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Einzeln Gold, in Summe nur Bronze: Michael Bublé – Nobody But Me

Einzeln Gold, in Summe nur Bronze: Michael Bublé – Nobody But Me

Michael Bublé hat ein neues Album – und schon ist egal, wie grau es draußen ist! Nobody But Me heißt es und punktet wie immer mit wundervollen Eigenkompositionen und leidenschaftlichen Neuinterpretationen von Standards. Bei Michael Bublé weiß man eben, was man bekommt. Aber nicht alles daran ist so rosig, das erkenne ich sogar durch meine rosarote Brille.

Kann ein Morgen besser beginnen, als mit brandneuen Klängen von Michael Bublé? Wohl kaum sage ich, die ich mit großen Ohren und Herzchenaugen an meinem Schreibtisch sitze und Nobody But Me lausche. Doch schon nach dem ersten Hören macht sich etwas Ernüchterung breit – irgendetwas trügt meine Euphorie.

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Die LP enthält ganz klar zwei Arten von Tracks: Auf der einen Seite stehen die fröhlichen Popsongs, auf der anderen die romantischen Jazzsongs. Gitarre, Ukulele und Mundharmonika versus Kontrabass, Piano und Saxofon. Das Problem auf Nobody But Me ist die Balance zwischen ihnen: Sie wechseln sich regelrecht ab, was zu einem etwas holprigen Hörerlebnis führt. Im einen Moment wippt man mit Kopf und Fuß mit, schon ertönen im nächsten Moment Orchesterklänge, zu denen man sich lieber zurücklehnt und die Augen schließt, um sie zu genießen.

Das gilt besonders für die Nummer zehn God Only Knows: Es ist das ruhigste Lied des Albums, das sich ganz zärtlich mit sanften Streichern aufbaut und einen verträumt zurücklässt – sofern man nicht die Deluxe Version hat. Und die hab ich leider nicht, also kann ich euch nichts zu den drei Bonustracks sagen. (Da muss dann Spotify herhalten). Aber dieses süße Wackelbildcover ist auch mit dabei:

An zwei Stellen werde ich aber doch noch von Nobody Got Me überrascht: Erstens hätte ich niemals gedacht, eine Rapeinlage (!) in einem Michael Bublé-Lied zu hören, aber so ist es auf dem Titelsong Nobody But Me! Diesen Part übernimmt Black Thougth von The Roots. Zweitens hätte ich auch nie Meghan Trainor als Duettpartnerin erwartet. Denn ums mal auf die Berliner Art zu sagen: Ick mag die Trulla nich. Trotzdem erkenne ich an: Someday ist deshalb nicht schlecht. Nur leider könnte der Track auch auf dem Album jedes x-beliebigen Popsängers drauf sein. Und ihre Stimme ist mir zu dominant. So.

 

Lied Nummer vier, On an Evening in Roma (Sott’er Celo de Roma), möchte ich noch extra hervorheben, weil es auf dem Album ganz besonders ist: Es war das erste Lied, das Michael Bublé für Nobody But Me aufgenommen hat, das Orchester war live im Studio dabei und so wurde nichts nachbearbeitet. Und nicht zuletzt ist es eine Widmung an seine verstorbene Großmutter.

Sadly, we lost her last year to Alzheimer’s and when I recorded it right from the studio floor (no pro-tools). I just closed my eyes and thought of her… That one came straight from the heart.

Hach Michael, jetzt möchte man dich erst recht fest in den Arm nehmen!

Fazit

Nobody But Me wird vermutlich nicht zu meinem Lieblingsalbum von ihm avancieren, auch wenn er sogar selbst mitproduziert hat! Aber es ist immer noch Michael Bublé, auf den ich so einen major crush hab, dass ichs nicht viel schlechter bewerten kann. Ich liebe seine poppige Seite, ich liebe seine jazzige Seite – aber auf dieser LP hat er es einfach nicht geschafft, ein homogenes Bild zu schaffen. Einzeln gesehen sind die Tracks aber immer noch Gold! Viel Gefühl, gerne mit einer Prise Kitsch, aber hier und da auch mit einem Zwinkern in den Augen – das ist die bewährte Rezeptur seiner Songs, von denen ich einfach nicht genug bekomme. Denn ich drücke immer wieder auf Play.

Michael Bublé – Nobody But Me

Für Fans von: Jamie Cullum
Reprise Records (Warner)
21.10.2016
Gesehen um €15,497punkte-cd-review_neu

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