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Gefühlschaos: Frittenbude live in der Arena

Gefühlschaos: Frittenbude live in der Arena

Wenn Sonntagabend die Arena g’steckt voll ist und der Dancefloor bebt, dann sind wohl Frittenbude im Haus. Ein Konzert zwischen Stimmungsschwankungen, Herzerlregen und vergangenen Blütezeiten.

Frittenbude machen eingängige, tanzbare und melodische Musik – die aber trotzdem zum Nachdenken anregt. Quasi Deichkind auf linkslinks mit mehr Aussage und besserer Musik. Kurz gesagt: Sie meckern für den guten Zweck und die Message stimmt. Dazwischen verirren sich sinnfreie Lyrics über Pandabären oder Party. Ein Cocktail, zum dem man sowohl Hüpfen als auch Sitzen kann. Sitzen ist aber fad.

Deep, Deeper, Yawl

Als erster Act des Abends waren Yawl am Start, nicht zu verwechseln mit Yolo. Im Gegensatz zu diesem Scherz war die Musik richtig gut. Ein US-amerikanischer Sänger/Rapper, gekoppelt mit einem deutschen DJ. Licht geht aus, Deepness geht an. Die Beats sind sensationell, tiefgreifend und hart, die Piano-Lines meist in Moll. Der Vocalist Ancient Mith hat einerseits beachtliche Sprechgesang-Skills, andererseits auch eine kratzige, deepe Singstimme. Abwechselnd durch zwei Mikrophone singt er emotionsgeladen sein Set hinunter. Was bleibt sind eine gut aufgewärmte Arena, die sich langsam füllt und der Gedanke, unbedingt eine CD mitzunehmen.

Frittenbude

Yawl
(c) Mario Baumgartner

Mittlerweile ist die Arena g’steckt. Frittenbude starten ihr Set gegen 21:00. Siehe da, das Trio hat sich vermehrt und setzen jetzt auf stärkeren Live-Einsatz. Jakob, der Meister am Drumcomputer & Synthie, spielt nun auch Bassgitarre. Neu im Line-Up: ein zweiter Synthiekrieger und ein Schlagzeuger. Eletrofikkke live also. Sehr gut.

Gefühlschaos Frittenbude

Schnell wird klar – so ein großer Frittenbude Fan bin ich dann doch nicht. Das Set bringt vor allem eins mit sich: Stimmungsschwankungen. Ein buntes Potpourrie aus vier Alben, wahllos zusammengemischt. Das ist jetzt nicht zwingend schlecht. Das Publikum jedoch wechselt im Fünfminutentakt von Hüpfen zu Stehen, von Hände in die Höhe zu „Lass uns mal hinsetzen“. Das Mädchen vor mir raucht in Form eines E-Stengels umgerechnet 20 Tschick. Die Zungen des Pärchens links vor mir sind mittlerweile miteinander verschmolzen. Die Stimmungslücken im Frittenbude Set lassen also genügend Spielraum für etwaigen anderen Schabernack.

Frittenbude

Frittenbude
(c) Mario Baumgartner

Irgendwie schaffen es Frittenbude nicht ganz, die Leute durchgehend in Partylaune zu bringen. Nur zur Erinnerung: Es ist Sonntag.

Wenn dann Hits wie Zeitmaschinen aus Müll auftauchen, geht’s aber richtig ab. Frittenbude setzen außerdem auf stramme Ehrlichkeit anstatt auf Sarkasmus. Mit der Ansage „Jetzt spielen wir unseren größten Hit“ kam dann tatsächlich der größte Hit: Mindestens in 1000 Jahren. Der Dancefloor bebt, die Masse schwebt – das Gefühlschaos legt sich.

Genau deswegen bin ich hier

, hat zwar keiner laut ausgesprochen, doch sagt das Funkeln in knapp 2000 Menschenaugen oft mehr als 1000 Worte. Nun ist die Kacke am Dampfen.

Man bringe das Schlusswort

Nach Mindestens in 1000 Jahren spielen Frittenbude mit Raveland ein Kettcar Cover, das mindestens ähnlich gut ankommt. Trotzdem neigt sich das Konzert dem Ende zu – obwohl die Meute jetzt so richtig warm gekocht ist. Frittenbude lassen sich auch nicht lang zur Zugabe bitten und natürlich gibt es den zweitgrößten Hit Bilder mit Katze. Einfach nicht meins. Mit Pandabär, ihrem ersten Lied, beenden sie das Konzert. Es wird noch mal kräftig gestampft, dann wild von allen Seiten die Garderobe gestürmt. Schließlich ist ja Sonntag. Scheiße, Yawl CD vergessen.

Photos: (c) Mario Baumgartner

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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