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Stimmige Unstimmigkeit: Granada – Granada

Stimmige Unstimmigkeit: Granada – Granada

Der Plan war endlich mal wieder einen Review über einen österreichischen Act zu schreiben, ohne dass im jedem dritten Satz Vergleiche zu den omnipräsenten Wanda gezogen werden. Granda machts einem bei diesem Unterfangen alles andere als leicht…

Doch erst mal der Reihe nach. Granada brachten heuer im Spätsommer ihr selbst betiteltes Debütalbum raus. Die Stimme und die Produktion erinnern den geneigten Hörer frappant an einen anderen jungen Künstler aus Österreich. Ist das nicht der Effi? Der sympathisch-verträumte Grazer Bub mit der Ukulele, der uns auf Englisch den Sommer und die gute Laune zurückbrachte?

granada-cover

 

Warum zur Hölle singt der dann plötzlich im breitesten Wienerisch über die Schönheiten von Ottakring? Und da drängt sich doch sogleich ein böser Verdacht auf. Gibt es da nicht eine andere Band, die gerade eben mit Songs, im Wiener Dialekt gehalten, einen neuen alten Trend begründete und damit groß reüssiert?

Granada schielt mit mehr als zwei Augen in Richtung Wanda. Wenn ein Grazer Bub der sich mit Effi und seinen locker-flockig-freshen-englischsprachigen Texten in unsere Gehörgänge wohlig warm eingenistet hat, plötzlich fragt „Ob wir nicht alle z´deppat sind, Oida?“ dann ist da irgendwas nicht ganz stimmig.

 

Dabei war Granada als solches ja gar nicht geplant. Thomas Petrisch, der sowohl hinter Effi als auch Granada steht, sollte ein paar Songs zum Film Planet Ottakring beisteuern. Da die entstandenen Skizzen allerdings zu schade waren, um sie zu verwerfen, wurde daraus ein neues Projekt.

Und abseits des schalen Beigeschmacks die der sprachliche Umschwung mit sich bringt, ist es ein wirklich gelungenes Album geworden. Stimmig und ausgewogen arrangiert, Melodien und Zeilen, die im Ohr bleiben, hörbarer Emotion und immer mit einer Träne im Knopfloch.

I brauch kan Strand, weil i bin eh am Sand

– ein Satz, der eigentlich nur von einem Wiener stammen kann. Beim Song Wien wort auf di – eine Reminiszenz an Billy Joels Hit Vienna – sieht man sich förmlich bei der 10er Marie sitzen, mit einem Viertel Wein in der Hand und dem traurig raunzenden Akkordeon lauschend. Und der Song Lang is her ist eine mitreißende Hymne über vergangene, romantische Zweisamkeit am Neusiedler See. Ehrlich dargeboten, spärlich instrumentiert und mit einer Prise Balkandisko gegen Ende.

Fazit

Ein sehr stimmiges und gelungenes Album, welches beim ersten Hinhören aber doch ein paar inhaltliche Unstimmigkeiten offenbart. Das wohl erste authentische Wienerliedalbum eines Grazers. Aber, wer weiß, vielleicht simma dafür einfach z´deppat. Oida!

Granada – Granada

Für Fans von: Effi, Nino aus Wien, Wanda, Voodoo Jürgens
Karmarama
16.09.2016
Gesehen um € 17,998punkte-cd-review_neu

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Luis Pasching
äähm, mir ist grad ein bisi schlecht
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