Home   /   Live Reviews  /  Musik  /   Fuck off forever! – The Libertines in der Stadthalle

Fuck off forever! – The Libertines in der Stadthalle

Fuck off forever! – The Libertines in der Stadthalle

Eine allzu positive Erwartungshaltung an die Libertines ist ja bekanntlich nicht mehr vorhanden und das hat berechtigte Gründe. Beurteilt wird mittlerweile zunächst nur, ob sie erscheinen und dann erst ihr musikalisches Können. Keine andere Band hat nämlich so oft ihre Gigs im letzten Moment abgesagt, wie die Londoner Band. Gestern war es dann aber wieder einmal so weit. Nachdem sie es – für ihre Verhältnisse – nur kurz spannend gemacht haben, sind sie nach etwa 20 Minuten Verspätung auf die Bühne gekommen und haben losgelegt. Aber erst einmal zurück zum Anfang.

Als Vorvorband fungierte Wildcats Dave aka Voodoo Jürgens, der zu seiner geloopten Gitarre eingängige Töne zupfte und die kaum gefüllte Stadthalle mit seinen Dialektsongs bei Laune hielt. Danach waren Reverend And The Makers an der Reihe, das Publikum für Pete vorzubereiten. Das hat auch gut funktioniert und ein großer Teil hat sich von Sprüchen wie

Put your hands up in the air

und

I can’t hear you Vienna

mitreißen lassen. Jeder, wie er glaubt.

Dann hat die gewohnte Unruhe vor einem Libertines Konzert begonnen und die Häuslgespräche gingen in Richtung: „Oh mein Gott, hoffentlich spielt er“ – „Keine Sorge, ich hab gehört er ist jetzt clean“. „Haha“, kann man dazu nur sagen und „Koste lieber nichts von Petes Fruchtsaft“.

the-libertines-live-stadthalle-wien-2016

(c) Mario Baumgartner

 

Mit seinem demonstrativen Pago in der Hand ist er dann um kurz nach neun auf die Bühne gekommen und die Erleichterung war da – wenn auch nur kurz. Denn was in der ersten halben Stunde dann los war, wissen auch nur die Musikgötter, die den Libertines nicht besonders gnädig waren: Schlechter Sound und eine halb abgedeckte Stadthalle haben den Funken nicht gerade überspringen lassen. Dafür wurde aber der „Moneyboy“ – also der fliegende Becher – immer wieder gemacht. Allerdings lieb gemeint.

Das Publikum war nämlich trotz des Nichtzusammenfindens der Band mit den ersten Nummern absolut zufrieden. Der Start war uninspiriert und einige instrumentale Wackler – gut, das sind halt die Libertines – sind jedem Laienohr aufgefallen. Drummer Gary hat sein Metallschlagzeugspiel ausgepackt und den Rest der Band ziemlich an die Wand gespielt, Petes Gitarre war, mehr als üblich, verstimmt und auch Carl hat es irgendwie nicht richtig gefühlt.

Nach einem kurzen Streit zwischen Pete und Carl und einem – wenn mich meine Lippenlesekünste nicht täuschen – „Fuck off“ an Pete, hat sich etwas getan. Plötzlich war es stimmiger und bei What Katie Did kam zum ersten Mal echte Konzertstimmung auf, was vielleicht an den entblößten Brüsten eines Fans lag. Nach Petes Aufforderung, ihre Brüste noch einmal herzuzeigen, weil Gary sie nicht sehen konnte (sehr solidarisch!), sind sie in der Stadthalle erst richtig angekommen.

the-libertines-live-stadthalle-wien-2016

(c) Mario Baumgartner

 

Viele gespielte Songs erkennt man ja schon am allerersten Ton, den The Libertines oft in die Länge gezogen und es dadurch spannend gemacht haben, was als Nächstes kommt. Die Setlist war einigermaßen gut gemischt, obwohl sie das neue Album fast zu ausgiebig verwendet haben. Dafür wurden die alten Songs teilweise neu interpretiert, denn die beiden ersten Alben sind auch das, wovon die Libertines leben. Ist man, musikalisch gesprochen, mit ihnen aufgewachsen, hat es schon fast etwas Nostalgisches, die vier Herren live zu sehen und es gab auch einige sentimentale Momente.

Und natürlich jede Menge Mikrofonständer, die Pete immer wieder in die Menge geworfen hat. Das war zwar das Einzige an „Exzess“ auf der Bühne, der an The Good Old Days erinnert hat. Mit bald 40 muss man aber auch nicht übertreiben. Nach der Zugabe hat dann auch noch eine Gitarre den Besitzer gewechselt – zumindest für eine Person hat sich also das teurere Ticket für den halb leeren „Inner Circle“ ausgezahlt.

Hier die Setlist vom 25.03.2016 in der Stadthalle Wien:

Barbarians
The Delaney
Heart of the Matter
Horrorshow
Fame and Fortune
Boys in the Band
The Milkman’s Horse
What Katie Did
Anthem for Doomed Youth
The Man Who Would Be King
You’re My Waterloo
Gunga Din
Can’t Stand Me Now
Queens Park Rangers Song
Vertigo
Death on the Stairs
Time for Heroes
The Good Old Days

Zugaben:

Music When the Lights Go Out
Up the Bracket
What A Waster
Don’t Look Back Into the Sun

Photos: (c) Mario Baumgartner

Home   /   Live Reviews  /  Musik  /   Fuck off forever! – The Libertines in der Stadthalle

Tags

Related Article