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Band des Monats März – Alvanite

Band des Monats März – Alvanite

Man stecke vier Musiker, die alle in anderen Bands spielen oder gespielt haben, in einen Raum. Wenn sie sich nicht streiten, könnte etwas Großartiges daraus entstehen. In diesem Fall ist es der Tonträger A, die Band Alvanite und das Ergebnis einfach nur wertvoll.

Schon beim ersten Ton wird klar, woher diese Leute kommen: Punk, Rock, Hardcore, Indie, Reggae – denn so abwechslungsreich wie die Songs auf A, sind auch die Einflüsse, die die einzelnen Bandmitglieder aus ihren anderen, teils vergangenen Bands wie Rentokill, Barefoot Basement, Small Hours oder Garish in das Projekt mitbringen. Doch eigentlich ist es egal, woher diese Leute gekommen sind. Hauptsache sie sind jetzt da, wo sie hingehören. An die Instrumente, ins Studio, auf die Bühne! Kurz vor Release der Debüt-EP A haben wir ein paar Wörtchen mit Alvanite gewechselt, um zu erfahren, was sie sich von dem Release von A erwarten – und was sich du und ich erwarten können.

(Anmerkung: Alvanite selbst haben in ihren Antworten gegendert, also die männliche und weibliche Wortform mittels eines Unterstrichs gekennzeichnet. Aus Gründen der Lesbarkeit – und weil wir auf enemy.at normalerweise einheitlich das generische Maskulinum verwenden – haben wir uns dagegen entschieden, wobei natürlich jeder Mensch unabhängig seines Geschlechts damit adressiert ist. Wir möchten mit diesem Interview aber nun auch einen Diskurs eröffnen, sowohl redaktionsintern als auch mit euch, lieben Lesern, wie dieses wichtige Thema in Zukunft gehandhabt werden soll. Wir würden uns freuen, wenn ihr uns eure Meinungen entweder als Kommentar oder anonym per E-Mail zukommen lasst.)

Alvanite – das Interview

Hallo Alvanite! Ich hab mich mal schlaugemacht und nachgeschlagen, was Alvanite bedeutet. Es ist ein Mineral. Kann man eine Verbindung zwischen Bandname und eurer Musik herstellen? Wenn ja, seid doch so nett und macht das für uns.
Ina:
Alvanit ist ein anorganisches Mineral. So gesehen gibt es eine Verbindung – wir versuchen ebenso, unsere Musik nicht nach den erstbesten „bestimmten und natürlichen Regeln“ ablaufen zu lassen.

Ich bezweifle, dass Andreas Gabaliers Produzenten seine Songs vom Herzen schreiben. Viele Musiker machen das aber. Um was geht es bei euren Songs?
Ina:
Romantisches Unvermögen, politische Einfältigkeit, Repression oder Ignoranz bis hin zum Anblick eines wunderschönen Sonnenaufganges inmitten chaotischer Alltagstheatralik.
Christian: Für mich ist das Verfassen der Texte oft Selbsttherapie. Ich verarbeite Gedanken und Themen, die mich beschäftigen: Sozialkritik, persönliche Ängste oder Situationen zwischenmenschlicher Beziehungen. Dabei versuche ich aber, genug Interpretationsspielraum für Hörer/Leser zu lassen. Der Text von Bright Lights stellt sich beispielsweise gegen Rassismus und Faschismus. Als ich begann, diesen Text zu schreiben, beschäftigte mich gerade die Willkür der Justiz im Gerichtsverfahren um die Geschehnisse der Demonstration gegen den „WKR“ Ball 2014. Im Prozess wurde öffentlich versucht ein Exempel zu statuieren, um die Bevölkerung in weiterer Folge ruhig zu stellen. Die Querulanten (in ihren Augen) zum Schweigen zu bringen. Es ist wichtig, immer und überall gegen jegliches rechte Gedankengut Stellung zu beziehen!

Es gibt Leute, die schreiben Liedertexte und vertonen sie dann. Es gibt aber auch Leute, die Musik schreiben und dann darüber texten. Kann man euch in eine dieser Schubladen werfen oder ist das Thema eigentlich viel komplexer?
Ina:
Jein – der fertige Text entsteht wohl, wenn das Lied so weit ist. Aber Textideen und Gedanken, die in Form eines Liedtextes an die Öffentlichkeit müssen, existieren unabhängig von Songs. Und dann entsteht ein Song und man denkt sich: „Genau da gehört der Text hin.“

Ihr habt eine ausgiebige Vergangenheit und Gegenwart im Musikbusiness. Von Punk bis Post-Hardcore über Reggae. Kommt man bei einer neuen Formation dann immer gleich auf einen gemeinsamen Nenner?
Christoph:
Das hat von Anfang an recht gut funktioniert. Ich glaube, es war allen bewusst, dass es nicht einen vorher definierten Musikstil geben wird, sondern sich alle auf das Experiment einstellen müssen. Es ist auch nicht so, dass wir alle nur eindimensional Musik hören. Wir haben in Summe, glaube ich, ein recht breites Spektrum innerhalb der Band zur Verfügung. Dieses dann so zu nutzen, dass am Ende wieder Musik herauskommt, ist dann irgendwie Alvanite. Und den absoluten Ego-Starter gibt es in der Band einfach nicht – es läuft recht demokratisch ab und abgesehen davon verstehen wir uns einfach auch sehr gut.
Bernd: Ich denke schon, dass wir immer sehr schnell auf einen Nenner kommen. Es gibt natürlich unterschiedliche Ansichten, aber es haben immer alle völlig die Freiheit, ihren Input zu geben. Meistens passt der auch wie die Faust aufs Auge. Manchmal justiert man ein bisschen nach, aber das kann auch nach der Fertigstellung des Songs passieren. In meiner Philosophie ist der Song erst fertig, wenn er aufgenommen ist.

Durch eure anderen Projekte wisst ihr ja, wie das so ist, wenn man seine Debüt-EP rausbringt. Was erwartet ihr euch von A?
Christoph:
Dass sich Musikinteressierte das Teil anhören und uns Feedback dazugeben. Und hoffentlich wird das Booking in Zukunft dadurch etwas leichter. (grinst)
Bernd: Eigentlich habe ich schon alles bekommen, was ich erwartet habe. Die Platte ist aufgenommen und physisch in meinem Plattenregal. Es ist ein audiovisueller Zeitzeuge für unser kreatives Schaffen. Natürlich wäre ein leichteres Booking auch von Vorteil und das ehrliche Feedback von langjährigen musikalischen Begleiter wär auch noch schön.

Mehr: Alvanite – A EP – CD Review

Ihr habt eure Wurzeln in Wiener Neustadt, das gerade vor einem Umbruch steht: Schulden, Budgetkürzung für Jugendkultur, etc. Wie betrifft euch das als ansässige Musiker?
Christoph:
Natürlich lässt uns diese Entwicklung nicht kalt. So wie viele Entwicklungen und aktuelle Veränderungen zum Nachdenken anregen. Die Band im Speziellen betrifft es vorrangig im Sinne der zukünftigen Möglichkeiten, live in Wiener Neustadt auftreten zu können
Christian: Ich war damals als 16/17-Jähriger das erste Mal im Triebwerk [Anm.: Jugend- & Kulturzentrum in Wr. Neustadt]. Wenn ich mich jetzt zurückerinnere, hat mich das Triebwerk zu dem positiven Menschen gemacht, der ich heute bin. Pubertät ist nicht immer einfach: Schule, Ausbildung, immerwährender Leistungsdruck, gemobbt werden, weil man nicht der Norm entspricht. So ist es wichtig einen Freiraum/zweites Wohnzimmer zu finden, in dem man sich sicher fühlen kann.
Bernd: Als ich dort [im Triebwerk] vor sechs Jahren gearbeitet habe, hatten wir schon wenig Geld zur Verfügung und jetzt ist es so richtig viel weniger. An die Jugend möchte ich gar nicht denken, wenn es keine Freiräume und Plätze für den kreativen Austausch gibt. Wenn es damals kein „Pinguin“ (Vorgänger vom Triebwerk) gegeben hätte, wäre ich nie Schlagzeuger geworden oder hätte mich je mit Kunst auseinandergesetzt. Ohne kreativem Schaffen wäre ich ein ziemlich grantiger Mensch.

Alvanite - A

Cover der EP „A“

 

Junge Bands haben oft das Problem, dass sie schwer an Konzerte kommen. Ihr seid ja quasi ein Tourbus aus altbekannten Gesichtern, den man schon von Weiten auf den in- und ausländischen Autobahnen kommen hört. Läuft beim Touren viel über Netzwerke oder wie kann man sich das vorstellen?
Christoph:
So märchenhaft deine Vorstellung auch sein mag, so unrealistisch ist sie. Klar kennen wir einige Leute aus der Szene, aber im Endeffekt fragen wir überall genauso an wie jede andere Band auch. Vielleicht mit etwas mehr Routine und mit einem realistischeren Zugang, aber zugeflogen ist uns bislang noch nichts. Warum auch? Wär irgendwie komisch.
Ina: Netzwerke existieren, keine Frage. Aber was würde Alvanite mit meinem Reggaenetzwerk anfangen? Eher weniger. Daher kann ich Christoph nur recht geben, wir müssen so wie alle andren Bands auch anfragen. Aber natürlich kommt man mit Booker leichter ins Gespräch, wenn das kein komplettes Neuland ist.

Gibt es Künstler, Bands oder Komponisten, die euren Musikstil besonders beeinflusst haben?
Christoph:
Bei jedem Bandmitglied sind das wahrscheinlich ganz unterschiedliche Vorbilder. Bei mir sind es mit Sicherheit die alten Grunge Bands der 90er und die alten Metalbands der 80er. Aber genauso haben elektroverwandte Acts wie Massive Attack, Tricky, Portishead oder aktuellere Sachen wie The Mars Volta oder The Dead Weather ein Wörtchen mitzureden.
Ina: Meinen Begriff von „Akkordeon spielen“ hat eindeutig Kimmo Pohjonen geprägt.
Bernd: Schlagzeug: definitiv Leute wie Taylor Hawkins (Foo Fighters) Thomas Pridgen (The Mars Volta) und Eric Moore (Suicidal Tendencies) Musik zB.: Nirvana, Massive Attack und auch Across the Delta & Lausch aus Österreich.
Christian: Ohne die Plattensammlung meines Bruders wäre ich vielleicht nie zu Gitarrenmusik gekommen! AC/DC rund um Malcolm und Angus Young, Napalm Death, Black Flag, Foo Fighters haben mich in diese Richtung gelenkt. Festmachen, welche Künstler und Komponisten mein Songwriting oder Instrument besonders beeinflusst haben, kann ich nicht wirklich. Ich höre viele unterschiedliche Musikgenres solange sich die Musik, der Song für mich „ehrlich“ anfühlt und mich persönlich berührt, nimmt das immer einen gewissen Einfluss. Kann sein, dass es Sinfonien von Beethoven, Haydn, Mozart aus frühem Musikunterricht genauso sind wie Fugazi, Converge, Dinosaur Jr., The Lawrence Arms oder Frank Turner.

Wenn eure CD im Regal von FM4 steht. Neben welchen CDs anderer österreichischer Bands würde sie vermutlich stehen?
Christoph:
Zwischen milk+ und Lausch, gleich daneben stehen dann die Sex Jams und auf der anderen Seite Igel vs. Shark.
Bernd: Hoffentlich zwischen der neuen Lausch und Sex Jams !
Christian: Ich hoffe, die Platte steht ganz am Anfang, sonst hätte sich das A im Alphabet nicht rentiert.
Ina: (lacht) Ich bin absolut Christians Meinung!

Vielen Dank für das Interview! Der Tonträger mit dem großen anorganischen Klunkerstein vorne drauf erscheint am 04. März 2016. Die dazugehörende Party feiern Alvanite am selben Tag im Wr. Neustädter Sub.

Das nächste Wien Konzert ist für den 14.04.2016 im Rhiz gemeinsam mit Igel vs. Shark geplant.

Photo: (c) Bernhard Wimmer

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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