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Dishonored 2 im Test

Dishonored 2 im Test

Zwei Titel, die Bethesda Softworks auf der E3 des Jahres 2015 angekündigt hat, haben für mich persönlich alle anderen Präsentationen des Events in den Schatten gestellt: Fallout 4 war eines dieser Spiele und war schon ganz okay wie es war. Die zweite, völlig unerwartete Ankündigung war Dishonored 2. Voller Eifer stürzen wir uns ein weiteres Mal in das Kaiserreich der Inseln und retten die rechtmäßigen Thronerben vor einem Putsch und intriganten Charakteren.

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Düstere Straßen und zwielichtige Gestalten

Nimm, was dir gehört

Ein weiteres Mal wird im Kaiserreich der vier Inseln geputscht: Die ehemalige Kaisertocher und nun amtierende Kaiserin Emily Kaldwin bekommt Besuch vom Herzog von Karanca, der Hauptstadt der südlichen Insel Serkonos. Dieser marschiert mit befremdlichen Uhrwerksoldaten und einem „Geschenk“, wie er es nennt, in den Thronsaal. Das unerwünschte Mitbringsel namens Delilah gibt sich als die Halbschwester der ehemaligen Kaiserin und Tante Emilys zu erkennen. Genau so wie Corvo (der Protagonist aus dem ersten Teil und Emilys Vater), ist sie vom Outsider gezeichnet und somit der Magie befähigt. Die Kaiserin und ihr Vater sind umzingelt und zu Flucht gezwungen. Je nachdem welche der beiden Figuren man spielen möchte, wird die eine entkommen, während die andere von Delilah versteinert wird. Dies ist eine wichtige Entscheidung, da beide Charaktere vom Outsider besucht werden, um das Geschenk der Magie zu erhalten, doch mit unterschiedlichen Fähigkeiten, welche die Navigation durch die unglaublich liebe- und detailvoll gestaltete Welt grundlegend ändern. Ein weiteres Mal wurde die Kaiserfamilie entehrt und ein weiteres Mal muss der Adel sein Gesicht verbergen. Doch trachtet er nach blutiger Rache oder einem friedvollen Weg den Thron wieder zu erlangen?

Dishonored 2 GP

Betäuben oder meucheln? Es liegt an dir!

Gerechtigkeit, aber zu welchem Preis?

Am eigentlichen Gameplay hat sich nichts geändert. Dishonored 2 ist genau so wie sein Vorgänger ein Action-Titel, der dem Spieler die Möglichkeit bietet ohne ein einziges Leben zu nehmen das Spiel zu beenden oder einen blutigen, mit Leichen gepflasterten Boden zu hinterlassen. Es gilt in erster Linie Schlüsselfiguren in der Politik auszuschalten, um den Antagonisten zu schwächen und den Thron wieder zu bekommen. Was das Spiel wirklich gut umsetzt, ist beide Spielstile spannend und anspruchsvoll zu gestalten. Während sich der Geduld und Timing voraussetzende, friedliche Low Chaos Run am Anfang als schwierig entpuppt, jedoch mit der steigenden Anzahl an Fähigkeiten, die man im Laufe des Spiels freisetzen kann, einfacher wird, verhält es sich mit dem schnelleren, blutigen High Chaos Run genau umgekehrt. Die meisten Gegner sind in der Regel mit wenigen Schlägen zu besiegen, was die Kämpfe besonders schnell und kurz macht, doch je mehr Blut man vergießt, umso mehr gefährliche Gegner erscheinen in den folgenden Missionen, was das besonders gegen Ende der Story trotz übernatürlicher Fähigkeiten eine richtige Herausforderung darstellen kann. Entsprechend sieht dann auch der Epilog, welcher das Schicksal einzelner Schlüsselfiguren nach dem Spiel ergründet, düster oder friedvoll aussehen.

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Charakterauswahl: Corvo oder doch lieber Emily?

Das Juwel des Südens

Aus dem Thronsaal in Dunwall verbannt, flieht man auf ein Schiff und lernt den kalten, einarmigen, einäugigen Kapitän Meagan Foster kennen. Sie erklärt sich bereit Emily wieder auf den Thron zu helfen und bringt den Protagonisten nach Karnaca. Arkane Studios hätte den Beinamen der Stadt – das Juwel des Südens – nicht treffender wählen können. Die Stadt ist wunderschön gestaltet: Idyllische Bezirke im waldigen Gebirge, südländisches Urlaubsfeeling an der Küste und bezaubernde Architektur sind immer wieder im Spiel zu entdecken. Gott sei Dank wird das Spiel diesen Szenerien auch grafisch gerecht, denn Dishonored 2 hat sich technologisch sehr stark gesteigert und bietet hochdetaillierte Texturen, komplexe Lichter und Schatten sowie großartige 3D-Objekte ohne den subtilen, doch charakteristischen Stil zu verlieren. Zudem ist die Welt geflutet mit einer mannigfaltigen Sammlung an Collectibles wie Gemälde, Power-Ups und Runen, die man zum Freischalten und Verbessern von Fähigkeiten einsetzen kann.

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Kirin Jindoshs Elite: Die Uhrwerksoldaten

Keine Routine, pure Kreativität

Früher oder später stellt man jedenfalls fest, dass das Juwel mehr als nur verdorben ist. Der neue Herzog von Karnaca, der auch beim Putsch mitgewirkt hat, regiert mit eiserner Faust und scheut weder vor Unterdrückung noch Brutalität. Die jährliche Blutfliegen-Plage hat dieser Bastard zudem auch außer Kontrolle geraten lassen, was uns einen sehr nervenraubenden Gegnertyp und den Bewohnern viel Leid beschert hat. Entsprechend sieht das Land hinter der bezaubernden Fassade auch aus: Verletzt, mitgenommen und verwahrlost, in manchen Situationen fast schon verrückt, denn jedes Kapitel dieses atemberaubenden Spieles konfrontiert mit einer neuen Mechanik, welche den Spieler dazu zwingt umzudenken, um erfolgreich durch das Level zu kommen. In einem frühen Kapitel zum Beispiel entpuppt sich das Anwesen eines Ziels als gewaltiges, mechanisches Konstrukt, welches Wartungsschächte hinter den Wänden hat und mittels Hebeln und Schaltern ganze Räume innerhalb von Sekunden umgestalten kann. Entsprechend spielt sich dieses gewaltige 3D-Labyrinth anders, als der in einem späteren Kapitel auftretende Staubbezirk, der Spieler und Gegner mit regelmäßig auftretenden Feinstaub-Stürmen für wenige Sekunden nahezu blind macht. Es wird ersichtlich, dass jedes Kapitel eine eigene Strategie erfordert.

Ebenso regelmäßig werden neue Gegner wie Uhrwerksoldaten, Hexen und besessene Zivilisten vorgestellt. Während man bei der ersten Begegnung nahezu immer heillos überfordert ist (besonders bei einem friedlichen Run), lernt man nach den ersten Kämpfen wie in Zukunft vorzugehen ist. In Kombination sorgen diese zwei immer wieder auftretenden Veränderungen für ein durchgehend frisches und aufregendes Erlebnis.

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Anton Sokolov malt ein Gemälde von Delilah Kaldwin

Alte Freunde, neue Feinde

Charaktere und ihre merkwürdigen Persönlichkeiten waren im ursprünglichen Dishonored eine unglaubliche Stärke. Auch in der Fortsetzung bleiben die Figuren einem in Erinnerung. Während man alte Freunde wie Anton Sokolov, Corvo und Emily Kaldwin, sowie diverse kleinere Rollen wieder sieht, lernt man auch eine Menge neuer, fast noch spannenderer Gesichter kennen. Darunter sind das wissenschaftliche Genie Kirin Jindosh (dem der Rubik’s Cube, den er sein Anwesen schimpft, gehört), die anfänglich verachtete, später bemitleidenswerte Delilah Kaldwin und die talentierte Alchemistin Alexandria Hypatia. Während die bekannten Gesichter sich weiterentwickelt und verändert haben, sorgen die neuen mittels Mysterien und exzentrischen Persönlichkeiten für Spannung. Eine Wandlung mit der ich persönlich jedoch überhaupt nicht zurecht komme, ist die des Outsiders. Im ersten Teil eine geheimnisvolle Gestalt, die jenseits von Gut und Böse ist und sich keiner Wertung deiner Taten bemüht, so wie es sich für einen allmächtigen Fadenzieher ohne Partei gehört, präsentiert er sich in der Fortsetzung als verschmitzter, sehr unsympathischer Bengel, der sich seiner Macht bewusst ist und sich in keiner Bescheidenheit übt. Nicht nur, dass er manchmal fast schon spöttisch agiert, auch nennt er sich selbst in einem Moment, der ihn als beleidigte Leberwurst outet vor Einbildung strotzend, einen Gott. Das ist nicht der edle, wahrlich gotthafte Outsider, den wir im ersten Dishonored kennen gelernt haben!

Auch hat das Ende der Geschichte nicht dasselbe in mir ausgelöst, was der Epilog des Vorgängers vermochte. Ich war zurückgelassen mit einem tauben, mulmigen Gefühl, wollte trotz dem guten Ende nach der Achterbahnfahrt nicht, dass die aufregende Reise aufhört. Ich hatte sofort das Verlangen Dishonored noch ein weiteres Mal zu spielen. Dishonored 2 jedoch nimmt ein Ende ohne ein solches Gefühl zu hinterlassen. Es wirkt fast schon forciert oder zumindest sehr abrupt. Es geschieht nichts Unerwartetes (und um klarzustellen, dass ich hier nicht spoile: Auch ein Twist kann erwartet oder unerwartet sein, also ist diesbezüglich alles offen), das Spiel führt einen geradeaus zum Ziel, und nachdem man das Gamepad zur Seite gelegt hat, fragt man sich: „Es war schon ein geiles Spiel, aber… das wars?“

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Nimm was dir gehört!

Fazit

Egal wie du spielst, Dishonored 2 hält dich auf Trab und bietet Herausforderungen. Für die Erkundungsfreudigen gibt es zudem in Karnaca und in Dunwall sehr viel zu sehen, sammeln und bestaunen. Während die actiongeilen Abenteurer mit dem blutigen High Chaos Run auf ihre Kosten kommen, werden geduldige Freunde des taktischen und ruhigen mit dem Non-lethal Run zufriedengestellt. Wer sich irgendwo in der Mitte sieht, kann natürlich auch einen eigenen Weg wählen, der nicht weniger unterhaltsam und immersiv sein wird. Die Fähigkeiten sind ausgeklügelt und bieten eine Menge Möglichkeiten, um sich einen individuellen Spielstil zusammenzustellen. Zudem spielen sich die zwei spielbaren Figuren unterschiedlich genug, dass man den Eindruck hat ein anderes Spiel im selben Setting in der Hand zu haben. Dishonored 2 ist eine starke Empfehlung an alle Gamer da draußen – vorausgesetzt sie scheuen sich nicht vor Blut und Grausamkeit, denn davon ist in jedem Run (allein durch die unzähligen Tode des Spielers) eine üppige Auswahl vertreten.

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Release Date: 11.11.2016
Plattform: PS4, Xbox One, PC
Genre: Stealth-Action
Publisher: Bethesda Softworks
Entwickler: Arkane Studios
PEGI: 18

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