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Hardcore-Klänge zum Faschingsdienstag – Stick To Your Guns in der Arena Wien

Hardcore-Klänge zum Faschingsdienstag – Stick To Your Guns in der Arena Wien

Wer sich zum gestrigen Faschingsdienstag nicht mit Clowns und Vampiren herumschlagen, trotzdem aber die Gelegenheit nicht missen wollte, sich an einem Dienstagabend mit Bier anschütten zu lassen, war in der Arena genau richtig. Mit Stick to Your Guns, Stray From The Path, Counterparts und Wolf Down versprach das Event eine Hardcore-Show, wie sie im Buche steht und zog trotz massiver Anzahl an Gegenveranstaltungen eine beachtliche Menschenmasse nach Erdberg.

Kuschelmosh

Wer die deutschen Kollegen von Wolf Down kennt, weiß, dass sie sich in der Hardcore-Szene nicht umsonst einen Namen gemacht haben. Bei ihnen gibt es – wortwörtlich – auf’s Maul. Als ich die große Halle der Arena betrat, wunderte ich mich erst, warum schon bei der ersten Band die Leute bis zur Bar standen. Dabei hielt das Publikum einfach präventiv Abstand zum tanzenden Pit, welcher neben den üblichen lustigen Gestalten auch mit moshenden Tierchen gefüllt war. Anscheinend bleibt man auch in der Arena nicht vom Faschingsdienstag verschont. Zumindest habe ich jetzt mal ein Bärchen und Äffchen violent dancen gesehen – sollte man das erlebt haben?

(c) Alexander Blach

(c) Alexander Blach

Arena is love, Arena is life

Der anschließende Auftritt von Counterparts hat mich positiv überrascht. Jedes mal wenn ich nach einem furchtbaren Konzert im Gasometer zurück in die Arena komme, weiß ich wieder die vier Wände dieser Konzertlocation zu schätzen. Mit ihrem leicht heruntergekommenen Stil sind die Örtlichkeiten durchaus ein Acquired Taste, jedoch habe ich noch nie einen besseren Mix aus intimen Pit, gesunder Raumgröße und gutem Sound erlebt. Vor allem Hardcore-Fans profitieren von dieser Konstellation und so war Counterparts wunderbar zu genießen. Wer beim Breakdown von Stranger nicht dazu inspiriert war sich zu bewegen, war definitiv auf der falschen Veranstaltung.

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(c) Alexander Blach

Who has ever seen us before?

Kommen wir zur Fehlentscheidung des heutigen Abends: Stray From The Path. Ich weiß deren Musik sehr zu schätzen – die interessante Mischung aus klassischem Hardcore mit progressivem Einfluss und Vocals, die verdächtig an Rage Against The Machine erinnern, sticht zweifellos aus dem üblichen Einheitsbrei heraus. Spätestens als Sänger Drew die volle Halle fragte, wer sie denn schon einmal live gesehen hatte und nur knapp 20 müde Hände aufzeigten, war klar, dass bloß der Name für den hohen Spot im Timetable sorgte. Wenn man sich bei einem Hardcore-Konzert problemlos mit einem randvollen Bier in die Mitte des Pits stellen kann, ohne dabei auszuschütten, läuft etwas falsch.

(c) Alexander Blach

(c) Alexander Blach

My only enemy is me!

Wenn der Signature Crowd Shout einer Band den eigenen Magazinnamen beinhaltet, ist man beinahe dazu verpflichtet, sich mit vollem Elan stimmig zur Musik zu bewegen. Nicht nur Such Pain gaben Stick To Your Guns gestern zum Besten, auch viele andere Songs vom grandiosen Album Diamond wurden gespielt. Dessen Prämisse ist schon eine mitreißende Show – mehr Mitsing- und Ohrwurmpotenzial hab ich bei noch keiner anderen Hardcore-Platte erlebt.

Das Einzige, was bei den Kaliforniern noch schief gehen kann, ist, dass sie wiedermal zu viel plappern. Vor zwei Jahren musste ich schon erleben, wie Sänger Jesse Barnett versuchte, knappe zehn Minuten Psychotherapeut und Weltverbesserer zugleich zu spielen. Gestern blieb das Publikum jedoch großteils von cheesy Ansprachen und PMA verschont. Lediglich ein paar kurze Worte verschwendete er zwischen den alten und neuen Knallern, die Stick To Your Guns mit sich brachten.

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(c) Alexander Blach

 

Wenn man mit schlechter Laune auf ein Konzert geht und mit Ohrwürmern und einem breiten Grinsen den Heimweg antritt, dann kann man definitiv von Erfolg sprechen. Mit dem neuen Album Disobedient hat sich wenig geändert – Stick To Your Guns sind immer noch eine der mitreißendsten und eingängigsten Bands des Genres und schaffen es trotzdem noch Shows abzuliefern, die sich so echt und nahe anfühlen als würden ein paar Freunde in der Garage des Nachbarn spielen.

Photos: (c) Alexander Blach

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