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Justin Bieber in Wien: #sorrynotsorry #kingofplayback

Justin Bieber in Wien: #sorrynotsorry #kingofplayback

Einmal Justin Bieber live sehen: Ein Traum, den ich mir am 08.11.16 erfüllt habe. Und 6 Tage habe ich gebraucht, um das ganze Konzert nochmals objektiv zu reflektieren – und um Streit mit Beliebern zu vermeiden.

Ja, auch als „Nicht-Belieber“ kann man Justin Bieber cool finden. Eine Tatsache. Und trotzdem muss ich mich sehr oft behaupten und rechtfertigen. Leute, ganz ehrlich: Get over it! Die Jahre des geschürten J.B.-Hasses sind vorbei, er ist älter, wir sind älter. Punkt. Da hat Eifersucht (und mehr ist es auch nicht) einfach keinen Platz mehr.

Nun ja, zurück zum eigentlichen Thema: Justin Bieber, in der Wiener Stadthalle. Ich bin ohne große Erwartungen hin. Ist jetzt auch nicht unbedingt die Art von Konzert, zu der es mich sonst zieht. Auch wenn das eine oder andere Lied in letzter Zeit einfach nicht mehr aus meinem Kopf zu verschwinden scheint. Und ja, er brachte die Wiener Stadthalle zum Beben – dank gefühlt 1.000.000 Mädchenstimmen, die beim Betreten der Bühne zu Woo Girls mutierten. Der Lautstärkenpegel? Eindeutig nicht mehr Zimmerlautstärke: Tinnitus in den ersten fünf Minuten vorprogrammiert. Seine Leistung? Schwach.

Bieber im Fieber?

Schlechte Haut, die Haare abgeschleckt, die wohl schlimmste Brille (2000 lässt grüßen!) auf der Nase und der immer grantige Blick lassen mich vermuten, dass der liebe Justin wohl gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe war. Vielleicht erklärt das auch, warum das mit dem Lipsync (Playback!) nicht so ganz geklappt hat. Denn einer hat tatsächlich gesungen – nur Justin Bieber war’s nicht. Das Mikro beim Bauch, die Lippen zum falschen Zeitpunkt bewegt oder auch bei der Drehung komplett vergessen, ja, so etwas fällt auf. Vor allem, wenn das bei Klassikern wie Baby, Boyfriend oder Sorry passiert. Da sollte er den Text doch auswendig können, möchte man meinen.

Begeistert war ich hingegen von den Background-Tänzern, die eine Wahnsinns-Choreo an den Tag legten. Und Justin Bieber nebenbei auch die Show stahlen. Aber da konnte er mit seinen Moves, so gut er sich auch bewegen kann, einfach nicht mithalten. Sorry. Des Weiteren muss ich den DJ loben, der für Stimmung gesorgt hat. Nette Idee, die auch Justin ein bisschen Auszeit gegönnt hat: Denn mit Band und DJ als Backup, die zwischen den Liedern ihr Können bewiesen und immer wieder ein „Jump, jump“ dazwischen riefen, konnte Justin von der Bühne verschwinden und hat sein Team machen lassen.

 

Aber ich muss auch dem lieben Justin ein paar Pluspunkte gönnen: Als er Love Yourself nur mit seiner Gitarre live performed hat, hab’ auch ich eine Gänsehaut bekommen. Liegt einerseits daran, dass ich Akustiksessions liebe und andrerseits auch daran, dass ich doch sehr überrascht war, so etwas auf seinem Konzert zu erleben. Wer hätte denn damit gerechnet, dass er sich tatsächlich nur mit der Gitarre hinsetzt? Und auch die kurze Schlagzeugeinlage sowie die Fragestunde mit den Fans haben mich begeistert. Auch wenn

Sprichst du Deutsch? (…) Sag Hallo.

nicht unbedingt die beste Frage gewesen ist, die gesamte Halle aber zum Lachen gebracht hat.

Belieber, ihr habt mehr verdient!

Dennoch muss ich etwas enttäuscht zugeben, dass der stolze Ticketpreis von 60 € aufwärts (!) mehr zu wünschen übrig lässt. Liebe Belieber, ihr habt mehr verdient als das! Justin Bieber kann singen – da frage ich mich ehrlich gesagt, ob ihm der ganze Ruhm nicht schon zu Kopf gestiegen ist. Hashtag: #KingOfPlayback. Denn Playback braucht er (noch) nicht. Und ist auch gemein euch gegenüber. Schließlich habt ihr für diese Leistung bezahlt – eingetreten ist sie nicht. Ein klassischer Fall von Sorry, not sorry.

Zusammengefasst kann ich sagen: Ja, ich habe ihn jetzt einmal live gesehen. Aber ich muss mir selbst die Frage stellen: War mir dieses eineinhalb Stunden Angaffen wirklich 60 €+ wert? Ehrlich gesagt bleib’ ich in Zukunft dann doch lieber daheim und hör’ ihn mir über meine Lautsprecher an – oder spiel Love Yourself gemeinsam mit Freunden auf der Gitarre. Aber jedem das seine.

Photos: (c) Anna Obermeier, Natascha Siebenhandl

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