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Korrupte Gitarrenzerfickung: The Fall Of Troy im B72

Korrupte Gitarrenzerfickung: The Fall Of Troy im B72

Am Montag hat das US-amerikanische Post-Hardcore Trio The Fall Of Troy das Wiener B72 zerlegt. Zerlegt. Zerfickt. Man nenne es wie man will. Was hinterbleibt: Ein konstantes hohes Summen in meinem rechten Ohr und das Verlangen diese Aussage über den Gitarristen der Band zu tätigen. Dieser Mann spielt nicht einfach nur Gitarre: Er reißt sich auf seim Häfn an Serwas owe.

Ich kam. Sah. Sie siegten.

Jaja. Griechen, Römer. Who gives a Crap? Die Band Moving Tiny Parts definitiv nicht. Ich alter Musikfaschist bin ja mit einer voreingenommenen Meinung zur Vorband des Abends reingegangen. Rausgekommen bin ich verwirrt. So Math, Post-Hardcore, Pop Scheiss ist normal nicht meins. Es war aber tatsächlich unterhaltsam. Gut. Spannend. Hart und schnell. Und Tiny Moving Parts wissen definitiv, wie man Gas gibt. Der Gitarrist weiß, was Geschredde ist. Ich bin begeistert, wenn auch die Song-Strukturen etwas gewöhnungsbedürftig sind. Sagen wir so: Die Songs von Tiny Moving Parts sind so berechenbar wie ein britischer Sommer. Dennoch war es ein Fest, sich im schweißgefüllten B72 in ihrer Musik zu baden. Zu suhlen. Eine Band, der ich wohl eine zweite Chance geben muss. Oder aber auch ein klassischer Fall von sollte ich – werde ich aber nie tun. Immerhin fühl ich mich in meinem Tunnel ja ziemlich wohl.

Tiny Moving Parts(c) Mario Baumgartner

Tiny Moving Parts
(c) Mario Baumgartner

Irgendeine Headline, die ausdrücken soll, wie’s poscht.

Es ist mittlerweile kurz vor The Fall Of Troy. Der Raum hat sich wieder mit Sauerstoff gefüllt. Dass das nicht lange so bleiben wird, ist klar. The Fall Of Troy sind nämlich Musikgesellen der härteren Natur. Anfang der Nullerjahre gegründet. Ende der Nullerjahre aufgelöst. 2014 zurückgekommen. 2016 spielen sie ihren ersten Österreich-Gig. Das B72 ist recht voll – es gibt aber noch Spielraum.

The Fall Of Troy geben von erster Minute an Vollgas. So viel Power von nur drei Menschen. Gigantisch. Mir fehlen die Worte. Eigentlich nur deswegen, weil ich die meiste Zeit damit verbringe, dem Gitarristen Thomas zuzuschauen, wie er seine Gitarre zerfickt. Mit einer Hand. Mit zwei Händen. Von oben. Von unten. Die Stimmung ist ausgelassen. Der Sound hart und laut. Ein richtiger Ohrenschmaus. Zuerst eine neue Nummer vom Album OK – doch schon auf Platz drei oder vier kommt Doppelgänger ins Spiel. Mouths Like Sidewinder Missiles ertönt – die Menge haut sich in die Fresse.

The Fall of Troy(c) Mario Baumgartner

The Fall of Troy
(c) Mario Baumgartner

 

Es ist generell ein sehr durchmischtes Set. Mit all seinen Höhen und Höhen. Kurz gesagt: Es poscht durchwegs – nur eine kleine jazzige Bass und Schlagzeug-Einlage in der Mitte des Sets nimmt den Druck raus. Der Grund: Thomas hat eine Gitarrensaite zerfickt. Sie ist gerissen, jedoch in Windeseile gewechselt. Im Raum hat es mittlerweile 100 Grad, der Sauerstoff wird knapp. Nun spielen The Fall Of Troy schon knappe 55 Minuten. Auch wenn ich es nicht will, gestehe ich mir ein, dass ein Ende in Sicht ist.

Thanks for coming out. This is our last song!

Das Intro von F.C.P.R.E.M.I.X. ertönt. Ein übereifriger Fan startet seinen Weg von links vor der Bar Richtung Pit und rammte alle Menschen, die ihm im Weg stehen, weg. Endlich wird… wie sagt man? Gemosht? Ein würdiger Abschied. Das letzte Riff ertönt. Es soll ein abruptes Ende werden. Ein kurzes Thank you. Ohne Rücksicht auf Verluste stürmen die drei von der Bühne, kämpfen sich durch die Menge Richtung Ausgang und waren nie wieder gesehen. Um es in den Worten von Anthony Civarelli zu sagen: No Encore-Bullshit.

The Fall of Troy(c) Mario Baumgartner

The Fall of Troy
(c) Mario Baumgartner

 

Das Nachbeben

Ich setze mich ins Auto. Aus dem Radio ertönt gerade Dackelblut. Ein Verbleib vom Konzert des Vortags – Alte Sau und Lime Crush im Chelsea. Sobald jedoch die Leute aussteigen, die ich heimbringen sollte, wandert mein Finger Richtung Radio. Ich werfe die CD aus und krame durch meine CD-Schachtel. Siehe da, ich finde eine Manu Chao CD, die ich mit meiner Ex-Freundin rauf und runter gehört habe. Damals haben wir uns gestritten, weil sie diese CD dauernd hören wollte. Ich aber nicht. Heute lege ich sie jedoch ganz freiwillig ein. Denn alles andere vertrage ich nicht mehr. Meine Ohren und der sinnlose Stauraum zwischen ihnen schmerzen. Danke, The Fall Of Troy. Danke.

Fotos: (c) Mario Baumgartner

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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