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Die Nacht, in der Enrique Iglesias mein Corazon eroberte

Die Nacht, in der Enrique Iglesias mein Corazon eroberte

Enrique Iglesias begleitet mich schon mein halbes Leben lang. Irgendwie schafft er es doch immer wieder, dass er mir nicht aus meinem Kopf geht. Was allerdings an seinen vom Radio totgespielten Nr.1-Hits liegt. Denn dort läuft seit Jahren immer mindestens ein Lied von ihm sozusagen in der Endlosschleife.

Kein Wunder also, dass die Wiener Stadthalle am 14.12. zu seiner „Sex And Love“-Tour nahezu voll war. Laut Moderator Benny Hörtnagl um die 12.000 Besucher. Na servas! Ein großer Andrang also, das Schnucki nach 16 Jahren mal wieder live in Wien zu sehen. Mit einem Bier bewaffnet und das schlimmste befürchtend (hatte ich doch noch das diesjährige Justin Bieber-Konzert im Hinterkopf) fand auch ich schließlich meinen Platz in der Stadthalle. Ganz oben, ganz am Rand.

Aber der Latin-Lover ließ dann doch noch auf sich warten. Und zwar sehr lange: In der Zwischenzeit versuchte ein DJ die Stimmung unter den Fans einzuheizen. Und „versuchen“ ist da schon weitaus übertrieben: Er spielte lustlos einen Remix nach dem nächsten. Und wurde offensichtlich und laut hörbar ausgebuht. Erlösung für uns und für ihn gab es erst kurz vor dem eigentlichen Beginn des Konzerts – in Form der zwischenzeitlichen, musikalischen Lückenfüllung aus den Boxen. Schade, wenn Musik vom Laufband besser ist als der eigentliche DJ.

Enrique Iglesias, der Freak

Nicht unbedingt pünktlich, aber endlich (Lichtblick!) begann dann auch das Konzert. Und Enrique Iglesias stürmte die Bühne – nachdem er sich anfänglich noch auf den letzten Stufen versteckt gehalten hatte. DRAMA, Baby! Begleitet von seiner Band gab er dann auch gleich I’m A Freak von seinem aktuellen Album zum Besten. Und in der Tat, da hat der Latino nicht ganz Unrecht: So, wie er auf der Bühne herumsprang, erinnerte er mich an ein sehr aufgewecktes Kind. Oder an Rumpelstilzchen. Fand ich dann nicht ganz so sexy, aber dem Publikum unten schien das durchaus zuzusagen.

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© Dave Bitzan

 

Was mir allerdings imponierte, war die Tatsache, dass er live sang. Na gut, Refrain kam dann doch vom Band, aber so schnell konnte Enrique nicht vom einen Ende der Bühne wieder zurück zum Mikro hüpfen. Der war nämlich sehr damit beschäftigt, den Fans in den ersten Reihen eine geile Show zu bieten. Und zwar, indem er ein Selfie nach dem anderen über sich ergehen ließ. Kann man auch machen. Aber in meinen Augen war’s dann doch ein bisschen viel Show. Und OH MEIN GOTT, der Typ fühlt sich. Aber was erwartet man auch von einem Pop-Artisten, dessen Album Sex and Love heißt? Der Funke war jedenfalls noch nicht so wirklich bei mir übergesprungen.

Nicht bis zu Duele El Corazon. Denn abgesehen von dem musikalisches Zuckerl durfte ich an einem ganz anderem Ereignis teilhaben: Gleich neben mir hielt ein Fan um die Hand seiner Freundin an – und anscheinend war das ihr Lieblingslied und sie hin und weg, denn das „Ja“ ließ nicht lange auf sich warten. Ich fand es jedenfalls total romantisch. Und die kreischende Mädchen-Menge um mich herum auch, denn die konnten gar nicht mehr aufhören die Neuverlobten zu bejubeln. Sehr süß. Und nochmals Gratulation an die beiden!

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© Dave Bitzan

 

Enrique Iglesias performte währenddessen brav auf der Bühne weiter und bekam von dem nichts mit. Schade. Und noch trauriger war, dass ihm seine Background-Sängerin gesanglich die Show stahl. Da muss er dann doch noch ein bisserl üben, der Enrique. Das merkte man vor allem bei seinem Versuch, Bob Dylan’s Knockin On Heavens Door zu covern. Doch die Show machte die fehlende Stärke in der Stimme wett – denn von Konfetti bis Nebelmaschine war eigentlich alles dabei.

Vienna’s Hero?

Für die hinteren Reihen war Enrique Iglesias der Hero des Abends: Seinen Klassiker gab’s auf einer kleinen Stage, am anderen Ende der Halle. Vorne und oben konnte man ihn nicht sehen, denn der Bildschirm war pechschwarz.

Und, war er mein Hero? Eigentlich lag es eher an der Verlobung als tatsächlich an seinem Konzert, dass mein Corazon erobert wurde. Aber zusammenfassend kann ich sagen: Das Konzert war nicht schlecht. Im Gegenteil. Denn er hatte Spaß, das Publikum hatte Spaß. Ich hatte Spaß. Und so mancher fühlte sich in die 2000er zurückversetzt. Und ich bin sicher noch auf dem einen oder anderen Konzert anzutreffen. Aber: Lieber Enrique, lass uns bitte nicht wieder 16 Jahre darauf warten!

 

Photos: (c) Dave Bitzan

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