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Final Fantasy XV im Test

Final Fantasy XV im Test

Final Fantasy XV ist hier! Nach einem Jahrzehnt in Arbeit, neuer Konsolengeneration und einem Namenswechsel kehrt die Rollenspiellegende endlich zurück. Hat sich das Warten gelohnt? Findet es heraus in unserem Test!

Hochzeitsvorbereitung mit Hindernissen

Es fängt alles so simpel an: Prinz Noctis, Thronfolger von Lucis, ist gemeinsam mit seinen Freunden unterwegs zu seiner Hochzeit mit Lunafreya aus dem Reich Tenebrae. Ihr Auto erleidet jedoch einen Schaden, was einiges an Verzögerung mit sich bringt. Klingt im ersten Moment wie ein seltsames Aufeinandertreffen von Game of Thrones und The Hangover. Ist im Endeffekt auch genau das: Klassische Archetypen von Fantasyepen treffen auf Konventionen moderner Action und, ja, auch Comedy. Das wirklich beeindruckende ist, dass diese Mischung auch tatsächlich funktioniert. In den Anfangsstunden ist es noch ungewohnt wenn das Geschehen von Königen mit Roben und Schwertern zu Frühstück in einem Tankstellenrestaurant wechselt. Bald schon wird man mit dieser ganz eigenen Szenerie warm und fragt sich wieso man derartiges nicht viel öfter geboten bekommt.

Auch dieses Final Fantasy hat keinen Mangel an Drama, Pathos und gutaussehenden Jungs.

Auch dieses Final Fantasy hat keinen Mangel an Drama, Pathos und gutaussehenden Jungs.

Ganz wie man es von Final Fantasy gewohnt ist, ist die Geschichte natürlich weitaus komplizierter. Bald schon hat man mit Verrat und Krieg zwischen Nationen zu tun. Wer dem Geschehen leichter folgen will tut gut daran auch den Film, Kingsglaive, gesehen zu haben, zwingend nötig ist dieser jedoch nicht. Letztlich muss man sagen: So besonders die Welt die hier geboten wird auch ist, wirkt die Story doch klassisch final-fantastisch. Die größte Abweichung stellt die von Beginn an festgelegte Gruppe an Hauptfiguren dar, welche als reine Männerrunde durch die Welt streift. Selbst dies erinnert allerdings an Final Fantasy X-2 und sein Damentrio. Bloß viel besser umgesetzt im Fall von Final Fantasy XV. Denn so sehr einen die Geschichte hier und da verlieren mag (und das kann bald passieren), die Figuren, ihr Charisma und ihre Chemie untereinander sind über jeden Zweifel erhaben. Noctis, Ignis, Prompto und Gladiolus tragen das Spiel auf ihren Schultern und tun dies mühelos. Noch nie zu vor hat die Party in einem Final Fantasy derart gut als Einheit funktioniert. Man hat wirklich das Gefühl mit ein paar Freunden einen Ausflug zu machen. Respekt hierfür, Square Enix.

Unendliche Weiten

In Sachen Gameplay wagt Final Fantasy XV einige Schritte weg von etablierten Mustern der Serie. Am wichtigsten ist hierbei das Kampfsystem. Rundenbasierte Kämpfe sind vergessen und man ist sogar noch eine Spur näher an einem Actiontitel, als man es beispielsweise bei Kingdom Hearts war. Auffälliger noch ist jedoch, dass man gleich mit Beginn des Spiels in eine offene Welt geworfen wird, in der man sogleich dutzende von Sidequests abschließen kann. Interessant ist hierbei nicht, dass Final Fantasy auf Open World Elemente setzt. Das ist nämlich keine Neuerung – spätestens wenn man ein Luftschiff erhalten hat, war noch jedes Final Fantasy in seinen letzten Akten ein weitläufiger Spielplatz voller neuer Aufgaben. Der Twist ist, dass man es diesmal einfach umgedreht hat: Anfangs kann man umherirren und sich austoben. Einen wirklich linearen Aufbau, in dem die Story in den Vordergrund rückt gibt es aber auch – in der zweiten Hälfte des Spiels. Die Mischung macht’s und so ist Final Fantasy XV auch hier klassisch, aber doch anders.

Das Kampfsystem erscheint zunächst überwältigend, entpuppt sich aber als äußerst intuitiv.

Das Kampfsystem erscheint zunächst überwältigend, entpuppt sich aber als äußerst intuitiv.

Das Questsystem von Final Fantasy XV ist jenem von Lightning Returns: Final Fantasy XIII nicht unähnlich, stellt primär jedoch eine Brücke zu westlichen Rollenspielen dar. Das äußert sich vor allem darin, dass die ganze Angelegenheit schlicht ein wenig übersichtlicher wird. Wie man es aus anderen Reihen kennt, kann man jederzeit alle Quests, abgeschlossene ebenso wie offene, schön aufgelistet abrufen. Das jeweils aktive Quest ist auch auf der Map markiert und kann mittels Auto, dem primären Fortbewegungsmittel von Final Fantasy XV, auch automatisch angefahren werden. Simpel, unkompliziert, bequem. Puristen mögen hier aufschreien und die Zeiten vermissen als man ohne Komplettlösung bei den meisten Nebenquests aufgeschmissen war. Für ein modernes Final Fantasy mit einer derart großen Welt kann jedoch gar keine andere Lösung in Frage kommen.

Im Wandel der Zeit

Final Fantasy XV war lange – sehr lange – in Entwicklung. Der Name und die angepeilten Systeme waren nicht das einzige was sich in dieser Zeit verändert hat. Während es aber wenig überrascht, dass Grafik und Gameplay sich seit den allerersten Trailern derart verändert haben, ist dies bei den Demos schon anders. Denkt man zurück an Episode Duscae, waren Charaktere, Welt und schlicht die Optik schon jene, die wir in Final Fantasy XV geboten kriegen. Das Kampfsystem wurde jedoch gründlich überarbeitet. Das anvisieren von Gegnern ist zuverlässiger, die Kamera stellt nicht länger den härtesten Kontrahenten dar. Als ganzes geht die Steuerung leichter von der Hand. Ausschlaggebend sind hier vermeintliche Kleinigkeiten. Ursprünglich waren etwa Angriff und Verteidigung aufgeteilt auf Haupt- und Schultertasten. Im finalen Spiel übernehmen letztere jedoch andere Funktionen, während Angriff und Verteidigung nun unmittelbar nebeneinander liegen (im Falle der PS4 Version auf Kreis und Quadrat). Dieses Finetuning, welches über mehrere Updates der Demo sowie Folgedemos erfolgt ist, sorgt letztlich für einen Titel mit einem besseren Spielgefühl – und einem sehr spaßigen Kampfsystem.

Wobei man auch anmerken muss, dass heutzutage kein Spiel mehr (exklusive Nintendo vielleicht) „fertig“ veröffentlicht wird und auch Final Fantasy XV ist hier keine Ausnahme. Sowohl kostenpflichtige als auch gratis DLCs stehen in den Startlöchern um ein ohnehin großes Spiel noch weiter auszubauen. Wie sich das Spiel im Verlauf kommender Updates verändern wird und ob Gameplay oder Story dadurch ebenfalls beeinflusst werden muss sich jedoch erst weisen. Der erste DLC, das Holiday Pack, ist seit dieser Woche in zwei Varianten (kostenlos und eine umfangreichere Variante für Season Pass Besitzer) erhältlich.

Selten hat die Welt eines Rollenspiels so überzeugend und einladend gewirkt wie in Final Fantasy XV.

Selten hat die Welt eines Rollenspiels so überzeugend und einladend gewirkt wie in Final Fantasy XV.

Auf Hochglanz poliert

Gelegentliche Glitches denen man im Spiel begegnet können über eines nicht hinwegtäuschen: Final Fantasy XV ist ein wunderschönes Spiel. Eines der ansehnlicheren für die neue Konsolengeneration. Weite Felder, knallige Farben, flüssiges Gameplay. Es funktioniert alles weitaus besser, als man von einem Titel der ursprünglich für die PS3 entwickelt wurde erwarten möchte. Bei einer so großen Welt sind kleine Fehler jedoch unvermeidlich, was sich eben in kleinen Glitches äußert. Meist bemerkt man diese jedoch gar nicht. Erst wenn man eine Nacht rastet und Prompto seine im Spiel geschossenen Fotos zeigt, kommt es zu eigenartigen Anblicken, wie etwa Charaktere die zweimal im Bild sind. In gewisser Weise enttarnt sich das Spiel hiermit selbst, da man in der Hitze des Gefechts meist keine Chance hätte derartige Fehler zu bemerken. Insbesondere, da Protagonist Noctis nicht so anfällig zu sein scheint, wie der Rest der Party. Dieser Umstand macht die Glitches zwar nicht ungeschehen – lässt einen aber eher darüber lachen, als dass man sich dadurch gestört fühlt.

Sieht man diesen kleinen Unreinheiten ab, ist Final Fantasy XV ein visuelles Meisterwerk. Eine Ansammlung beeindruckender Designs, die auf eine Art realisiert wurden, die schlicht lebendig wirkt. Mehr als in jedem anderen Final Fantasy, ist die Welt von Final Fantasy XV eine, die man gerne auch besuchen möchte. Der Sound hilft hierbei gewaltig. Kreaturen und Natur sind nie still. Manchmal macht es tatsächlich auch einfach Spaß den Klängen der Welt zu lauschen. Was nicht heißt, dass die Musik schlecht ist. Die Auswahl neuer Stücke ist absolut solide, wenn auch nur wenig einen wirklich umwerfen wird. Diesmal wurde aber auch die umfangreiche Sammlung älterer Soundtracks ausgenutzt. Mittels Autoradio – und später auch einem tragbaren Audioplayer – kann man die Songs der gesamten Reihe hören. Es ist für Fans ein echtes Highlight einfach durch die Gegend zu fahren und sich von nostalgischen Klängen berieseln zu lassen. Von allen Ideen die in Final Fantasy XV zu tragen kommen, ist diese eine der Besten!

Road Trip: Autofahren und Musik hören wir schnell zur schönsten Nebenbeschäftigung von Final Fantasy XV.

Road Trip: Autofahren und Musik hören wir schnell zur schönsten Nebenbeschäftigung von Final Fantasy XV.

Fazit

Final Fantasy XV ist nicht ohne Makel. Dafür ist speziell der Aufbau der Handlung zu verworren. Ereignisse geschehen mal zu plötzlich, während an anderen Stellen wieder viel Zeit mit Banalitäten vergeudet wird. Gleichzeitig wird auf vieles nicht ausreichend eingegangen und nicht selten hat man das Gefühl ins kalte Wasser gestoßen worden zu sein. Diese Fehler, ebenso wie die Glitches denen man immer wieder begegnet, mindern den enormen Unterhaltungswert jedoch kaum. Die Grafikfehler bemerkt man schließlich fast nie. Großartig geschriebene Figuren und eine lebendige Welt in der man sich willkommen fühlt lassen über Schwächen im Storytelling hinwegsehen. Das Gameplay selbst, mit seinem ungewohnten, aber gelungenem Kampfsystem und den unzähligen Sidequests garantiert Stunden voller Spielspaß. Kurz: Das Warten hat sich gelohnt. Final Fantasy XV ist top!

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Release Date: 29.11.2016
Plattform: PS4, Xbox One
Genre: Rollenspiel
Publisher: Square Enix
Entwickler: Square Enix
PEGI: 16

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