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Deadpool – Filmkritik

Deadpool – Filmkritik

Spätestens seit The Green Lantern wissen so ziemlich alle, dass Ryan Reynolds definitiv nicht aus Superheldenholz geschnitzt ist. Marvels Deadpool hingegen scheint, wie vielen Comiclesern und –fans bereits bekannt sein sollte, alles andere als ein Held zu sein. Also warum nicht den grünen Heldenstrampler gegen einen roten Gummianzug tauschen? In diesem Sinne schickt Regieneuling Tim Miller Ryan Reynolds in ein Abenteuer der wirklich völlig anderen Art, und zeigt, dass Superhelden nicht zwingend heroisch, sondern auch einfach nur super und weniger Held sein können.

Als Wade Winston Wilson verkörpert Reynolds einen ehemaligen Special Forces-Soldaten, der sein Brot nach seinem Militärdienst als Söldner verdient. Unglücklicherweise erkrankt Wade nicht nur an Lungenkrebs. Auch seine Prostata, sein Gehirn und alle möglichen anderen Organe sind von der unheilbaren Krankheit betroffen, was ihm nur noch wenig Hoffnung gibt. Gezwungenermaßen setzt sich Wade den schmerzhaften und wahrhaft grausamen Experimenten einer unbekannten Organisation aus, die in ihm eine Mutation hervorrufen, durch welche er faszinierende Selbstheilungskräfte erlangt – und somit zu Deadpool wird.

 

Fans der gleichnamigen Marvel Comics wissen, dass Deadpool – ein Mutant wie auch Wolverine oder Professor X – definitiv nicht seine Kräfte zugunsten der Menschheit einsetzen möchte. Die X-Men lassen ihn somit ziemlich kalt. Er begibt sich selbst auf einen Rachefeldzug, der mehrere oder gar unzählige Opfer fordert. Was Deadpool allerdings so überaus charmant macht, ist nicht seine bahnbrechende Skrupel- und Gnadenlosigkeit. Der wahrscheinlich größte Arsch unter allen Marvel-Charakteren ist vor allem durch sein vorlautes Mundwerk und seinen teilweise etwas derben Humor bekannt. Fans und Kenner der Comics waren nicht ohne Zweifel, als angekündigt wurde, dass Ryan Reynolds Wade Wilson alias Deadpool, den er ja bereits schaurig und ziemlich lächerlich in X-Men Origins: Wolverine darstellen durfte, verkörpert. Hingegen jeglicher Erwartung hat es jedoch Reynolds bereits in mehreren Teasern und Trailern des Films bewiesen, dass er tatsächlich für die Rolle geboren wurde. Seine passionierte Präsentation des völlig irrwitzigen Charakters nimmt allerdings im Film selbst überdimensionale Formen an. Die Tatsache, dass eine Filmfigur seinen eigenen Darsteller und dessen vorherige schauspielerische Leistungen derart verspottet, macht Deadpool alleine deswegen schon sehenswert.

Abgesehen von unzähligen Anspielungen auf das Marvel-Universum und insbesondere das X-Men-Franchise, sorgen Deadpools komödiantische, aber dennoch äußerst derbe Mono- und Dialoge für jede Menge Unterhaltung. Es ist unmöglich, auch nur fünf Minuten still zu sitzen, da einem eine Lachattacke nach der anderen packt – auch wenn der Witz noch so tief unter der Gürtellinie sein mag. Unglücklicherweise hat die deutsche Synchronisation dafür gesorgt, dass einige Aussagen ihren Witz etwas verlieren, weshalb es eher zu empfehlen ist, den Film mit Originaltonspur zu sehen.

 

Des Weiteren kommt die Darstellung anderer mutierter Nebencharaktere etwas zu kurz. Die beiden X-Men Colossus und Negasonic Teenage Warhead erscheinen zwar als unglaublich kreative und durchaus amüsante Figuren auf der Leinwand, haben aber bedauerlicherweise viel zu wenig Screentime, so dass man sich kein genaues Bild verschaffen kann. Ebenso der eigentliche Widersacher Deadpools Ajax, porträtiert von Ed Skrein, der vor allem durch seine Rolle als Daario Naharis in Game of Thrones bekannt wurde, genießt nicht so viel Aufmerksamkeit wie es ihm vielleicht gebühren sollte. Allerdings lautet der Titel Deadpool – und genau das kriegt man, wenn man sich den Film ansieht.

Neben unzähligen Witzen und verbalen Arschtritten gibt es Eines, mit dem Deadpool definitiv das Herz eines jeden Kinogehers gewinnen kann. Tim Miller hat es geschafft, grandios choreographierte Actionszenen mit zum Teil lächerlichen Slapstickeinlagen zu kombinieren. Gewalt und Blut gibt es bei Deadpool auf keinen Fall zu wenig. Nicht umsonst wurde der Film bereits in mehreren Ländern ab 18 oder erst gar nicht freigegeben, da die gewalttätigen Handlungen und vulgären Ausdrücke des Protagonisten für jüngeres Publikum und Zartbesaitete auf jeden Fall etwas zu viel sein könnten. Wer über jede Menge Blut und abgetrennte Gliedmaßen allerdings hinwegsehen kann, wird durchaus seine Freude an dem amüsanten Gemetzel haben.

 

Comicverfilmung hin oder her – Deadpool ist ein actiongeladenes Lachspektakel, das mehr Tränen verursacht als so mancher Chick-Flick. Mit seinen atemberaubenden Kampfszenen und einem Hauptdarsteller – ein Idiot, den man einfach lieben muss – ist der Film alles, was man sich von Popcornkino erwartet. Ryan Reynolds bietet eine One-Man-Show der Extraklasse und zeigt, dass jeder eine zweite Chance verdient. Also weg mit dem grünen Ring, und her mit den Chimichangas!

Kinostart: 12. Feburar 2016
Genre: Action, Fantasy, Comedy
Regisseur: Tim Miller
Cast: Ryan Reynolds, Ed Skrein, Brianna Hildebrand, Stefan Kapicic, Morena Baccarin, T.J. Miller
Land: USA
Dauer: 108 Minuten
Filmverleih: 20th Century Fox Film
Für Fans von: X-Men, The Amazing Spider-Man, Iron Man

9punkte

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