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Feurige Breakdowns – Parkway Drive im Gasometer Wien

Feurige Breakdowns – Parkway Drive im Gasometer Wien

Gestern brachten drei harte Bands mit heißen Akzenten die Hallen des Gasometers zum Kochen. Die Australier Parkway Drive liefern zur Zeit nämlich zum Anlass ihres neuen Albums Ire eine Riesentour ab, auf der sie von ihren heimischen Kollegen Thy Art Is Murder und den britischen Architects begleitet werden. Welche dieser Metalcore-Größen beim Wiener Auftritt besonders hervorgestochen hat, verraten wir euch hier.

Zeit zum Getränke holen

Kurz vor Weihnachten gab Thy Art Is Murder-Frontman Chris McMahon seinen Austritt aus der Band bekannt. Er verließ die Gruppe aus familiären Gründen, fand aber Ersatz für die bereits geplante Tour, in welcher Nick Arthur, Sänger der Deathcore-Band Molotov Solution, seinen Posten übernehmen sollte. In solch eine Rolle zu schlüpfen ist jedenfalls keine leichte Aufgabe, was man auch beim gestrigen Auftritt bemerkte. Zugegebenermaßen war die Location bereits zu Beginn randvoll gefüllt, was für einen Opener eher ungewöhnlich ist, aber die Menge wurde definitiv nicht so richtig warm. Ob das letztendlich an der eigentlichen Performance lag, oder schlicht daran, dass ein Großteil der Besucher ausschließlich für Parkway Drive fieberten, ist ungewiss.

Vegan Power vs. Gasometer

Aus dem Matsch, den Thy Art Is Murder von sich gaben, konnte ich leider nicht viel Genießbares entnehmen. Lediglich ein paar Breakdowns und Blast Beats luden mich zum träge mitwippen ein, aber dieses generische Vorspiel vergrößerte letztendlich nur meine Vorfreude auf Architects. Als die Briten schließlich die Bühne betraten, wurde mir bewusst, dass der matschige Sound nicht an der Vorband lag. All die schönen Akzente, für die die Band so bekannt ist, versteckten sich hinter kräftigem Bass – Höhen wahrzunehmen war schlicht unmöglich. Jedes Mal, wenn der Gasometer einer Band dermaßen das Genick bricht, stirbt ein kleines Stück von mir. Für Architects habe ich sogar eine einzelne Träne vergossen, da ihre technische Raffinesse irgendwo im Nirvana der Raumdecke verloren ging. Zwischendurch dachte ich mir sogar kurz:

Eigentlich würde ich das gerade lieber auf YouTube sehen.

(c) Alexander Blach

(c) Alexander Blach

Nichtsdestotrotz lieferte die Band eine grandiose und vor allem makellose Show ab. Besonders makellos war vor allem der Ton vom Band, da Gitarrist Tom aus gesundheitlichen Gründen die Heimreise nach England antreten musste. Das lenkte allerdings nicht von der Top-Performance der restlichen Mitglieder ab. Selten sieht man Frontmänner, die sich dermaßen engagiert auf der Bühne bewegen und dennoch nicht aus der Puste kommen. Auch die anderen Architekten waren jederzeit on-spot und bewiesen Präzision und Ausdauer. Da hat sich die vegane Ernährung wohl ausgezahlt.

Architects Twitter

Was eventuell enttäuschend für den ein oder anderen Fan war, ist die Setlist. Von insgesamt neun Songs stammen acht vom neuesten Album, lediglich These Colours Don’t Run brach aus dem Lost Forever // Lost Together-Schema heraus. Zum Glück ist das neuste Album grandios, was den Ärger im Zaum hielt und es mir ermöglichte mit positiver Einstellung auf den Headliner des Abends vorauszublicken.

Neuer Stil, neuer Look

Parkway Drive brachten nicht nur ihr neues Album Ire mit auf Tour, Frontman Winston präsentierte auch stolz seine neue Frisur. Blond gefärbt trug er seine Haarpracht, was mich seltsamerweise an Maurice Ernst von Bilderbuch erinnerte. Trotz dem Gespött, das er vermutlich schon von YouTube-Kommentaren gewohnt ist, war Winston von Anfang an mit voller Kraft dabei. Man merkt, dass die Band viel Energie aus dem neuen, eher massentauglichen Album schöpfen, welches überraschend gut beim Publikum ankommt. Trotzdem enthielt die Setlist ebenso ein breites Spektrum aus alten Hits, so dass sowohl für alte als auch neue Fans etwas dabei war. Gar nicht dabei war Bassist Jia, der die Tour leider aus familiären Gründen absagen musste. Hier kam der Bass jedoch nicht vom Band, sondern vom Bassisten von Thy Art Is Murder. Drei Bands, keine einzige vollständig – well done.

(c) Alexander Blach

(c) Alexander Blach

Feurige Breakdowns

Gerade wenn mehrere Songs aus verschiedenen Alben gespielt werden, kann man leicht die Entwicklung einer Band verfolgen. Gestern fiel vor allem auf wie sehr die neuen Songs an Tempo verloren haben. Umso mehr freute ich mich über Lieder wie Romance Is Dead, welche mit drückender Double Base und mächtigen Breakdowns Nostalgie aufleben ließen und der Show etwas mehr Dynamik bescherten.

Parkway Drives Bühnenshow wurde von Feuerfontänen dominiert. Die waren sehr schön anzusehen und heizten vor allem den ersten Reihen etwas ein, aber sonst fehlte es etwas an Bewegung. Auch das Bühnenbild war eher unspektakulär und nahm den Vorbands grundlos Platz weg, welchen sie definitiv nutzen hätten können. Nichtsdestotrotz gelang es Parkway Drive unheimlich gut Stimmung aufzubauen, was hauptsächlich an dem Mitgröhlpotential einiger Nummern lag. Nicht umsonst beendeten sie ihren Auftritt wieder mit Home Is For The Heartless. Schließlich soll kein Parkway Drive-Fan mit Stimme nach Hause gehen.

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