Home   /   Live Reviews  /  Musik  /   Klassentreffen in der Arena: Terrorgruppe live

Klassentreffen in der Arena: Terrorgruppe live

Klassentreffen in der Arena: Terrorgruppe live

Ein Terrorgruppen Konzert im Jahr 2016 ist wie ein Hauptschul-Klassentreffen. Jugendfreunde kommen zusammen, man ist alt geworden und am lustigsten ist es dann aber doch, über alte Zeiten zu quatschen. Oder „Fick dich du Arschloch und spiel Gitarre“ zu schreien.

Um den nostalgischen Abend den richtigen Anstoß zu geben, trifft man sich natürlich bei der Tanke auf ein paar Blechdosen. Damit verbunden – das Zuspätkommen zur ersten Band des Abends, Kotzreiz. Für die zwei letzten Lieder hat es noch gereicht. Mit dem Alter hat man natürlich auch die Weisheit mit dem Löffel gefressen. Da ist man jetzt kritisch und so, weil man ist ja jetzt „alt“ und weiß alles besser. Eine Band, die sich weit Post-Millenium gegründet hat und 2016

Auch wenn die Welt untergeht – Punk bleibt Punk

singt, ist einfach kritisch zu betrachten. Ja, die Welt wird wohl mal untergehen, weil halt Nordkorea, Akte-X und überteuerte Limo aus Gurkenglasln. Aber ihr seid das Produkt der ersten no future Gesellschaft – ergo die future. Wenn man dann noch auf Wikipedia liest „Das Trio gab sich ein Assl-Punk Image“ und 2016 von Punk bleibt Punk singt, dann ist der Bogen zur Gänze gespannt. Zu ihrer Verteidigung, die Jungs waren echt sympathisch. Außerdem, würde ich es anders machen? Deswegen: Punk, oi oi oi!

Seid ihr Punker oder Popper?

Christlich um 21:00 Uhr betraten Johnny Bottrop, Archi „Mc Motherfucker“ Alert, Zip Schlitzer und die zwei neuen Mitglieder der Terrorgruppe die Bühne. Die erste Hälfte des Sets bestand zum Großteil aus Liedern von Tiergarten, der neuen Platte von der Terrorgruppe. Dazwischen mischten sich ein paar alte Klassiker wie Allein gegen Alle, Russen Hitler oder Sabine, die übrigens noch immer eine dumme Koksschlampe sein dürfte. Durchwegs ging es aber eigentlich sehr poppig zu.

Dem Schluss entgegen bahnten sich dann immer mehr Hymnen in das Set. Begonnen von Gestorben auf dem Weg zur Arbeit, Schöner Strand bis hin zu Opa und Mein Skateboard ist wichtiger als Deutschland. Also im Großen und Ganzen dürften sowohl Terrorgruppe-Neulinge (falls es so etwas gibt) als auch Terrorgruppen Mittel- und Urgesteine zufrieden gewesen sein. Auch wenn man halt Hits wie Nazis im Haus oder Amerika vermisst hat. Österreichische Mentalität – ganz zufrieden ist man nie.

(c) Alexander Blach

(c) Alexander Blach

Barrierefreiheit im Pit

Im Pit gibt’s Pogo. Nicht den Pogo, den man erwartet hätte. Das liegt aber vielleicht einfach an dem nicht vorhandenen Generation Gap. Anfang 2000 war man halt mit 15 im richtigen Durchschnittsalter auf einem Terrorgruppen Konzert. 2016 ist man das mit 28 auch noch. Oder mittlerweile wieder, weil Nostalgie und so. Der Unterschied: Mit 15 war man zwei Stunden am Stück im Pogo ohne Probleme. Mit 28 hat man jahrelang geraucht, sich viel zu oft von Fast Food und Bier ernährt, aber dafür viel zu wenig Sport gemacht.

Das stärkt aber auch den Zusammenhalt in der Gruppe. Also, wenn im Pit jeder problemlos mitmachen kann. Umso später es wurde, umso mehr verwandelte sich das Ganze in richtigen Pogo, auch wenn das von Archi viel verlangte Stadium des Blutpogos nicht erreicht wurde.

Offene Fragen

Müsste Tante Gerda nicht mittlerweile gestorben sein? Ist man zu konservativ, wenn man es nicht lustig findet, wenn ein 50-jähriger Mann sich freut, dass seine Tante Krebs hat (auch wenn diese vielleicht fiktiv ist)? Wie hat man das früher mit dem Pogo geschafft? Warum tut mir alles weh? Was hat das Alter mit mir gemacht? Kann man nicht einfach einen nostalgischen Abend genießen, ohne zu meckern?

Fazit: Fick dich du Arschloch und spiel Gitarre. PS: War eh ganz lustig.

Photos: (c) Alexander Blach

Mehr zum Thema:

Home   /   Live Reviews  /  Musik  /   Klassentreffen in der Arena: Terrorgruppe live

Tags

Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
Related Article