Umfeld zu verbessern und bei allem Anti-Musikindustrie so Pro-Musik zu sein. Bei diesem Gespräch hat er mir schon vom gemeinsamen Album mit Katharina erzählt, dass in Planung war und vom Umzug nach Leipzig.

Jetzt ist das alles Realität: Andreas und Katharina haben ihr Lebensumfeld nach Deutschland verlagert. Arbeitslos sind sie, würden negative Zungen behaupten. Wie man leben soll, wenn man mich fragt. Von der Hochzeit ist noch ein wenig Geld übrig, deshalb stecken die beiden ihre Energie in das soziale Projekt LautStark oder suchen nach neuen musikalischen Projekten. Grund genug, wieder einmal zu telefonieren. Dieses Mal sitze ich aber zwei Menschen auf dem Bildschirm gegenüber.

KlingerKrenn – Das Interview

Ihr habt in der Mail vor dem Gespräch geschrieben, ihr suhlt euch gerade im arbeitslosen Alltag, deshalb kann ich mir die Uhrzeit aussuchen. Fühlt es sich gut an, mal aus der getakteten Arbeitswelt auszubrechen?
Katharina: (beide lachen) Ja, es ist voll angenehm. Wir müssen nichts machen, es gibt keine Uhrzeit, wann wir irgendwo sein müssen.

Ihr sitzt aber natürlich nicht nur faul rum, sondern widmet euch auch anderen Projekten. Eines dieser Projekte ist das LautStark Projekt – war die Entscheidung nicht zu arbeiten auch aus dem Grund, damit ihr euch anderen Projekten widmen könnt?
Andi: Ich hab ja dieses Projekt auch in Graz in einem Jugendzentrum schon umgesetzt. Jetzt können wir uns einfach jeden Tag überlegen, was wir machen wollen und uns eben auch diesen Sachen widmen und sie ehrenamtlich anbieten. Wir können ganz frei und ungezwungen damit nach außen gehen und schauen, ob es überhaupt einen Bedarf dafür gibt.

Und gibt es den?
Katharina: Ja, absolut. Wir haben jetzt ein fixes Ding jede Woche mit Jugendlichen in betreuten WGs. Da ist zum Beispiel ein unbegleiteter Minderjähriger aus dem Iran dabei und ein paar jugendliche Mädels und die sind voll begeistert. Wir haben auch mit der Lebenshilfe schon geredet und müssen noch abchecken, ob das funktioniert. An sich ist das Interesse aber voll da, weil die auch noch kein Musikprojekt haben.
Andi: Jeder, der sich zurückgemeldet hat, meinte, dass es sowas in dieser Form überhaupt noch nicht gegeben hat.

Was ist genau der Fokus des Projekts? Wollt ihr Leuten, die schon eigene Songs geschrieben haben, dabei helfen, sie aufzunehmen oder mit den Leuten gemeinsam Songs schreiben?
Andi: Wir kommen mit einer Grundausstattung von Equipment in die Einrichtungen, um dort mit den Menschen Musik zu machen – mit dem Fokus, etwas aufzunehmen. Das kann auch Karaoke Singen sein, um einmal die eigene Stimme kennenzulernen. Die Jugendlichen sollen eigene Ideen ausprobieren und eigene Beats produzieren, damit schließlich eigene Songs entstehen. Es ist extrem spannend, was dabei herauskommt, weil man merkt, dass sich die Jugendlichen voll viel mit Musik beschäftigen. Überraschenderweise sind sie sehr schnell, dann auch selber etwas zu machen.

(c) Nele Mateja Lahann

(c) Nele Mateja Lahann

This is Me From the Distance

Gibt es viele Leute, die ein Instrument spielen, oder haben die meisten eher weniger Zugang zum aktiven Musikmachen?
Katharina: Der produktive Zugang ist eher Chorsingen in der Schule oder im Orchester spielen. Letztens war einer mit seiner E-Gitarre da. Er hat aber keinen Verstärker und keine Kabel, sondern nur diese Gitarre und kann auch nur drei Akkorde spielen. Es macht ihm aber Spaß und er möchte das nächste Mal mehr Akkorde lernen. Aber die meisten wollen eigentlich singen oder rappen. Ein Iraner hat seinen eigenen Text auf Persisch geschrieben und will nächste Woche auch auf Deutsch schreiben und rappen und ist total motiviert.
Andi: Es ist auch interessant, welche Themen sie behandeln. Er hat zwar seinen Text nicht perfekt übersetzen können, aber er meinte es geht um Religion und wie das so ist, wenn man sein Land verlässt, in welchem Zwiespalt man da steht – das ist halt auch super spannend, wenn man mit einem 13-Jährigen über solche Themen, die ohnehin grad so aktuell sind, sprechen kann.

Ich fand die Presseaussendung zu eurem Album recht interessant. Ihr schreibt sehr genau darüber, was euer Album für euch ist, welche Themenkomplexe behandelt werden und wie ihr es klanglich einordnen würdet. Warum habt ihr das gemacht? Braucht man eine Einleitung zum Album?
Andi: Es ist irgendwie ein sehr persönliches Ding. Es trägt unseren gemeinsamen Namen, wir sind am Cover oben, es geht einfach um uns beide – wir wollten beschreiben, wie wir das umgesetzt haben und was für uns dabei wichtig war. Ich weiß nicht, ob jemand die Erklärung braucht – für uns war es aber cool, unsere Intention auszuformulieren.

Wir haben bei dem Album probiert, uns ein wenig auszuleben.

Euer Album ist kein reines Liebesalbum, es ist vielmehr ein großes Bild eures Alltags, das ihr gemeinsam malt. Wie passiert das Songwriting bei euch? Macht ihr alles gemeinsam oder fügt sich am Ende alles zusammen?
Katharina: Ich habe die Klaviersachen zum Beispiel allein eingespielt, die Texte haben wir dann zusammen geschrieben. Da haben wir uns ein Wochenende in ein Apartment in Rovinj eingenistet und drei Tage nur getextet. Da hat jeder immer eingebracht, was ihm gerade eingefallen ist und so hat sich das dann zusammengefügt. Manche Sachen gehen besser, wenn man sie alleine macht.
Andi: Zu zweit gibt es immer einen Kontrollblick, es ist immer eine Gegenmeinung da (beide lachen). Wir haben bei dem Album probiert, uns ein wenig auszuleben. Und das funktioniert alleine schon besser.

Haben sich die Themen, über die ihr geschrieben habt, während des Songwritings ergeben oder habt ihr gewusst, was ihr behandeln wollt.
Andi: Wir haben uns einmal einen Plan gemacht. Mit den ersten Demos sind die ersten Stimmungsbilder entstanden und so haben wir uns unsere Story für das Album zusammengebastelt, wo jeder Song seinen Platz hat. Es sind aber eh Themen, mit denen wir uns tagtäglich auseinandersetzen.

Ich verabscheue eigentlich Pauschalisierungen von Generationen, aber es ist schon so, dass Liebe extrem schwarzgemalt wird, eigentlich als eine unrealistische Vorstellung abgestempelt wird. Ich muss jetzt euren Song Livin in You, der nebenbei bemerkt mein Lieblingssong vom Album ist, zitieren:

and i was told it’s the best
now i’m shure it’s the best
livin in you

Ist es wichtig, in einer Welt, die so von negativen Schlagzeilen dominiert wird, sich einen Schutzraum zu schaffen, in dem man einfach unter sich ist?
Katharina: Ja, ganz sicher sogar. Wenn man die ganze Zeit darüber nachdenkt, was so passiert und welchen Dingen man ausgesetzt ist, dann ist das schon schwierig. Alleine auch, was Beziehungen betrifft. Keiner ist mehr in einer fixen Beziehung und wer nicht offen ist wird gleich als konservativ und altmodisch abgestempelt. Ich glaube schon, dass das eine Beziehung negativ beeinflussen kann, wenn man sich nicht die Zeit zu zweit nimmt.
Andi: Wir waren anfangs schon mit solchen Aussagen konfrontiert als wir erzählten, dass wir heiraten möchten. Von Aussagen wie „Man kann sich eh immer scheiden lassen“ bis „Seid ihr leicht konservativ“ war alles dabei. Aber ich würde mich auf so eine Beziehung nie mehr einlassen. Wir haben geheiratet eher weil wir uns etwas aufbauen wollten, mit dem wir uns von den anderen Dingen abgrenzen können. Ich fühle mich auch freier seit unserer Hochzeit und bin mehr bei mir selbst.

Euer Album schwankt auch immer zwischen Hoffnung und Melancholie. Auf welcher Seite des Spektrums befindet ihr euch?
Andi: Alles, was unsere Zukunftsplanung betrifft ist positiv behaftet und auf der Seite der Hoffnung.
Katharina: Genau. Wenn wir uns mit uns und der Musik beschäftigen, dann ist es natürlich eher die Hoffnung. Es schwankt aber nach wie vor bei uns (lacht).

Das ist verständlich! Für eure Zukunft wünschen wir euch natürlich nur das Beste. Vielen Dank für das Interview und für eure Musik.

Das Album von KlingerKrenn könnt ihr hier kaufen und downloaden.
Den ausführlichen Pressetext zum Album gibt es hier.
Und alle Infos zum Projekt LautStark unter diesem Link.

Beitragsbild © Nele Mateja Lahann

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