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Bravely Second im Test

Bravely Second im Test

Bravely Second führt nicht nur die seltsame Namensgebung des ersten Teils, Bravely Default, fort, sondern hält sich auch sonst eng an den Vorgänger. Funktioniert die Formel ein zweites Mal?

Das Spiel beginnt mit einem neuen Hauptcharakter, Yew Geneolgia. Er ist der Anführer der Crystal Guard, deren Aufgabe es ist die Päpstin Agnes, eine der Protagonistinnen des ersten Teils, zu beschützen. Nach Jahren des Krieges ist es ihr gelungen, wieder Frieden ins Land zu bringen, doch als dieser besiegelt werden soll stürmt Kaiser, so der Name des Antagonisten, die Veranstaltung und entführt sie.

Yew setzt es sich daraufhin zum Ziel, sie zu befreien, zusammen mit drei Gefährten, die wiederkehrenden Protagonisten Tiz und Edea, sowie der neu hinzugestoßenen Magnolia. Vom Plot her ist Bravely Second keine Offenbarung, übliche Fantasy-Standardkost, mit einigen Elementen, die die vierte Wand brechen. Es gibt ein paar clevere Momente, die gehen allerdings in den unzähligen Stunden der Haupthandlung unter. Spieler des ersten Teils werden sich über die vielen neu hinzugekommenen Charaktere wundern, die aus unerfindlichen Gründen nicht an den Geschehnissen von damals teilnahmen.

Bravely Second The Gang

So sieht unsere Spielerparty aus.

 

Das Herzstück des Spiels ist das rundenbasierte Kampfsystem und die unglaubliche Freiheit der Charakterklassen. Wie im ersten Teil kann jeder Charakter jede Klasse erlernen und frei zwischen allen hin und herwechseln. Passive Fähigkeiten können klassenübergreifend verwendet werden, was viele starke Kombinationen ermöglicht. Im Unterschied zu Bravely Default sind die Klassen und Kombinationen deutlich schwächer, auch wenn es immer noch möglich ist, eine praktisch unbesiegbare Gruppe zu kreieren. Viele Kombinationen, die auf den ersten Blick großartig wirken, funktionieren in der Praxis nicht, die Beschreibungen sind bei vielen Fähigkeiten bestenfalls unklar.

Bravely Second Menu Screen

Hier sehen wir die Fähigkeiten von Magnolia.

 

Um eine Klasse zu erlernen muss der Asterisk-Besitzer davon besiegt werden, etwa die Hälfte davon trifft man im Verlauf der Story, die andere Hälfte gibt es in Nebenquests zu ergattern. Letztere enden meistens mit einer Entscheidung – zwei Asteriskbesitzer wollen unterschiedliche Dinge, man erhält nur die Klasse von dem- oder derjenigen, gegen die man sich stellt. Dies ist einer der absurderen Punkte des Spiels, weil die moralische Schwere der Entscheidung weit auseinander geht. Einmal hat man die Wahl ob alle Bewohner der Wüste verdursten sollen, oder möglicherweise eine unerschöpfliche Energiequelle geschaffen wird. Bei einer anderen Quest geht es nur darum ob ein Faulpelz hart arbeiten oder seinem Traum folgen soll.

Solche Momente gibt es viele, und es fällt mir schwer die ach so tragischen Hintergrundgeschichten der vielen Charaktere ernst zu nehmen, wenn jeder Satz aus ihrem Mund mindestens einen (Wort-)Witz enthält.

Zusätzlich fällt auf, dass die Klassen, die man ohne Entscheidung bekommt deutlich mehr abdecken, um zu verhindern, dass man steckenbleibt weil man eine “schlechte” Klasse genommen hat. Dies führt aber dazu, dass viele alte Klassen nicht mit den neuen Hybriden mithalten können, die nicht nur alle möglichen Aspekte in sich vereinen, sondern auch höhere Attributswerte aufweisen.

Bravely Second Battle

Unser Team steht zwei Feinden gegenüber.

 

Zurück zum Hauptteil des Spiels: Kämpfen. Um genau zu sein: Grinden. Denn mehr als noch im ersten Teil gibt es hier viel zu tun. Gewinnt man einen Kampf in einer Runde, kann man per Knopfdruck einen weiteren Schub Gegner herbeirufen und erhält einen Multiplikator auf Geld, Erfahrung und Klassenpunkte. Je öfter man so Kämpfe aneinander kettet, desto höher fällt die Belohnung am Ende aus. Zur Erinnerung: Bravely Default bezog sich auf zwei Basen des Kampfsystems: Brave kostet einen Punkt und ermöglicht eine weitere Aktion in der Runde, bis zu drei mal einsetzbar, Default gibt einen Punkt und reduziert sämtlichen Schaden für den Rest der Runde. Standardmäßig startet jedes Gruppenmitglied zu Beginn des Kampfs mit 0 Punkten und kann bis auf -4 oder +3 kommen.

Bravely Second Special Attack

So schön sind die Animationen eines Spezialangriffs.

 

Mit 4 Aktionen pro Charakter ist es eine Leichtigkeit innerhalb von einer Runde zu gewinnen, allerdings regenerieren sich diese Punkte nicht in einem Kettenkampf, und ein Charakter im Minus akzeptiert keine neuen Eingaben. Anfangs war ich begeistert von diesem System, wenn ich schon grinde, dann mit Komfort. Doch nach vielen Spielstunden stellte sich Ernüchterung ein. Um Charaktere zu maxen muss man immer noch extrem viel Zeit investieren, doch im ersten Teil konnte ich einfach im Kreis laufen und Auto-Battle den Rest erledigen lassen. Um in Bravely Second das Maximum herauszuholen muss man ständig den 3DS im Auge behalten, denn einmal zu viel gekettet und die Party wird zerstört und ohne Kette zahlen sich die Belohnungen nicht aus.

Bravely Second Victory

Nach unserem Sieg können wir zusätzliche Gegner für eine Kette herbeirufen.

 

Der Schwierigkeitsgrad des Spiels schwankt zwischen extrem leicht und unfair. Während man die meisten Kämpfe innerhalb einer Runde entscheiden kann, gibt es immer wieder Bosse oder neue Gegner, die mit unerwarteten Fähigkeiten auftrumpfen, etwa kompletter Immunität gegen physischen oder magischen Schaden. Manche Bosse bestrafen einen wenn man Default verwendet und sich erst einmal ihre Strategie anschauen will, auch kommt es vor, dass man alles raushaut was nur geht, nur um gleich anschließend gegen einen zweiten Boss kämpfen zu müssen.

Fazit

Bravely Second ist ein zahmeres Bravely Default, ohne den Vorteil, etwas wirklich Neues zu sein. Es ist damit kein schlechtes Spiel, aber auch nichts Besonderes. Wie auch Vorgänger ist der Ersteindruck toll, weicht aber mit fortschreitender Spieldauer Ernüchterung. Immerhin ist die Story diesmal gelungener. Fans des ersten Teils kommen definitiv auf ihre Kosten.

7 von 10 PunkteRelease Date: 26.02.2016
Plattform: 3DS
Genre: JRPG
Publisher: Square Enix

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