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Das waren die Oscars 2016

Das waren die Oscars 2016

Das dritte Jahr in Folge schreibe ich nun über die Oscarnacht, recherchiere über die schönsten Kleider und ertrage die Moderation des deutschen Privatfernsehens. Immer pünktlich im Februar erwacht meine innere Glamourgeilheit und ich freue mich auf die Nacht der Sternchen wie Toni sich auf seine irische Braut im Film Brooklyn.

Wird das Internet heute Nacht wirklich explodieren, wenn Leo den Oscar (wieder nicht) bekommt? Wird es einen Kommentar von Chris Rock zur fehlenden Diversität der Verleihung geben, Kennwort #OscarsSoWhite? Wird es Überraschungen geben? Tipps möchte ich für fast keine Kategorien abgeben, ich kann nur sagen, welche Filme mich persönlich dieses Jahr  überzeugt haben. 6 der 8 nominierten Filme in der Kategorie Bester Film habe ich gesehen (für The Big Short und Bridge of Spies blieb leider keine Zeit mehr), davon waren alle sehr ok, The Revenant, The Martian, Mad Max: Fury Road und Spotlight waren sogar sehr gut, wenn man mich fragt. Spannend wird auch die Kurzfilmkategorie, denn eine Freundin von mir hat für den österreichischen Beitrag Alles wird Gut das Sounddesign gemacht.

Nun, soviel zur Einleitung. Es ist 00:20, die Snacks für die Nacht sind hergeschnippelt, das Weinglas muss bereits nachgefüllt werden und in 10 Minuten beginnt die Liveübertragung vom roten Teppich. Um die Wartezeit zu überbrücken, hier noch ein Zusammenschnitt aller Filme, die für Best Picture nominiert sind:

Die Poesie der Selbstinszenierung

Der rote Teppich ist eröffnet und die ersten Interviewpartner sind Patrick Vollrath, Sebastian Thaler und Julia Pointner, Regisseur, Kameramann und Hauptdarstellerin des österreichischen Kurzfilmbeitrags. Die 10-jährige Julia fasst das Spektakel eigentlich am besten zusammen. Auf die Frage, wie sie die Oscars findet, meint sie nur: “Ja, man steht sehr viel herum.”

Kleiner Fun Fact am Rande: Bei der Oscarzeremonie gibt es sechs Stunden lang nichts zu essen. So ein Satz schreibt sich ziemlich angenehm, wenn man den Mund voll hat, auf der Couch rumliegt, schlecht aussieht und diese Kombination mit noch mehr Wein runterspült.

Wein, ein sehr gutes Stichwort. Pro 7 zwingt einen ja gerade dazu, sich fulminant einen reinzubetonieren, denn nach inzwischen 90 Minuten Annemarie möchte man es machen wie Jared Leto und ohne Verabschiedung aus dem Bild flüchten. Gut, dass ich nicht für einen Oscar nominiert bin, denn die Selbstbeherrschung für die Beantwortung dieser immer absurder werdenden Fragen hätte ich sicher nicht. Die zwischenzeitlichen Fashionanalysen motivieren mich auch eher dazu, den Kopf auf den Tisch zu schlagen.

Leonardo DiCaprio erwähnt während des Red Carpet Interviews noch einmal, wie hart es war The Revenant zu drehen und beendet somit die riesige Werbekampagne, die ihm endlich die begehrte Bronzestatue bringen soll. Das Internet würde sich freuen – bevor es in ein paar Minuten in die heiligen Hallen der Academy Awards geht, vertreiben wir uns aber noch ein bisschen die Zeit mit der Red Carpet Rampage.

So Many White People

Wir verabschieden uns endlich von Annemarie und dem Fernsehverbrechen, das sich Fashion Check nannte, und Chris Rock beginnt die Show. Wie erwartet beginnt er die 88. Academy Awards mit ein paar Seitenhieben auf die noch immer stattfindende Diskriminierung von schwarzen Schauspielerinnen und Schauspielern, ein großes Opening wie bei Neil Patrick Harris gibt es aber nicht. Die ersten Kategorien werden auch schnell vergeben, Spotlight gewinnt wie erwartet die Kategorie für das beste Originaldrehbuch und The Big Short holt sich die Statue für das beste adaptierte Drehbuch.

Den ersten großen Liveauftritt des Abends bewältigt Sam Smith, der den Song Writing’s on the Wall performt, den Song des neuen James Bond Films, der auch nominiert ist für den besten Song.

Emotionen, Glück und Xavier Naidoo

J. K. Simmons, der letztes Jahr absolut verdient einen Oscar für seine Rolle in Whiplash gewann, verleiht den Preis für die beste Nebendarstellerin an Alicia Vikander, die die Jury mit ihrer Performance in The Danish Girl überzeugen konnte. Mich hat sie auf jeden Fall mit ihrer Rede überzeugt, denn so ehrliche und überwältigende Freude steckt an. Der kurze Gefühlsausbruch meinerseits wird aber schnell wieder zunichte gemacht, da ein paar Sekunden später Werbung für Xavier Naidoos neues Album über den Bildschirm flimmert. Danke dafür, Pro 7.

Mad Max: Fury Road holt sich im Anschluss den ersten Hattrick des Abends und nimmt die Preise für das beste Kostümdesign, das beste Szenenbild und das beste Haar und Make-Up mit nach Hause. Ich würde ja behaupten, dass das nicht die letzten Oscars des Abend sein werden.

Halbzeitpause

Es ist inzwischen 3:30 und viel ist noch nicht passiert. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die letzten Oscarverleihungen spannender waren. Chris Rock sieht man eigentlich fast nie und die Verleihungen werden auch sehr schnell durchgeführt. Zeit, die Blase zu leeren und das Weinglas wieder aufzufüllen. Außerdem ist schon wieder Xavier Naidoo im Fernsehen. Leicht wird es einem ja nicht gemacht.

Inzwischen wird Realität, was viele schon vorher vermuteten: Mad Max wird der große Gewinner des Abends, zumindest in den technischen Kategorien. Die einzige Überraschung für mich war, dass der Film den Oscar für visuelle Effekte nicht bekommen hat, sondern diese Kategorie an Ex Machina abgeben musste.

Star Wars hat damit nur mehr eine Chance auf einen Oscar und zwar in der Kategorie Beste Musik. The Revenant durfte trotz 12 Nominierungen auch erst eine Blechstatue einpacken. Erinnerungen an American Hustle werden wach, der trotz 10 Nominierungen schließlich leer ausging.

Wir bewegen uns immer weiter in Richtung Hauptkategorien. Ich nähere mich immer mehr dem letzten Rest der Weinflasche. Es war eine gute Entscheidung, meinen Kaffeekonsum durch Rotwein zu ersetzen. Irgendwie muss man sich ja bei Laune halten, wenn die Stimmung einfach nicht aufkommen will. Die Show plätschert dahin, es gibt keine Höhepunkte, positive Ausreißer sind nur Ryan Gosling und Russell Crowe sowie Louis C.K., die endlich Witz auf die Bühne bringen.

Nächster Musikact. Streicher, eine fliegende Frau in Seilen, The Weeknd. Sehr episch und classy die Performance von Earned It, obwohl der Song für einen weniger classy Film geschrieben wurde. Nach der rekordverdächtigen Nominierung für sechs goldenen Himbeeren – unter anderem schlechtester Film, schlechtester Regisseur, schlechtester Schauspieler und schlechteste Schauspielerin – wäre ein Oscargewinn doch eine große Überraschung.

Primetime

Wir befinden uns inzwischen bei den letzten 11 Kategorien, es ist 4:20, mein Schädel ist schon etwas schwindlig und ich wünsche mir ein schnelles weitermachen, sehr viel lustiger wird es wohl nicht mehr werden. Mark Rylance wird bester Nebendarsteller für seine Rolle in Bridge of Spies, was durchaus eine kleine Überraschung ist, haben doch viele Silvester Stallone in der Favoritenrolle gesehen. Ich fand ja Mark Ruffalo und Tom Hardy auch gut.

Die Verleihung zaht sich, mit Verlaub, schon ziemlich. Es folgen noch Auftritte von Dave Grohl und Lady Gaga, 8 Kategorien sind noch übrig. Und Jacob Tremblay, seit Raum einer der Schauspieler, die man auf der Liste haben sollte, obwohl er erst 9 Jahre alt ist. Er darf die Kurzfilmkategorie verleihen, die leider doch nicht an Österreich geht.

Die letzten 6

Bester Song, beste Filmmusik, beste Regie, beste Hauptdarstellerin, bester Hauptdarsteller und bester Film. Sechs Kategorien noch, dann sollte die Flasche Wein ausgetrunken sein und ich schwindlig genug, um mich ins Bett zu legen. Die Müdigkeit stellt sich langsam auch ein, es ist immerhin bereits 5:20.

The Hateful Eight darf sich auch über einen Oscar freuen, genauer gesagt Ennio Morricone für die beste Filmmusik. Damit ist aber auch die letzte Chance für Star Wars vorbei und das Weltraumepos muss wieder einmal ohne Preis nach Hause gehen. Immerhin haben sie das Rennen am Box Office gewonnen. Den besten Song hat nach Ansicht der Jury Sam Smith mit Writing’s on the Wall geschrieben.

Genau wie Emmanuel Lubezki hat auch Alejandro González Iñárritu seinen Titel verteidigt und den Regieoscar das zweite Jahr in Folge gewonnen, nachdem beide im letzten Jahr für ihre Regie- und Kameraleistung in Birdman gewürdigt wurden. Was er in seiner Rede gesagt hat, kann ich aber leider nicht zusammenfassen, da hatte ich kurz für ein paar Minuten die Augen geschlossen.

The Revenant

Und dann ist es endlich soweit: Der Oscar für den besten Hauptdarsteller wird verliehen – und es ist: Leonardo DiCaprio! Standing Ovations, langer Applaus – endlich ist es soweit und das Internet kann eskalieren. In seiner Rede redet er nicht nur über seinen Co-Darsteller und Freund Tom Hardy, sondern er weist auch wieder auf sein Herzensthema hin: den Klimawandel. 2015 war das wärmste Jahr bisher und es war für die Crew gar nicht einfacht, einen Ort mit genug Schnee zu finden, um zu drehen.

Die letzte Kategorie des Abends, der beste Film, geht schließlich an Spotlight, einen Film basierend auf wahren Ereignissen, der sich mit dem Kindesmissbrach der katholischen Kirche in Boston befasst, der im Jahr 2001 von einer Gruppe von Journalisten aufgedeckt wurde.

It Feels Pretty Cool

Der neunjährige Jacob Tremblay ist übrigens nicht nur ein großartiger Schauspieler, sondern auch um einiges cooler als ich. Auf die Frage, wie es sich anfühlt, bei den Oscars zu sein, meinte er:

via GIPHY

Mit diesem GIF kann man, so denke ich, diesen Bericht ganz gut beenden. Aber fassen wir noch einmal zusammen: Leo hat endlich seinen Oscar gewonnen, Chris Rock hatte nur einen Scherz im Ärmel, den er immer wieder brachte, viel ist nicht passiert und Jacob Tremblay war der beste Mann des Abends.

Es ist inzwischen 7 Uhr morgens und ich möchte endlich schlafen gehen. Logik- und Grammatikfehler sind dem Weinkonsum geschuldet. Gute Nacht, wir lesen uns nächstes Jahr!

Hier sind die Gewinner noch einmal im Überblick:

Bester Film

  • The Big Short
  • Bridge of Spies – Der Unterhändler
  • Brooklyn
  • Mad Max: Fury Road
  • Der Marsianer – Rettet Mark Watney
  • The Revenant – Der Rückkehrer
  • Raum
  • Spotlight

Beste Regie

  • Lenny Abrahamson – Raum
  • Alejandro González Iñárritu – The Revenant – Der Rückkehrer
  • Adam McKay – The Big Short
  • Thomas McCarthy – Spotlight
  • George Miller – Mad Max: Fury Road

Bester Hauptdarsteller

  • Bryan Cranston – Trumbo
  • Leonardo DiCaprio – The Revenant – Der Rückkehrer
  • Michael Fassbender – Steve Jobs
  • Eddie Redmayne – The Danish Girl
  • Matt Damon – Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Beste Hauptdarstellerin

  • Cate Blanchett – Carol
  • Brie Larson – Raum
  • Jennifer Lawrence – Joy – Alles außer gewöhnlich
  • Charlotte Rampling – 45 Years
  • Saoirse Ronan – Brooklyn

Bester Nebendarsteller

  • Christian Bale – The Big Short
  • Tom Hardy – The Revenant – Der Rückkehrer
  • Mark Ruffalo – Spotlight
  • Mark Rylance – Bridge of Spies – Der Unterhändler
  • Sylvester Stallone – Creed – Rocky’s Legacy

Beste Nebendarstellerin

  • Jennifer Jason Leigh – The Hateful 8
  • Rooney Mara – Carol
  • Rachel McAdams – Spotlight
  • Alicia Vikander – The Danish Girl
  • Kate Winslet – Steve Jobs

Bestes Originaldrehbuch

  • Thomas McCarthy und Josh Singer – Spotlight
  • Matt Charman, Joel Coen & Ethan Coen – Bridge of Spies – Der Unterhändler
  • Pete Docter, Meg LeFauve, Josh Cooley, Ronnie Del Carmen – Alles steht Kopf
  • Alex Garland – Ex Machina
  • Andrea Berloff, Jonathan Herman, S. Leigh Savidge, Alan Wenkus, Andrea Berloff – Straight Outta Compton

Bestes adaptiertes Drehbuch

  • Drew Goddard – Der Marsianer – Rettet Mark Watney
  • Nick Hornby – Brooklyn
  • Adam McKay und Charles Randolph – The Big Short
  • Phyllis Nagy – Carol
  • Emma Donoghue – Raum

Bester Animationsfilm

  • Anomalisa
  • Der Junge und die Welt
  • Alles steht Kopf
  • Shaun das Schaf
  • Erinnerungen an Marnie

Bester fremdsprachiger Film

  • Der Schamane und die Schlange
  • Son of Saul
  • Mustang
  • Theeb
  • A War

Bester Dokumentarfilm

  • Amy
  • Cartel Land
  • The Look of Silence
  • What Happened, Miss Simone?
  • Winter on Fire

Beste Kamera

  • Emmanuel Lubezki – The Revenant – Der Rückkehrer
  • Edward Lachman – Carol
  • Robert Richardson – The Hateful 8
  • Roger Deakins – Sicario
  • John Seale – Mad Max: Fury Road

Bestes Kostümdesign

  • Sandy Powell – Carol
  • Sandy Powell – Cinderella
  • Paco Delgado – The Danish Girl
  • Jenny Beavan – Mad Max: Fury Road
  • Jacqueline West – The Revenant – Der Rückkehrer

Bester Schnitt

  • Hank Corwin – The Big Short
  • Jason Ballantine und Margaret Sixel – Mad Max: Fury Road
  • Stephen Mirrione – The Revenant – Der Rückkehrer
  • Tom McArdle – Spotlight
  • Maryann Brandon, Mary Jo Markey – Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht

Bester animierter Kurzfilm

  • Bear Story
  • Prologue
  • Sanjay’s Super Team
  • We Can’t Live Without Cosmos
  • World of Tomorrow

Bester Kurzfilm

  • Ave Maria
  • Day One
  • Alles wird gut
  • Shok
  • Stutterer

Bestes Szenenbild

  • Bridge of Spies – Der Unterhändler
  • The Danish Girl
  • Mad Max: Fury Road
  • Der Marsianer – Rettet Mark Watney
  • The Revenant – Der Rückkehrer

Bester Dokumentar-Kurzfilm

  • Body Team 12
  • Chau, Beyond the Lines
  • Claude Lanzmann: Spectres of the Shoah
  • A Girl in the River: The Price of Forgiveness
  • Last Day of Freedom

Bestes Make-up & Hairstyling

  • Mad Max: Fury Road
  • The Revenant – Der Rückkehrer
  • Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Beste Filmmusik

  • Ennio Morricone – The Hateful 8
  • Carter Burwell – Carol
  • Jóhann Jóhannsson – Sicario
  • John Williams – Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht
  • Thomas Newman – Bridge of Spies – Der Unterhändler

Bester Filmsong

  • “Earned It” – Fifty Shades of Grey (Abel Tesfaye, Ahmad Balshe, Jason Daheala Quenneville und Stephan Moccio)
  • “Manta Ray” – Racing Extinction (Musik: J. Ralph, Text: Antony Hegarty)
  • “Simple Song #3” – Ewige Jugend (David Lang)
  • “Til It Happens To You” – The Hunting Ground (Diane Warren und Lady Gaga)
  • “Writing’s On The Wall” – James Bond 007 – Spectre (Jimmy Napes und Sam Smith)

Bester Tonschnitt

  • Mad Max: Fury Road
  • Der Marsianer – Rettet Mark Watney
  • The Revenant – Der Rückkehrer
  • Sicario
  • Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht

Beste Tonmischung

  • Bridge of Spies – Der Unterhändler
  • Mad Max: Fury Road
  • Der Marsianer – Rettet Mark Watney
  • The Revenant – Der Rückkehrer
  • Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht

Beste visuelle Effekte

  • Ex Machina
  • Mad Max: Fury Road
  • Der Marsianer – Rettet Mark Watney
  • The Revenant – Der Rückkehrer
  • Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht
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